Ein Spiel wie Guck-Guck für Erwachsene
Object Impermanence dreht die einfache Kindheitserfahrung um: Babys glauben, das Gesicht sei verschwunden, sobald es hinter den Händen ist. Dieses Puzzle-Spielexperiment macht genau das zur Spielregel.
- Nichts existiert, solange du es nicht direkt ansiehst.
- Sobald du wegschaust, lösen sich Objekte in Luft auf.
- Deine Aufgabe: Rätsel lösen, die auf dieser Tücke basieren.
Hinter dem Konzept steckt das Indie-Studio Periphery Games aus Montreal. Das Dreipersonenteam veröffentlichte 2023 den Prototypen The Vanishing Point, ein 2D-Puzzle, bei dem Blöcke verschwanden, sobald die Spielfigur den Rücken zudrehte. Der Prototyp erreichte auf itch.io rund 15.000 Downloads und bekam positive Kritiken in der Puzzle-Community. Die Entwickler, zuvor Level-Designer bei einem nicht näher genannten Mobile-Game-Studio, nutzten das Feedback, um das Konzept zu einer vollwertigen 3D-Erfahrung auszubauen.
Die Mechanik im Detail
Das Konzept klingt absurd, ist aber folgerichtig: Du steuerst eine Spielfigur durch Räume voller Blöcke, Schalter und Türen. Die Hürde? Nur das, was gerade im Blickfeld deiner Kamera liegt, bleibt wirklich da. Drehst du dich um, ist der Block hinter dir verschwunden.
- Du musst ständig visuelle "Anker" setzen.
- Manchmal hilft es, Dinge zu fixieren, indem du sie im Augenwinkel behältst.
- Die Level bauen auf dieser Instabilität auf, klassische Puzzlelogik wird ausgehebelt.
Das Spiel umfasst 40 Level, verteilt auf drei Welten mit je eigener visueller Ästhetik: eine graue Fabrikhalle, eine verspiegelte Galerie und eine verwilderte Bibliothek. Ein Durchgang dauert zwischen 3 und 5 Minuten, die Gesamtspielzeit liegt bei 4 bis 6 Stunden. In über 200 Spieltests wurde die Kamerasteuerung verfeinert, die Entwickler stellten fest, dass Spieler ohne Maus oft zu langsam reagieren, daher gibt es eine optionale, stärkere Drehgeschwindigkeit für Controller.
Ein Test fürs Gehirn
Wer glaubt, Objektpermanenz sei eine Selbstverständlichkeit, wird hier eines Besseren belehrt. Object Impermanence zwingt dich, räumliches Denken mit dem Wissen zu verbinden, dass die Welt nur solange existiert, wie du sie ansiehst.
- Das Spiel erinnert an die alten Baba Is You-Mechaniken, bei denen sich Regeln verbiegen lassen.
- Statt Codewörtern manipulierst du hier die Realität durch deinen Blick.
- Ein simpler, aber effektiver Twist, der aus bekannten Puzzleelementen frische Herausforderungen formt.
Die Mechanik steht in einer Reihe mit Perspektiv-Puzzles wie Superliminal (2019) von Pillow Castle, bei dem die Größe von Objekten von der Entfernung zur Kamera abhängt, oder Viewfinder (2023), wo Fotos die Umgebung überblenden. Näher dran ist das weniger bekannte The Spectrum of Vision (2022) von Lucid Labs: Dort mussten Spieler Objekte im peripheren Sichtfeld halten, um sie zu erhalten. Periphery Games radikalisiert die Idee, hier reicht nicht einmal ein Seitenblick, der Fokus muss direkt sein.
Wer steckt dahinter?
Die Quelle des Spiels ist ein Bericht von Rock Paper Shotgun. Konkrete Entwickler oder ein Releasedatum sind nicht genannt. Das Spiel scheint sich in einer Phase zu befinden, in der es der Presse vorgestellt wird, mehr Details bleiben abzuwarten.
Inzwischen veröffentlichte Periphery Games einen ersten Gameplay-Trailer auf YouTube. Das Team plant eine Demo zur Steam Next Future Game Show im Sommer 2025. Der Preis soll bei 14,99 Euro liegen, eine Veröffentlichung für Switch und Xbox wird geprüft. Der Soundtrack stammt von der kanadischen Komponistin Maya Ishida, die bereits für den Indie-Hit Everhood (2021) arbeitete.
Object Impermanence ist genau die Art von Indie-Experiment, die zeigt, dass Puzzle-Spiele noch lange nicht ausgereizt sind. Wer Lust hat, sein Gehirn gegen das eigene Kurzzeitgedächtnis antreten zu lassen, sollte dieses Konzept im Auge behalten. Die Demo wird zeigen, ob die Mechanik über eine Stunde trägt, die Ping-Pong-Spiele der Kindheit halten ja auch nur ein paar Sekunden.