Eine unterschätzte Burton-Legende
Tim Burtons Big Fish aus dem Jahr 2003 zählt zu seinen persönlichsten Werken, und ist heute genauso mitreißend wie damals. Der Fantasy-Streifen mit Ewan McGregor in einer seiner besten Rollen ist ab sofort kostenlos im Stream abrufbar.
Wer den Film bisher verpasst hat, bekommt hier eine seltene Chance. Big Fish erzählt die Geschichte eines Vaters, der sein Leben in immer neuen, märchenhaften Geschichten ausmalt. Typisch Burton: skurrile Figuren, poetische Bilder und eine Prise Melancholie.
Der Film basiert auf dem Roman „Big Fish: A Novel of Mythic Proportions“ von Daniel Wallace aus dem Jahr 1998. Columbia Pictures produzierte das Projekt für etwa 70 Millionen US-Dollar. Die weltweiten Einnahmen lagen bei 122 Millionen, ein bescheidenes Ergebnis für einen Film mit Starbesetzung (Albert Finney, Jessica Lange, Helena Bonham Carter). Zum Vergleich: Burtons vorheriger Film Planet der Affen (2001) spielte 362 Millionen Dollar bei ähnlichem Budget ein.
Burton selbst hatte nach der Produktion von Big Fish eine kreative Pause eingelegt. Der Film markierte seine Rückkehr zu persönlicheren Stoffen nach dem kommerziellen, aber kritisch durchwachsenen Affen-Remake. Davor hatte er mit Sleepy Hollow (1999) und Edward mit den Scherenhänden (1990) visuelle Meilensteine gesetzt. Seine Zusammenarbeit mit dem Komponisten Danny Elfman begann 1985 mit Pee-Wees irre Abenteuer, eine Partnerschaft, die bis heute anhält.
Warum Gamer diesen Film lieben werden
- Burtons unverwechselbarer visueller Stil erinnert an Spiele wie „American McGee‘s Alice“ oder „Psychonauts“.
- Die episodenhafte Erzählweise fühlt sich wie eine Sammlung von Quests an, jede mit eigenem Bossgegner oder magischem Ort.
- Der Soundtrack von Danny Elfman (ja, der hat auch „The Nightmare Before Christmas“ vertont) ist pure Retro-Atmosphäre.
Die Struktur von Big Fish, eine Rahmenhandlung, in der Edward Bloom seinen Sohn mit immer neuen Anekdoten füttert, erinnert an Erzählspiele wie The Wolf Among Us oder Brothers: A Tale of Two Sons. Burtons üppige Set-Designs finden sich in der Ästhetik von Dishonored und Alice: Madness Returns wieder. Der Film kam 2003 in die Kinos, zwei Jahre nach dem ersten Max Payne-Spiel, das ebenfalls mit Voice-over und filmischen Zwischensequenzen arbeitete.
Elfmans Score für Big Fish enthält Elemente, die später in seinem Soundtrack für Fable (2004) und The Nightmare Before Christmas: Oogie‘s Revenge (2005) wieder auftauchen. Die Musik wurde live vom Hollywood Studio Symphony Orchestra eingespielt, ein Aufwand, der bei Spieleproduktionen bis dahin selten war.
Ewan McGregor spielt den jungen Erzähler Edward Bloom mit so viel Leichtigkeit, dass man ihm jede Lüge abkauft. Albert Finney als alter Bloom liefert das emotionale Gegengewicht.
Kein Abo nötig, einfach einschalten
Im Gegensatz zu vielen Streaming-Angeboten ist Big Fish ohne zusätzliche Kosten verfügbar, kein Netflix-Account, kein Disney+-Abo. Das macht den Film zur perfekten Lückenfüller-Unterhaltung für regnerische Nachmittage oder als Vorbereitung auf Burtons neuen Film.
Der Film läuft derzeit auf werbefinanzierten Plattformen wie Pluto TV und Amazon Freevee. In Deutschland ist er außerdem in der ARD-Mediathek gelistet (Stand: Februar 2025). Die Verfügbarkeit ohne Login ist selten, die meisten Burton-Filme sind hinter Bezahlschranken.
Vor Big Fish war zuletzt Beetlejuice (1988) kostenlos auf YouTube verfügbar, allerdings zeitlich begrenzt. Burtons Werk wird von Rechteinhaber Sony Pictures nur selten für Gratis-Streaming freigegeben, die aktuelle Aktion ist eine Ausnahme.
Tim Burton selbst hat den Film als seine „persönlichste Arbeit“ bezeichnet. Dass Big Fish heute oft übersehen wird, ist schade. Jetzt, da er gratis streamt, gibt es keine Ausrede mehr.