EA macht die Glaskugel auf
Electronic Arts hat eine neue WM-Prognose veröffentlicht: Spanien soll die Weltmeisterschaft 2026 gewinnen. Die Vorhersage stammt aus der hauseigenen Simulation von EA Sports FC 26.
Trotz des Verlusts der FIFA-Lizenz führt der Publisher die beliebte Tradition fort. Statt des offiziellen Verbandslogos steht nun die eigene Marke im Mittelpunkt.
Die Prognose ist nicht willkürlich. EA Vancouver, das Studio hinter der Serie, programmiert seit über drei Jahrzehnten Fußballsimulationen. Die Engine des aktuellen Titels basiert auf Frostbite, einer hauseigenen Grafik- und Physikplattform, die EA auch in Battlefield und Madden NFL nutzt. Seit der Trennung von der FIFA (2023) trägt das Spiel den Namen EA Sports FC, der erste Teil FC 24 verkaufte sich innerhalb von fünf Wochen über 11 Millionen Mal. Die Prognose für 2026 ist das dritte derartige Marketing-Event unter dem neuen Label.
Simulation ohne offiziellen Segen
- Die Prognose basiert auf den Spielmechaniken und Daten von EA Sports FC 26.
- Ein genauer Ablauf der Simulation wurde von EA nicht kommuniziert.
- EA betont jedoch, dass die Engine das gesamte Turnier virtuell durchspielt.
Das ist ein cleverer Schachzug: Die WM-Prognose lenkt die Aufmerksamkeit auf die Serie, die nach der Trennung von FIFA einen eigenen Namen braucht.
Die Lizenzkosten für den FIFA-Namen lagen zuletzt bei rund 150 Millionen Dollar pro Jahr. Ohne diesen Etatposten kann EA mehr in die Spieleentwicklung stecken, oder, wie hier, in aufwendige PR-Kampagnen. Die Simulation selbst läuft vermutlich auf derselben Match-Engine, die auch im normalen Spielmodus zum Einsatz kommt. EA hat in der Vergangenheit nie offengelegt, wie viele Durchläufe pro Prognose gemacht werden oder ob Zufallsfaktoren wie Verletzungen oder rote Karten mit einfließen.
Spanien auf Platz eins
- Laut EA setzte sich Spanien im simulierten Finale durch.
- Weitere Ergebnisse, etwa der zweite Platz oder der Verlierer des Endspiels, gab der Publisher nicht bekannt.
- Die Wahl fällt auf eine Mannschaft, die in den letzten Turnieren nur selten als Topfavorit galt.
Ob Spanien die Erwartungen auch auf echtem Rasen erfüllen kann, wird sich im Sommer 2026 zeigen. Dann beginnt die WM, und die Simulation steht auf dem Prüfstand.
Spanien gewann zuletzt 2010 die WM. Im Kader von 2026 stehen Spieler wie Lamine Yamal und Pedri, deren Daten in EA Sports FC 26 aktuell hohe Bewertungen haben. Die Prognose setzt also auf eine junge Generation. EA selbst hat in der Vergangenheit mit solchen Vorhersagen oft richtig gelegen: Die Simulation von FIFA 18 sagte Frankreich als Sieger der WM 2018 voraus, FIFA 22 tippte auf Argentinien für 2022, beides traf ein. 2014 lag EA mit Deutschland ebenfalls richtig. Die einzige Fehlprognose der letzten Jahre war 2010, als die Engine Spanien erst im Halbfinale scheiterte (tatsächlich wurde Spanien Weltmeister). Die Genauigkeit liegt bei etwa 75 Prozent.
Entwickler und Serienhistorie
EA Vancouver (bis 2010 EA Canada) entwickelt die Fußballserie seit FIFA International Soccer (1993). Das Studio in Burnaby, British Columbia, beschäftigt rund 2.000 Mitarbeiter und arbeitet parallel an NHL, UFC und F1. Der erste Teil der neuen Ära, EA Sports FC 24, erschien am 29. September 2023 für PC, PlayStation, Xbox und Nintendo Switch. Verkaufszahlen: 11,2 Millionen Einheiten in den ersten fünf Wochen, ein Rekord für einen Sporttitel. Der Vorgänger FIFA 23 brachte es auf insgesamt rund 10,5 Millionen. Die Serie insgesamt: über 325 Millionen verkaufte Spiele seit 1993, laut EA-Geschäftsbericht 2024.
Die Entwickler verwenden seit 2017 die Frostbite-Engine, die zuvor für Ego-Shooter optimiert war. Das führte anfangs zu Kritik an der Spielphysik. Seit FC 24 setzt EA auf ein neues Animationssystem namens Hypermotion V, das reale Bewegungsdaten von Profispielern nutzt. Die Prognose-Engine greift auf dieselbe KI zurück, die auch den Karrieremodus steuert.
Frühere Prognosen und Branchenkontext
EA veröffentlicht WM-Vorhersagen seit 2010. Die Methode blieb ähnlich: Die Engine simuliert das Turnier mit aktuellen Kaderdaten, Teamstärken und Formkurven. Eine genaue Liste der vergangenen Prognosen:
- 2010 (FIFA World Cup South Africa): Simulierter Sieger Brasilien, tatsächlicher Sieger Spanien.
- 2014 (FIFA 14): Simulierter Sieger Deutschland, tatsächlicher Sieger Deutschland.
- 2018 (FIFA 18): Simulierter Sieger Frankreich, tatsächlicher Sieger Frankreich.
- 2022 (FIFA 22): Simulierter Sieger Argentinien, tatsächlicher Sieger Argentinien.
Die Prognose für 2026 ist die erste unter dem Namen EA Sports FC. Konkurrent Konami bietet mit eFootball (früher Pro Evolution Soccer) ebenfalls eine Fußballsimulation, hat aber keine WM-Lizenz und veröffentlicht keine Prognosen. Der japanische Publisher Strikerz Inc. arbeitet an UFL, einem Free-to-Play-Titel, der 2025 erscheinen soll, bekannt für hohe Spielerwerte, aber ohne Marktmacht. EA bleibt mit einem Marktanteil von rund 85 Prozent im Fußball-Segment der dominierende Anbieter. Die Simulation dient daher weniger als Wettbewerb, sondern als Markenpflege: Sie hält die Serie in den Schlagzeilen, während die Konkurrenz noch Aufbauarbeit leistet.