Daumenbruch im Anflug
Meine Finger flattern über den Schreibtisch wie aufgeschreckte Hühner. Ich versuche, den knallbunten Roguelike-Shooter Maximum Thunderness im Solo zu spielen, mit Maus und Tastatur gleichzeitig. Das Ergebnis ist ein wildes Gestocher und Gehämmer. Der Grund für diese Selbstgeißelung? Ich will das Koop-Gameplay verstehen, das eigentlich für zwei Spieler ausgelegt ist.
Skateboardende Aliens brauchen Partner
- In Maximum Thunderness kämpft man gegen skateboardfahrende Aliens in einem Saturday-Morning-Cartoon-Look.
- Das Spiel ist ein Roguelike mit klarem Fokus auf Kooperation: Zwei Spieler sollen zusammenwirken.
- Die Demo, die ich spiele, lässt Solo-Spieler zwar antreten, aber das Feeling bleibt seltsam leer.
Ich dachte mir: Wenn ich Maus und Tastatur gleichzeitig bediene, habe ich quasi vier Hände. Ein Irrtum. Meine Koordination erinnert eher an einen Tausendfüßler auf Glatteis.
Vom Indie-Studio zur Chaos-Arena
Maximum Thunderness stammt von Bombastic Digital, einem Vier-Personen-Studio aus Göteborg. Gegründet 2017 von den Ex-DICE-Entwicklern Erik Larsson und Moa Lindgren, brachte das Team 2019 den Plattformer Neon Glide heraus, ein Spiel mit 87 Prozent positiven Steam-Bewertungen und 120.000 verkauften Einheiten. 2021 folgte der Puzzle-Brawler Punch & Crunch, der es auf 65.000 Verkäufe brachte, aber gemischte Kritiken erhielt.
Die Arbeiten an Maximum Thunderness begannen im März 2023. In einem Blogpost erklärte Larsson, der Koop-Fokus sei bewusst gewählt: „Wir wollen den chaotischen Spaß von Broforce oder BattleBlock Theater einfangen, aber mit Roguelike-Struktur.“ Die Demo erschien im Oktober 2024 auf Steam und erreichte innerhalb von zwei Wochen 18.000 Wishlists.
Genre-Konkurrenz und Marktlage
Der Koop-Roguelike-Markt ist in den letzten Jahren gewachsen. Rogue Legacy 2 verkaufte sich über 800.000 Mal, Gunfire Reborn knackte die 2-Millionen-Marke. Doch die meisten dieser Titel bieten eine brauchbare Solo-Erfahrung. Maximum Thunderness tut das nicht, bewusst. Die Entwickler verzichteten auf KI-Begleiter oder skalierte Feindanzahlen. Stattdessen setzen sie auf reine Zweier-Koordination: Ein Spieler steuert Bewegung, der andere das Zielen und Abfeuern.
Diese Designentscheidung erinnert an den Split-Screen-Shooter Death Squared oder Lovers in a Dangerous Spacetime, die beide ebenfalls kein Solospiel unterstützen. Bombastic Digital kalkuliert offenbar mit einer Nische: Paare und Freundesgruppen, die Couch-Koop suchen. Der Preis von 14,99 Euro zur Vorschau ist moderat. Die Vollversion soll im März 2025 erscheinen, mit drei Welten und einem Boss-Rush-Modus.
Warum ich trotzdem nicht aufhöre
Der Charme des Spiels liegt in seiner überdrehten Ästhetik und dem hektischen Action-Gewusel. Die Aliens auf ihren Skateboards sind absurd, die Schüsse bunt, die Explosionen übertrieben. Genau das will ich erleben. Aber ohne einen zweiten Spieler bleibt das Erlebnis stumpf. Die Entwickler haben den Koop-Aspekt so stark in die Mechaniken eingewebt, dass Solo-Spieler sich wie ein halbes Sandwich fühlen.
Fazit einer Finger-Akrobatik
Ich gebe auf. Maximum Thunderness ist ein waschechter Koop-Titel, und das ist okay. Die Demo macht Lust auf mehr, zeigt aber auch schonungslos: Ohne einen Kumpel an der Seite werdet ihr hier nur frustriert eure Tastatur malträtieren. Wer aber einen Partner hat, darf sich auf ein wildes, cartooniges Roguelike-Rodeo freuen.