Ein Bruder tritt aus dem Schatten
Am 14. September 2001 erschien Luigi’s Mansion in Japan für den Nintendo GameCube, und damit begann die eigenständige Karriere des Mannes im grünen Hemd. Statt Hüpfpassagen und Feuerblumen bekam Luigi einen Staubsauger in die Hand, mit dem er Geister einfängt. Der Titel ist ein Action-Adventure und der erste Teil der Luigi’s-Mansion-Reihe. Heute, genau 25 Jahre nach dem japanischen Start, lohnt der Blick auf ein Spiel, das bewusst gegen die Erwartungen an ein Nintendo-Spiel der damaligen Zeit gebaut war.
Die harten Fakten zum Jubiläum
- Entwickler: Nintendo EAD, veröffentlicht von Nintendo
- Erstveröffentlichung Japan: 14. September 2001
- Nordamerika: 18. November 2001, Europa: 3. Mai 2002
- Plattform: ursprünglich Nintendo GameCube, 2018 dann als Neuveröffentlichung für den Nintendo 3DS
- Einordnung: Launch-Titel des GameCube und erster Serienteil, ein Preis in Euro ist in den verfügbaren Angaben nicht belegt
Ein Konzept gegen die Erwartung
Wer 2001 ein Nintendo-Spiel mit Mario-Logo kaufte, rechnete mit Sprungphysik, Röhren und Level-Endgegnern. Luigi’s Mansion machte das Gegenteil: Ein Herrenhaus mit begrenzten Räumen, in dem Luigi nicht springt, sondern saugt, bläst und Geister in Porträts sperrt. Die Struktur erinnert eher an eine Erkundungsaufgabe als an ein Parcours-Spiel, denn jeder Raum hat seine eigene kleine Aufgabe und Belohnung. Luigi selbst ist dabei kein stiller Avatar, sondern ein sichtbar nervöser Protagonist, der sich vor dem dunklen Flur genauso fürchtet wie der Spieler davor, hineinzugehen.
Nintendo EAD und die interne Werkstatt
Hinter dem Spiel steht Nintendo EAD, die zentrale interne Entwicklungsabteilung des Konzerns, aus der zahlreiche große Nintendo-Titel der damaligen Jahre stammten. Dass ausgerechnet diese Abteilung ein Spiel um eine Nebenfigur baute, war kein Zufall: Der GameCube brauchte zum Start ein Werk, das sich deutlich von den Vorgängerkonsolen abhob. Mit Luigi ließ sich das risikoärmer testen als mit der Kernmarke Mario, die weiterhin für die großen Hüpfspiele reserviert blieb. Luigi wurde so zum Versuchsfeld für ein anderes Tempo, eine andere Kameraführung und eine andere Art von Horror, die nie brutal, aber dauerhaft unheimlich wirkt.
Ein zweites Leben auf dem 3DS
- 2018 erschien die Neuveröffentlichung für den Nintendo 3DS, für die Grezzo als Entwickler genannt wird
- Nintendo blieb auch bei dieser Fassung der Publisher
- Die Handheld-Version brachte das Herrenhaus damit auf eine tragbare Plattform mit zwei Bildschirmen
- Die ursprüngliche GameCube-Version bleibt trotzdem die Referenz, an der sich die Serie bis heute messen lassen muss
Ein Starttitel mit Signalwirkung
Launch-Titel haben eine undankbare Aufgabe: Sie müssen eine neue Konsole sofort erklären, oft unter Zeitdruck und ohne eingespielte Werkzeuge. Luigi’s Mansion gehörte zu den ersten Spielen, die den GameCube ab dem Start 2001 beziehungsweise in Europa 2002 befüllten. Interessant ist dabei die Wahl des Konzepts: kein Technikschaufenster mit großen Welten, sondern ein überschaubares Haus mit dichter Atmosphäre. Diese Entscheidung prägte den Ruf des GameCube mit, der sich weniger über Masse als über eigenwillige Einzeltitel definierte.
Wie Luigi zur eigenen Marke wurde
Mit seinem Debüt 2001 wurde Luigi vom Koopinator zum eigenständigen Serienhelden, der sich nicht mehr an Marios Spielprinzip messen lassen musste. Die Reihe funktioniert, weil sie ihre Figur ernst nimmt: Luigi ist langsam, vorsichtig und angstbesetzt, was ihn von seinem Bruder klar trennt. Für Nintendo war das ein früher Beleg dafür, dass sich Nebenfiguren tragen können, wenn ihnen ein eigenes Regelwerk gegeben wird. Statt einer abgespeckten Mario-Version entstand ein Spieletyp, den es im Konzernkatalog davor nicht gab.
25 Jahre später im Regal
Der europäische Termin ist der, an dem viele Spielerinnen und Spieler das Herrenhaus zum ersten Mal betreten haben: 3. Mai 2002. Wer die Disc heute einlegt, bekommt ein Spiel, das in unter 15 Stunden durchgespielt ist und in dem kein einziger Sprung auf einem Gegner landet. Der Staubsauger, ursprünglich als Gag gedacht, ist inzwischen das Erkennungszeichen einer Figur, die 25 Jahre lang ohne ihn nicht mehr auskam.