Zurück bei Tubi
Die zwei Ghost Rider-Filme mit Nicolas Cage stehen ab sofort kostenlos beim Streamingdienst Tubi zur Verfügung. Damit kehrt eine Filmreihe zurück, die in Cages Karriere für intensive Kontroversen gesorgt hat. Der Bericht von Polygon ordnet die Streifen als kommerzielle Fehlschläge ein und feiert gleichzeitig das ungezähmte Spiel des Hauptdarstellers.
Zwei Flops, ein Nachleben
- Der erste Ghost Rider von 2007 spielte weltweit rund 228 Millionen US-Dollar ein bei einem Produktionsbudget von 110 Millionen US-Dollar.
- Die Fortsetzung Ghost Rider: Spirit of Vengeance von 2012 kürzte das Budget auf 57 Millionen US-Dollar und kam global auf magere 132 Millionen US-Dollar.
- Die Kritiken auf Rotten Tomatoes blieben mit Werten von 26 Prozent beziehungsweise 18 Prozent verheerend.
Aus den Verrissen von damals ist im Lauf der Jahre eine Empfehlung für Fans des absurden Kinos geworden. Wer heute einschaltet, bekommt kein glattes Blockbuster-Kino, sondern zwei chaotische Genre-Ausreißer der Regisseure Mark Steven Johnson und dem Regie-Duo Neveldine/Taylor.
Der Cage-Effekt
Nicolas Cage spielt in beiden Teilen mit maximaler körperlicher Präsenz und totaler gestalterischer Freiheit. Seine Darbietung verweigert sich jeder konventionellen Hollywood-Kontrolle.
- Er verdreht die Augen, brüllt Zeilen ins Mikrofon und zeigt physische Manierismen, die im modernen Blockbuster-Kino sonst streng herausgeschnitten werden.
- Jede Sequenz droht jederzeit in ein komplett entgrenztes Cage-Soloprogramm umzuschlagen.
- Genau dieser unberechenbare Stil verwandelt die Comic-Verfilmungen im Rückblick in Kultobjekte.
Studio-Historie und Lizenz-Hintergrund
Die Entstehungsgeschichte der Filme reicht tief in die turbulente Hollywood-Vergangenheit der Marvel-Verfilmungen vor dem Erfolg des Marvel Cinematic Universe zurück. Vor dem Start von Marvel Studios mit Iron Man 2008 verkaufte Marvel Comics Filmrechte an diverse Studios, um dem Bankrott zu entkommen.
- Sony Pictures und die Tochter Columbia Pictures sicherten sich die Rechte an Ghost Rider und übergaben das Projekt an Produzent Avi Arad.
- Vor Cages Besetzung waren jahrelang andere Darsteller wie Johnny Depp oder Keanu Reeves im Gespräch für die Rolle des Stuntmans Johnny Blaze.
- Nach dem Einbruch des zweiten Teils lief die Lizenz aus und fiel an Marvel Studios zurück, die den Charakter 2013 für die Serie Agents of S.H.I.E.L.D. adaptierten.
Branchenkontext und Gratis-Streaming
Der aktuelle Auftritt bei Tubi markiert einen Wandel in der Verwertung älterer, kommerziell gescheiterter Studiofilme durch werbefinanziertes Streaming, genannt FAST. Plattformen wie Tubi, das zu Fox Corporation gehört, setzen gezielt auf verarmte Franchises mit starkem Kultfaktor, um Nischenpublikümer zu binden.
- Ähnliche Wiederentdeckungen erlebten in den letzten Jahren andere späte Sony-Marvel-Flops wie Morbius oder Madame Web in sozialen Netzwerken.
- Das werbefinanzierte Modell senkt die Hürde für Zuschauer, die für solche qualitativ umstrittenen Filme kein Abonnement abschließen würden.
- Die Ghost Rider-Filme belegen damit einen festen Platz im aktuellen Internet-Diskurs über den Unterhaltungswert berechenbarer, glatter Mainstream-Produktionen gegenüber dem puren Chaos.