Ein vergessenes Kapitel vor Dark Souls
FromSoftware veröffentlichte am 13. August 1998 in Japan ein PlayStation-Spiel, das heute kaum noch jemand mit dem Studio verbindet: Echo Night. Statt Dämonen zu erschlagen, müssen Spieler hier Geistern helfen und deren unerledigte Angelegenheiten klären. Das klingt nach einem kleinen Nebenprojekt, ist aber der Auftakt einer ganzen Reihe. Wer heute an das japanische Studio denkt, hat Souls- und Elden-Ring-Schlachten im Kopf, keine seelenruhigen Geistergespräche.
Die harten Fakten
- Erstveröffentlichung am 13. August 1998 in Japan für die PlayStation
- Die nordamerikanische Fassung folgte später, laut Metacritic am 31. Juli 1999, dort übernahm Agetec den Vertrieb
- In Japan erschien das Spiel bei FromSoftware selbst
- Für Europa nennen Quellen Indie Games Productions und Nobilis als Publisher
- Ein Euro-Preis zur Erstveröffentlichung ist nicht belegt, dazu findet sich in den verfügbaren Angaben nichts Belastbares
Seelenruhe statt Kampftechnik
Echo Night ist ein First-Person-Adventure mit Horror-Elementen und Puzzle-Anteilen. Der Kern liegt auf Erkundung und Rätseln, nicht auf Kampf. Spieler durchstreifen eine unheimliche Umgebung und kommen mit Geistern ins Gespräch, um deren Geschichten zu lösen. Wer eine Waffe sucht, wird hier nicht fündig. Wer eine Atmosphäre sucht, die aus Unbehagen statt aus Blutfontänen entsteht, schon.
FromSoftware vor den Souls-Jahren
Dass FromSoftware heute als Haus für brutale Action-Rollenspiele gilt, war 1998 keineswegs ausgemacht. Echo Night zeigt ein Studio, das seine Bandbreite offenbar bewusst auslotete und in einem Genre wilderte, das damals auf der PlayStation Konjunktur hatte. In Japan trat FromSoftware bei diesem Titel gleichzeitig als Entwickler und Publisher auf, was auf ein vergleichsweise eigenständiges Projekt hindeutet. Erst Jahre später sollte sich das Profil des Studios deutlich schärfen. Der Kontrast zu den späteren Souls-Titeln ist entsprechend groß.
Eine Reihe mit drei Teilen
- Echo Night ist der erste Eintrag der Serie und legte das Grundgerüst aus Geistern, Rätseln und First-Person-Perspektive an
- Echo Night 2: The Lord of Nightmares setzte die Reihe fort
- Echo Night: Beyond folgte als weiterer Teil
- Die Serie als Ganzes wird in Einträgen auch mit PlayStation 2 und PlayStation Portable in Verbindung gebracht
Horror-Adventures der späten Neunziger
Die späten Neunziger waren für Konsolen-Horror eine fruchtbare Phase, in der Entwickler verschiedene Ansätze ausprobierten. Echo Night gehört zu den Vertretern, die auf Atmosphäre und Erzählung setzten statt auf schnelle Schockmomente. Für Spieler, die heute Klassiker der PlayStation-Ära nachholen, ist das ein interessanter Fall, weil das Spiel aus einer Zeit stammt, in der sich das Genre noch nicht auf ein Erfolgsrezept eingeschossen hatte. Die Regionen-Vergabe der Rechte an unterschiedliche Publisher zeigt zudem, wie fragmentiert der Markt damals war.
Keine Ankündigung, kein Remaster
Für einen neuen Teil, ein Remaster oder eine Neuauflage von Echo Night gibt es in den verfügbaren Informationen keine belastbaren Hinweise. Alle Spekulationen darüber wären unbestätigt. Wer das Original spielen will, ist auf die PlayStation-Fassung oder die Nachfolger angewiesen. Die Reihe ist bis heute ein Nischenkapitel in der FromSoftware-Historie geblieben.
Was das Spiel heute noch interessant macht
Der Ansatz, Geistern Frieden zu bringen statt sie zu bekämpfen, ist auch knapp drei Jahrzehnte nach dem Release ungewöhnlich. Echo Night erschien am 13. August 1998 in Japan und erreichte Nordamerika erst am 31. Juli 1999, also fast ein Jahr später. Dass ein solches Spiel unter dem Dach eines Studios entstand, das später mit Dark Souls Weltruhm erlangte, macht es zu einem Fundstück für alle, die die Entwicklung von FromSoftware nachvollziehen wollen. Ein Remaster ist bislang nicht angekündigt.