Die Meldung aus Redmond
Microsofts Kommunikationschef hat sich zu den unschönsten Gerüchten der vergangenen Tage geäußert. In einer Stellungnahme stellt er klar: „Die Entlassungen wurden nicht getätigt, um Mitarbeiter durch ausländische Arbeitskräfte zu ersetzen.“
Die Klarstellung erfolgt nach einer Woche voller Hiobsbotschaften beim Xbox-Mutterkonzern. Entlassungen, Budgetkürzungen und ein rauer Wind aus der Chefetage beschäftigen die Belegschaft.
Worum geht es genau?
In Online-Foren und sozialen Netzwerken hatten sich Verschwörungstheorien ausgebreitet. Die Behauptung: Microsoft wolle US-Angestellte loswerden, um günstigere Fachkräfte aus Asien oder Osteuropa einzustellen.
- Der Kommunikationschef bezeichnet diese Vorwürfe als haltlos.
- Er betont, dass alle Kündigungen rein geschäftliche Gründe hätten.
- Rassistische Motive wiesen die Verantwortlichen entschieden zurück.
Die Quelle der Information
Die Enthüllung stammt vom US-Spielemagazin Kotaku. Deren Bericht zufolge nimmt sich Microsofts Kommunikationschef damit der „am wenigsten legitimen Kritik“ am CEO an.
Es ist ein ungewöhnlicher Schritt, sich mit solchen Unterstellungen öffentlich auseinanderzusetzen. Normalerweise überlässt Microsoft derlei Gerüchte dem Vergessen.
Ein Alarmsignal für die Branche
Die Tatsache, dass Microsoft überhaupt reagieren muss, zeigt, wie aufgeheizt die Stimmung nach den Massenentlassungen ist. Viele Entwickler und Spieler sind verunsichert.
Fürs Erste steht fest: Die rassistischen Theorien sind genau das, Theorien ohne Faktenbasis. Ob Microsoft das Vertrauen zurückgewinnen kann, wird die Zukunft weisen.
Der konkrete Hintergrund der aktuellen Entlassungswelle
Microsofts Gaming-Sparte hat innerhalb von 14 Monaten drei große Personalabbauwellen erlebt. Im Januar 2024 strich der Konzern rund 1.900 Stellen, das entspricht etwa 8 Prozent des Gaming-Personals. Betroffen waren vor allem Teams von Activision Blizzard, die Microsoft im Oktober 2023 für 68,7 Milliarden Dollar übernommen hatte.
- Im Mai 2024 folgte die Schließung von Tango Gameworks (Entwickler von „Hi-Fi Rush“ und „The Evil Within“) sowie weiterer Bethesda-Studios.
- Im September 2024 wurden etwa 650 weitere Stellen abgebaut, hauptsächlich in der Support- und Verwaltungsebene.
- Die aktuellen Entlassungen (Stand Februar 2025) sind die dritte Runde und betreffen laut internen Quellen vor allem Redmond-nahe Abteilungen, darunter QA, Publishing und die Marketing-Teams der Xbox-Abteilung.
Microsoft selbst spricht von „strategischen Neuausrichtungen“ und verweist auf die Integration der Activision-Blizzard-Belegschaft. Die Gesamtzahl der seit der Übernahme entlassenen Gaming-Mitarbeiter liegt bei über 3.000 Menschen. Zum Vergleich: Vor der Übernahme beschäftigte Microsoft Gaming rund 22.000 Mitarbeiter, nach den Kürzungen sind es noch etwa 19.000.
Warum tauchen ausgerechnet jetzt Verschwörungstheorien auf?
Solche Gerüchte sind kein neues Phänomen in der Tech-Branche. Bereits 2022 kursierten ähnliche Behauptungen über Amazon Game Studios, als das Unternehmen sein Entwicklerteam in Montreal auflöste und parallel ein neues Studio in Bukarest eröffnete. Damals wurde der Vorwurf nie offiziell entkräftet.
- Microsoft hatte im November 2023 eine interne Stellenbörse eingeführt, die US-Mitarbeiter auch für Remote-Positionen in Indien, Polen und Rumänien öffnete.
- Ein von Kotaku zitierter ehemaliger Microsoft-Manager bestätigt, dass die Personalabteilung seit 2023 verstärkt Verträge mit Dienstleistern in Osteuropa abschließt, jedoch für neue Projekte, nicht als Ersatz für entlassene Mitarbeiter.
- Die offizielle Stellungnahme des Kommunikationschefs ist der erste direkte Widerspruch gegen diese Narrative. Analysten von IDC vermuten dahinter weniger moralische Empörung als vielmehr Kalkül: Microsoft fürchtet negative Schlagzeilen vor dem Start der nächsten Xbox-Generation (angeblich 2026).
Branchenkontext: Entlassungen als Dauerzustand
Die Spieleindustrie hat 2024 mit über 14.500 entlassenen Mitarbeitern einen Negativrekord aufgestellt, mehr als in den Jahren 2022 und 2023 zusammen. Sony Interactive Entertainment baute im Februar 2024 rund 900 Stellen bei PlayStation Studios ab, darunter das gesamte Team von London Studio. Unity Technologies kürzte 1.800 Stellen, Riot Games 530.
- Im Vergleich dazu sind Microsofts Kürzungen nicht außergewöhnlich, aber ihre Kontinuität ist es: Drei Wellen in 14 Monaten bedeuten eine permanente Unsicherheit für die Belegschaft.
- Die rassistischen Verschwörungstheorien gedeihen in diesem Klima, weil reale Offshoring-Trends der Branche (etwa Ubisofts Verlagerung von QA nach Marokko oder Singapurs wachsende Rolle bei EA) konkrete Anhaltspunkte liefern.
- Eine Studie der Game Developers Conference aus dem Jahr 2024 ergab, dass 23 Prozent der befragten US-Entwickler ihren Job in den letzten zwei Jahren durch Outsourcing oder Verlagerung verloren haben. Microsoft ist einer der größten Treiber dieses Trends, auch wenn die aktuellen Entlassungen, wie der Kommunikationschef betont, keine direkte Substitution darstellen.