EndeNews Logo EndeNews
Commodore C65: Der nie erschienene C64-Nachfolger
News

Commodore C65: Der nie erschienene C64-Nachfolger

Der Commodore C65 sollte den C64 beerben, blieb aber ein Prototyp. Die Geschichte eines Heimcomputers, der nie in Serie ging.

F
FatimaEzzahra Zouhoum
TEILEN: Twitter Reddit

Der C65: Commodores geheimer Nachfolger

Der Commodore C65 war ein geplanter Heimcomputer aus dem Hause Commodore Business Machines und sollte als rückwärtskompatibler Nachfolger des C64 die Lücke zu den 16-Bit-Systemen schließen. Entwickelt wurde der Rechner zwischen 1990 und 1991, also zu einer Zeit, in der der C64 längst zum Massenphänomen geworden war. Intern trug der C65 auch die Bezeichnung C64DX, was die enge Verwandtschaft zum erfolgreichen Vorgänger betont. Offiziell in Serie verkauft wurde er nie. Damit ist der C65 ein klassischer Fall von Hardware, die das Licht der Welt nur als Prototyp erblickte.

Technik und Ausstattung des Prototypen

  • Der C65 war als 8-Bit-System ausgelegt und damit leistungsstärker als der C64.
  • Er sollte rückwärtskompatibel sein, also bestehende C64-Software weiterhin ausführen.
  • In das Gehäuse integriert waren eine Tastatur und ein 3,5-Zoll-Diskettenlaufwerk.
  • Der Rechner blieb ein Prototyp, eine Serienfertigung fand nicht statt.
  • Ein separater Publisher ist für die Hardware nicht belegt; Commodore entwickelte und vermarktete selbst.

Warum der C65 nie im Handel ankam

Die Entwicklung des C65 fiel in eine Phase, in der Commodore bereits mit den 16-Bit-Systemen der Amiga-Reihe liebäugelte. Der C65 sollte die Lücke zwischen dem altersschwachen C64 und den leistungsfähigeren 16-Bit-Rechnern schließen, doch genau dieses Segment wurde zunehmend von günstigeren Alternativen bedrängt. 1991 wurde das Projekt eingestellt, eine Veröffentlichung kam nicht zustande. Die Gründe dafür sind nicht einheitlich dokumentiert; verschiedene Darstellungen nennen unterschiedliche Schwerpunkte. Belastbar ist vor allem eines: Der C65 ging nie offiziell in den Verkauf.

Commodore und der C64: Eine schwere Erblast

Der C64 zählt zu den legendärsten Heimcomputern der 1980er-Jahre und prägte eine ganze Generation von Spielern. Commodore Business Machines hatte mit dem C64 einen Klassiker geschaffen, an dem sich jeder Nachfolger messen lassen musste. Der C65 war als Teil der Commodore-8-Bit-Linie gedacht und sollte diese Tradition fortsetzen. Gleichzeitig arbeitete das Unternehmen längst an 16-Bit-Hardware, die den C64 beerben sollte. Ein Nachfolger musste sich also gegen das eigene Erbe und gegen die eigene Zukunft behaupten.

Preis, Stückzahlen und offene Fragen

  • Ein belastbarer Euro-Preis für den C65 existiert nicht; die Quellenlage ist dünn.
  • Historische Schätzungen nennen einen erwarteten Verkaufspreis von rund 350 US-Dollar.
  • Spätere Liquidationsgeräte wurden offenbar für 95 bis 149 US-Dollar abgegeben.
  • Angaben zu Stückzahlen und einem konkreten geplanten Marktstart variieren je nach Quelle und sind nicht einheitlich belegt.
  • Auch der genaue geplante Marktstart ist nicht gesichert überliefert.

Einordnung: Zwischen C64 und Amiga

Der C65 steht exemplarisch für eine Übergangszeit der Heimcomputer-Ära. Auf der einen Seite drückte der C64 mit seiner riesigen Softwarebibliothek noch immer den Markt. Auf der anderen Seite drängten 16-Bit-Systeme wie der Amiga nach vorn und versprachen mehr Leistung. Ein weiterer 8-Bit-Rechner musste sich in diesem Spannungsfeld behaupten, und genau dort lag das Problem des C65. Er war gedacht als Brücke, doch die Brücke wurde nie gebaut. Für Retro-Fans bleibt er ein faszinierendes What-if der Computergeschichte.

Was vom C65 übrig blieb

Der C65 blieb ein Prototyp und erreichte nie die Serienreife. Einzelne Exemplare tauchten später im Umlauf auf, teils über Liquidationen, und avancierten zu begehrten Sammlerstücken. Für Retro-Fans ist der Rechner bis heute ein faszinierendes Relikt der Computergeschichte. Offizielle Verkaufszahlen gibt es nicht, weil es keinen regulären Verkauf gab. Wer heute von einem C65 spricht, meint fast immer eines dieser wenigen erhaltenen Geräte.

Die Lehre aus dem C65

Commodore hatte mit dem C64 einen Maßstab gesetzt, an dem der C65 scheiterte, bevor er überhaupt auf den Markt kam. Die Entwicklung zwischen 1990 und 1991 fiel in eine Phase, in der das Unternehmen bereits an 16-Bit-Hardware arbeitete. Der C65 wurde 1991 eingestellt, ohne dass eine Serienfertigung begann. Wer heute einen echten C65 besitzt, hält ein Stück abgebrochener Firmengeschichte in den Händen.

Quelle: Gaming - GIGA

VERWANDTE ARTIKEL