In sozialen Netzwerken macht gerade die Erzählung von der „RAM-Flut” die Runde: China baut seine Speicherfertigung massiv aus, erste Produkte mit chinesischen Chips sind da, also müssten die Preise bald fallen. Der erste Teil stimmt. Beim zweiten Teil sprechen die Zahlen der großen Hersteller eine andere Sprache.
CXMT wächst auf Micron-Niveau
Der chinesische DRAM-Hersteller CXMT soll laut einer Analyse von Citrini Research bis Ende 2026 etwa 350.000 DRAM-Wafer pro Monat fertigen, sofern alle laufenden Projekte planmäßig fertig werden. Micron, einer der drei großen Speicherhersteller, kommt in derselben Schätzung auf rund 375.000 Wafer pro Monat. Auffällig ist das Tempo: CXMT baut seine Reinräume in etwa zwölf Monaten, der Rest der Branche braucht dafür 21 bis 24 Monate.
Neuere Zahlen von TrendForce und Counterpoint Research, über die Android Headlines am 19. Oktober berichtete, nennen aktuell rund 320.000 Wafer im Monat. Innerhalb eines Jahres sollen 100.000 dazukommen, bis 2028 sind 600.000 Wafer pro Monat das Ziel. Wafer sind allerdings keine fertigen Chips: Wie viele brauchbare Speicherbausteine am Ende herauskommen, hängt von Ausbeute und Produktmix ab.
Lexar bringt das erste Kit mit China-Chips
Lexar hat Anfang August ein THOR RGB DDR5 Gen 2 Kit mit 32 GB (2 x 16 GB) und DDR5-7200 gelistet, Timings 38-48-48-86 bei 1,40 Volt, mit XMP 3.0 und EXPO. Die Chips stammen laut Lexar aus heimischer Produktion, den Hersteller nennt das Unternehmen nicht, in der Branche gilt CXMT als sicher. Im offiziellen JD-Shop kostet das Kit 3.999 Yuan, umgerechnet etwa 592 US-Dollar. Verkauft wird es nur in Festlandchina, zu einer weltweiten Verfügbarkeit gibt es keine Angaben.
Das ist der Haken an der Flut-Erzählung: 592 Dollar für 32 GB sind kein Preisbrecher. Dass heimische Produkte in China oft teurer sind als Importe, ändert daran wenig. Dazu kommt, dass CXMT laut Android Headlines seinen heimischen Kunden für 64-GB-DDR5-Servermodule mehr als 1.240 US-Dollar berechnet haben soll, mehr als Samsung.
Micron und Dell sehen 2027 noch knapper
Micron-Chef Sanjay Mehrotra sagte bei der Vorlage der Quartalszahlen am 30. September, Angebot und Nachfrage bei Speicher würden 2027 und 2028 deutlich enger ausfallen als 2026. Mehr als 75 Prozent der Produktion für 2027 seien bereits an Kunden vergeben, einen Zeitpunkt für ein Gleichgewicht könne das Unternehmen nicht nennen. Die DRAM-Preise stiegen laut Micron im vergangenen Quartal im hohen Zehnerprozentbereich.
Dell-Chef Michael Dell legte gegenüber dem Wall Street Journal nach: 2027 werde es schlimmer, weil der Ausbau der KI-Rechenzentren DRAM und HBM aufsaugt. Neue Speicherfabriken brauchten rund vier Jahre, nennenswerte zusätzliche Mengen erwarte er erst 2029 oder 2030. Die Speicherpreise seien in den vergangenen zwölf Monaten um fast 500 Prozent gestiegen. Auch SK hynix rechnet damit, dass die Knappheit bis 2030 anhält.
Was das für Gamer heißt
Die zusätzliche Kapazität aus China ist real, und jedes Kit, das dort mit heimischen Chips verkauft wird, entlastet rechnerisch Micron, Samsung und SK hynix. Nur bedient CXMT zuerst den eigenen Markt, und die Nachfrage aus den Rechenzentren wächst schneller als das Angebot. Wer einen Rechner mit genug Arbeitsspeicher hat, fährt weiterhin am besten damit, ihn zu behalten. Billiger wird RAM so schnell nicht.
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