Ein Ranking mit zwei Jahrzehnten im Gepäck
Am 6. Oktober 2026 erschien ein Beitrag, der die 12 besten Videospielreihen des 20. Jahrhunderts auflistet. Der Fokus liegt ausdrücklich auf den 1980er und 1990er Jahren, also auf jener Phase, in der Konsolen vom Nischenprodukt zum Massenmarkt wurden. Bewertet wird nicht nach Verkaufszahlen oder Metacritic, sondern nach Einfluss. Ein Update desselben Tages wurde ebenfalls vermerkt, was auf kleinere Nachbesserungen an der Liste hindeutet. Plattformen, Preise, Entwickler oder Publisher nennt die Übersicht nicht.
Zwölf Plätze, unzählige Kandidaten
- Die Auswahl beschränkt sich auf Serien, die in den 1980ern oder 1990ern ihren Anfang nahmen.
- Maßstab ist der Einfluss auf spätere Spiele, Genres oder ganze Plattformstrategien.
- Das 20. Jahrhundert ist der zeitliche Rahmen, womit Reihen gemeint sind, die vor der Jahrtausendwende debütierten.
- Konkrete Platzierungen, Punktzahlen oder Kriterienkataloge sind in der vorliegenden Meldung nicht belegt.
- Eine Rangfolge von zwölf Einträgen lässt zwangsläufig viele bekannte Namen außen vor.
Warum Einfluss das schwierigste Kriterium ist
Einfluss lässt sich schlechter messen als Verkaufszahlen. Eine Reihe kann kommerziell gescheitert sein und trotzdem Designsprache geprägt haben, die Jahre später in ganz anderen Genres auftaucht. Umgekehrt gibt es Millionenseller, die kaum Spuren hinterlassen haben, weil sie schlicht das Bekannte gut kopiert haben. Genau deshalb sind solche Listen streitanfällig: Sie messen Wirkung, nicht Erfolg. Wer nach Umsatz sortiert, kommt zu völlig anderen Ergebnissen als jemand, der nach Nachahmern zählt.
Die 80er: Arcade-Hallen als Ideenlabor
Die frühen 80er waren das Jahrzehnt der Spielhallen. Dort entstanden Spielprinzipien, die später auf Wohnzimmerkonsolen wanderten. Nintendo brachte 1983 in Japan den Famicom auf den Markt, 1985 folgte in Nordamerika der NES und damit der Durchbruch für Serien wie Super Mario Bros. und The Legend of Zelda. Parallel liefen Heimcomputer wie der Commodore 64 oder der Amiga mit eigenen Reihen. Die Sortimentspolitik dieser Jahre legte fest, welche Figuren bis heute Wiedererkennungswert haben.
Die 90er: 16 Bit und der Sprung in 3D
Mit dem Mega Drive und dem Super Nintendo wurde der Konsolenmarkt zum Duell. Sonic the Hedgehog etablierte 1991 eine Figur, die als direkte Antwort auf Nintendos Klempner gelesen wurde, ohne dass die Spiele sich spielerisch ähnelten. Ab 1995 zog die PlayStation das Publikum in Richtung CD und 3D, wodurch Reihen wie Metal Gear Solid, Final Fantasy VII oder Resident Evil cineastische Erzählformen etablierten. Wer in dieser Dekade eine Serie etablierte, besaß oft für Jahrzehnte eine Marke.
Was in solchen Listen regelmäßig fehlt
- Sport- und Rennspielserien, die kommerziell gigantisch waren, aber selten als einflussreich im Design-Sinn gelten.
- Rollenspiel-Reihen aus Japan, die in Europa teils erst Jahre später oder gar nicht erschienen.
- PC-Strategie und Adventure, deren Wirkung oft getrennt von Konsolen diskutiert wird.
- Fighting-Games, die lokale Mehrspielerkultur geprägt haben, aber schwer als fortlaufende Serie zu bewerten sind.
Branchenkontext: Warum Retro-Rankings boomen
Seit Jahren erscheinen Sammlungen, Remaster und Mini-Konsolen, die alte Bibliotheken neu zugänglich machen. Das Interesse an dieser Epoche ist also nicht nur Nostalgie, sondern Teil eines Marktes, in dem Rechteverwertung und Archivierung zusammenspielen. Viele der heute noch aktiven Serien gehen genau auf die Jahre zurück, die in dieser Liste auftauchen. Wer wissen will, warum moderne Blockbuster so aussehen, wie sie aussehen, landet fast immer bei einem Titel von damals. Die Einordnung nach Einfluss macht die Liste damit eher zu einer Designgeschichte als zu einem Besten-Ranking.
Der Streit um Platz eins
Über die genaue Reihenfolge lässt sich trefflich streiten, und das ist vermutlich beabsichtigt. Zwölf Titel aus zwei Dekaden mit völlig unterschiedlichen technischen Möglichkeiten nebeneinanderzustellen, erzeugt zwangsläufig Reibung. Auffällig ist, dass der Beitrag vom 6. Oktober 2026 nicht nach heutigen Spielstandards bewertet, sondern nach Wirkung auf die Zeit danach. Damit bleibt am Ende eine offene Frage: Zählt, was damals neu war, oder was davon heute noch in aktuellen Spielen steckt?