Ein Dock, das mehr mitschneiden will als nur Strom
Der Chizha Mount Ling 2 Pro ist kein gewöhnlicher Handheld-Ständer. Der Hub funktioniert als Dock für Geräte wie das Steam Deck oder das Asus ROG Xbox Ally X, bringt aber eine eingebaute Capture-Karte und einen NVMe-Schacht mit. Damit lassen sich Gameplay-Aufnahmen und Speichererweiterung in einem einzigen Gehäuse unterbringen, statt drei separate Geräte plus Kabelknäuel auf dem Schreibtisch zu stapeln. Optisch setzt das Ganze auf eine eher cyberpunkige Formsprache, was zumindest nicht nach Standard-Zubehör aussieht. Wer oft zwischen Aufnahme-Setup und Wohnzimmer hin und her wechselt, ist genau die Zielgruppe.
Die technischen Eckdaten im Überblick
- Capture-Karte integriert, Aufnahmen mit bis zu 4K bei 60 fps
- NVMe-SSD-Schacht auf der Unterseite, bestückbar mit bis zu 4 TB
- Frontdisplay zeigt die aktuelle Ausgaberesolution und die Leistungsaufnahme an
- USB-C-Dock-Funktion für PC-Handhelds
- Gehäuse dient gleichzeitig als Ablage für das Handheld
Die Kombination aus Aufnahme und Speicher ist der eigentliche Kniff. Wer eine Capture-Karte am PC nutzt, braucht dort zusätzlich Platz für die Videodateien, die bei 4K60 schnell dreistellige Gigabyte pro Stunde erreichen. Eine 4-TB-Platte direkt im Dock verkürzt diese Kette deutlich.
Kickstarter läuft seit dem 3. November
Die Finanzierungskampagne auf Kickstarter ist am 3. November 2026 gestartet und soll am 3. Dezember 2026 enden. Wer jetzt einsteigt, zahlt nach Angaben des Herstellers 149 US-Dollar für die Variante mit Capture-Karte. Nach der Kampagne soll der Preis auf 249 US-Dollar steigen. Ein Euro-Preis ist bislang nicht bestätigt, deutsche Interessenten müssen also den Umrechnungskurs plus mögliche Einfuhrkosten im Blick behalten. Ein Vorgängermodell ist in den verfügbaren Unterlagen nicht belegt, die Zwei in der Produktbezeichnung bleibt damit vorerst unkommentiert.
Bei der Switch 2 gibt es noch Baustellen
Hier wird es unangenehm für Nintendo-Fans. In Hands-on-Tests mit der Nintendo Switch 2 zeigte das Dock mehrere Auffälligkeiten, die sich nicht wegdiskutieren lassen:
- An einem Samsung-Fernseher wirkten die Farben deutlich ausgewaschener als am offiziellen Switch-2-Dock.
- An einem portablen Monitor trat das Farbproblem nicht auf, dort blieb das Bild konsistent.
- Das Upscaling von nicht nativ in 4K laufenden Spielen fiel sichtbar schlechter aus als am Original-Dock, weil die Glättung offenbar nicht korrekt ausgelöst wird.
- Die interne NVMe-SSD funktioniert nur mit PC-Handhelds, nicht mit der Switch 2.
Der Hersteller hat die Farbabweichung gegenüber den Testern auf eine mögliche Firmware-Ursache zurückgeführt und erklärt, man arbeite an einer Lösung. Ein Termin für ein entsprechendes Update steht nicht fest. Bis dahin bleibt die Switch-2-Unterstützung in vollem Umfang unbestätigt.
Das Frontdisplay ist der unterschätzte Teil
Ein kleines Display an der Vorderseite zeigt an, mit welcher Auflösung das angeschlossene Gerät gerade ausgibt und wie viel Strom es zieht. Für Content-Creator ist das erstaunlich praktisch: Man erkennt sofort, ob die Konsole versehentlich in 1080p läuft statt in 4K, und sieht, ob das Netzteil genug Saft liefert oder ein Handheld im Dock langsamer lädt als erwartet. Beides sind Klassiker, die in Aufnahmen erst auffallen, wenn der Schnitt schon läuft.
Chizha und DockCase: Zubehör statt Spiele
Hinter dem Produkt steht der Hersteller Chizha, der auch unter dem Namen DockCase auftritt. Ein Publisher im klassischen Sinn existiert für ein Hardware-Produkt nicht, die Vermarktung läuft über die eigene Kickstarter-Kampagne. Eine lange Studio-Historie mit bekannten Marken lässt sich aus den öffentlichen Angaben nicht ableiten, das Unternehmen positioniert sich sichtbar im Umfeld von Handheld-Zubehör. Für Käufer bedeutet das: Die Verlässlichkeit der Lieferkette hängt hier stärker am Kampagnenverlauf als bei einem etablierten Zubehörhersteller.
Zwischen Creators-Setup und Konsolen-Einsatz
Der Markt für Docks rund um Steam Deck und Windows-Handhelds ist in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen. Viele Lösungen beschränken sich auf HDMI-Ausgang, USB-Anschlüsse und vielleicht noch einen Ethernet-Port. Der Mount Ling 2 Pro geht einen Schritt weiter und bündelt Aufnahme-Hardware mit Massenspeicher in einem Gehäuse. Das ist vor allem für Leute relevant, die regelmäßig Videos produzieren und bisher mit einer separaten Capture-Box plus externer SSD hantiert haben. Wer dagegen einfach nur das Bild auf den Fernseher bringen will, zahlt für Funktionen, die er nie nutzt.
Was am Ende des Tages bleibt
Die Faktenlage ist klar sortiert: Für PC-Handhelds funktioniert der Hub im Test sauber, inklusive Capture und SSD-Nutzung. Für die Switch 2 fehlen diese Vorteile derzeit, und die Bildqualität über den Dock-Ausgang bleibt hinter dem offiziellen Nintendo-Dock zurück. Wer primär Nintendo-Aufnahmen machen will, sollte die Firmware-Nachbesserungen abwarten. Wer mit Steam Deck oder ROG Xbox Ally X arbeitet und Kabel reduzieren möchte, bekommt für 149 US-Dollar im Early-Bird immerhin ein Gerät, das drei Aufgaben auf einmal übernimmt.