Ein Kartenspiel, kein Videospiel
Die Meldung kursiert derzeit mit einer Schlagzeile, die nach einem neuen Konsolen- oder PC-Titel klingt. Tatsächlich handelt es sich um The Lord of the Rings: The Return of the King Trick-Taking Game, den dritten Teil einer Tabletop-Reihe. Das Spiel stammt von Designer Bryan Bornmueller und schließt die Trilogie ab, die mit The Fellowship of the Ring begonnen hat. Einen konkreten Preis nennt die Ankündigung bislang nicht.
Die wichtigsten Eckdaten
- Release: Februar 2027
- Vorabverkauf: Dezember 2026, limitiert, auf der Messe PAX Unplugged sowie in ausgewählten US-Spieleläden
- Format: kooperatives Trick-Taking-Kartenspiel, kein digitales Produkt
- Designer: Bryan Bornmueller
- Vorgänger: The Fellowship of the Ring (2024), The Two Towers Trick-Taking Game (Januar 2026)
Was Trick-Taking eigentlich bedeutet
Trick-Taking ist ein Kartenspielmechanismus, bei dem pro Runde eine Karte ausgespielt wird und der höchste Wert den Stich holt. Bekannt ist das Prinzip aus Klassikern wie Skat, Bridge oder Wizard. Der Reiz der kooperativen Variante liegt darin, dass alle am Tisch gemeinsam gegen das Spiel antreten, statt sich gegenseitig zu überbieten. Bornmueller überträgt diese Mechanik auf die Handlung der drei Tolkien-Bücher. Statt Stiche zu sammeln, müssen die Spieler bestimmte Kartenkombinationen erfüllen, die den Verlauf der Geschichte abbilden.
Eine Reihe im Jahresrhythmus
Die Trilogie folgt einem klaren Veröffentlichungstakt. The Fellowship of the Ring erschien 2024 als Auftakt. The Two Towers Trick-Taking Game folgte im Januar 2026, also rund anderthalb Jahre später. Mit The Return of the King im Februar 2027 liegt der Abstand zum Vorgänger bei etwa einem Jahr. Diese Kadenz ist für lizenzierte Tabletop-Reihen ungewöhnlich straff, gerade weil Tolkien-Lizenzen traditionell streng vergeben werden und jede Iteration Abnahmezyklen durchläuft. Auf der Website wird das Spiel bei Office Dog Games geführt, eine ausdrückliche Publisher-Bestätigung im Ankündigungstext fehlt allerdings.
Die Sache mit den Enden
Die Ankündigung verspricht, das Spiel werde genauso viele Enden haben wie Peter Jacksons Film. Diese Aussage stammt aus dem Begleittext beziehungsweise einem Interview und ist keine unabhängig geprüfte Tatsache. Wer den Film kennt, weiß, dass Jackson mehrere Schlussszenen aneinanderreiht, von der Krönung Aragorns bis zur Abfahrt der Elben aus den Grauen Anfurten. Ob das Kartenspiel tatsächlich mehrere finale Spielzustände bietet oder ob es sich um eine bildhafte Beschreibung handelt, lässt sich aus dem vorliegenden Material nicht belegen. Spieler sollten die Formulierung daher als Marketing-Aussage einordnen, nicht als bestätigtes Design-Merkmal.
Der Designer im Hintergrund
Bryan Bornmueller ist kein Unbekannter im Bereich kooperativer Kartenspiele. Er hat sich auf Mechanismen spezialisiert, die bekannte Trick-Taking-Regeln mit erzählerischen Vorgaben verbinden. Die Tolkien-Trilogie ist sein bislang größtes Lizenzprojekt. Interessant ist der Ansatz, alle drei Bände als eigenständige Spiele zu behandeln statt als Erweiterungen. Wer mit Fellowship einsteigt, bekommt ein in sich geschlossenes Spiel und muss nicht zwingend alle drei Boxen kaufen. Für Sammler dürfte trotzdem reizvoll sein, dass die drei Titel zusammen die komplette Handlung abdecken.
Einordnung im Lizenzgeschäft
Tolkien-Spiele gibt es in fast jeder denkbaren Form, vom großen Strategiespiel bis zum Partyspiel. Trick-Taking ist dagegen ein vergleichsweise seltenes Genre für eine Lizenz dieser Größe. Vergleichbare kooperative Kartenspiele wie The Crew haben gezeigt, dass sich das Format auch außerhalb klassischer Kartenspielrunden verkauft. Der begrenzte Vorabverkauf im Dezember 2026 auf der PAX Unplugged deutet auf eine vorsichtige Auflage hin. Wer im Februar 2027 regulär zugreifen will, könnte je nach Nachfrage mit Engpässen rechnen. Konkrete Stückzahlen nennt die Ankündigung nicht.
Was bislang offen bleibt
Der Preis in Euro ist nicht genannt, ebenso wenig eine eindeutig bestätigte Publisher-Angabe im Ankündigungstext. Auch zur Lokalisierung, also ob es eine deutsche Ausgabe geben wird, findet sich in den verfügbaren Angaben nichts. Die Messe PAX Unplugged liegt in den USA, der Vorabverkauf richtet sich entsprechend zuerst an den englischsprachigen Markt. Wer die beiden Vorgänger im Regal hat, weiß, dass die Spielreihe bisher ohne deutsche Fassung auskam. Bis Februar 2027 bleibt damit vor allem eine Frage offen: ob der Abschluss der Trilogie die Geschichte genauso ausführlich zu Ende erzählt wie der Film.