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Mein erster MMO-Charakter: Warum ihn niemand vergisst
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Mein erster MMO-Charakter: Warum ihn niemand vergisst

Der erste Charakter in einem Online-Rollenspiel ist mehr als ein Avatar, er ist ein Stück Spielgeschichte, das viele nie ganz loslassen.

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Dennis Adam
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Der erste Charakter als persönliche Akte

Wer sich an sein erstes MMO erinnert, zählt selten Features auf. Erinnert werden der Charaktername, die Frisur, die Startzone und der Moment, in dem zum ersten Mal ein fremder Spieler an einem vorbeilief. Genau darum kreist dieses Format: eine Person, ein Erstling, eine Geschichte. Der Rückblick führt dabei fast immer weg von Zahlen und hin zu dem, was in den ersten Spielstunden passiert ist. Und er führt zu einem Menü, das damals niemand so schnell vergessen hat.

Die Mechanik hinter dem ersten Mal

  • Der Charakter ist in einem MMO der erste Gegenstand, der wirklich einem selbst gehört.
  • Er entsteht in einem Menü, das man nicht überspringen kann, während im Hintergrund die Welt lädt.
  • Sein Name wird zur Visitenkarte, andere Spieler sehen ihn über dem Kopf, bevor ein Wort gewechselt wird.
  • Anders als im Einzelspieler-Titel lässt er sich nicht einfach neu laden, er hängt an einem Server.
  • Und er überlebt häufig das Interesse an dem Spiel, zu dem er gehört.

Ultima Online und EverQuest: Die Jahre, in denen alles neu war

Ultima Online erschien 1997 und war für viele der erste Kontakt mit einer Welt, die weiterlief, wenn man den Rechner ausschaltete. EverQuest folgte 1999 und machte aus dem Konzept ein Hobby, das ganze Abende fressen konnte. Die Auswahl beim Erstellen war überschaubar: Rasse, Klasse, ein paar Werte, ein Name. Genau diese Kargheit sorgte dafür, dass sich Spieler den Rest selbst dazuerzählten. Der erste Charakter wurde damit weniger Figur als Projektionsfläche.

World of Warcraft und der Massenmarkt

Mit World of Warcraft ab 2004 wurde die Charaktererstellung zum Massenereignis. Zwei Fraktionen, mehrere Völker, verschiedene Klassen, dazu Frisuren und Gesichtszüge, die sich endlos durchklicken ließen. Wer damals zum ersten Mal auf dem Auswahlbildschirm stand, verbrachte oft mehr Zeit damit als mit den ersten Quests. Der Bruch zwischen Horde und Allianz war die erste echte Entscheidung, die man traf, und sie wurde in der Regel für Jahre getroffen. Viele Spielerinnen und Spieler kennen bis heute die exakte Sekunde, in der sie sich festgelegt haben.

Was von diesen Erstlingen erzählt wird

  • Von Namen, die heute peinlich wirken und damals unheimlich ernst gemeint waren.
  • Von der ersten Gilde, die irgendwann zerfiel oder in der man selbst verschwand.
  • Vom ersten gelöschten Charakter, meist aus Platzmangel oder Trotz.
  • Vom Serverwechsel, bei dem der alte Name plötzlich frei war und neu vergeben wurde.
  • Von der ersten Begegnung mit einem Spieler, der etwas erklärte, das nirgends im Handbuch stand.

Wenn der Server verschwindet

Zwischen 2000 und 2010 sind zahlreiche Online-Rollenspiele gestartet, und viele davon haben ihre Server längst abgeschaltet. Mit dem letzten Logout verschwinden nicht nur Daten, sondern ganze Biografien aus erfundenen Namen und Zahlen. Manche Spieler halten solche Welten über private Projekte am Leben, andere rekonstruieren ihre Figuren in Nachfolgern. Was bleibt, ist die Erinnerung an einen Charakter, den man nicht mehr anmelden kann. Das erklärt, warum Nostalgie in diesem Genre so viel stärker wiegt als in anderen.

Legolas, Gandalf und der eigene Vorname

Die Namenswahl erzählt viel über das Jahr, in dem ein MMO begonnen wurde. In den späten Neunzigern und frühen Zweitausendern dominierten Figuren aus bekannten Fantasy-Vorlagen, oft in abgewandelter Schreibweise. Später kamen Varianten mit Sonderzeichen, weil der Wunschname auf dem Server längst vergeben war. Wer heute noch unterwegs ist, erkennt an einem Namen oft das Startjahr des Gegenübers. Und viele bereuen genau diese Entscheidung bis heute mehr als jede Skillung.

Was von einem Erstling bleibt

Der erste MMO-Charakter ist selten der beste oder der stärkste gewesen. Er war der, mit dem man nicht wusste, wohin man läuft, und trotzdem losging. Genau diese Ahnungslosigkeit lässt sich später nicht wieder herstellen, auch nicht mit einem neuen Account und einem neuen Server. Sie ist an einen bestimmten Abend, eine bestimmte Version und eine bestimmte Gruppe gebunden. Und deshalb erinnern sich so viele Spieler an ihn, obwohl sein Name längst nicht mehr existiert.

Quelle: PCGamer latest

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