Ein Angriff, dessen Ausmaß noch offen ist
Warhorse Studios ist nach vorliegenden Angaben Ziel eines Cyberangriffs geworden, den das Studio selbst als „serious“ einstuft. Die Untersuchung läuft: Das Team prüft derzeit den Schaden und analysiert, welche internen Systeme und Daten betroffen sind. Konkrete Angaben zu Umfang, Dauer oder möglichen Datenabflüssen liegen bislang nicht vor. Damit steht eine der bekanntesten unabhängigen RPG-Schmieden Europas vor derselben Frage, die in den letzten Jahren immer mehr Studios beschäftigt hat: Wie viel von dem, was hinter den Kulissen liegt, ist nach einem solchen Vorfall noch geschützt?
Wer hinter dem Namen steckt
- Warhorse Studios ist ein tschechisches Entwicklerstudio mit Sitz in Prag.
- Bekannt wurde das Team durch die Kingdom-Come: Deliverance-Reihe, ein historisch angesiedeltes Open-World-Rollenspiel ohne Drachen und Magie.
- Die Spiele setzen auf Realismus: Schwertkampf, Reputation, Hunger und ein Held, der zu Beginn nicht viel kann.
- Der erste Teil erschien 2018 und wurde über die Jahre mit mehreren Erweiterungen ausgebaut.
- Für den Nachfolger übernimmt Deep Silver die Rolle des Publishers.
Was zu Kingdom Come: Deliverance II bekannt ist
Der zweite Teil der Reihe ist bereits erschienen und damit kein Zukunftsthema mehr, sondern der aktuelle Stand des Studios. Für Kingdom Come: Deliverance II ist als Release der 4. Februar 2025 dokumentiert. Das Spiel kam für PC, PlayStation 5, Xbox Series X/S und Nintendo Switch 2 heraus. Ein Euro-Preis ist in den vorliegenden Angaben nicht belegt, dazu lassen sich keine verlässlichen Aussagen treffen. Wichtig für die Einordnung: Das Studio befindet sich also in einer Phase, in der ein großer, frisch veröffentlichter Titel betreut wird, während parallel die Aufarbeitung eines Sicherheitsvorfalls läuft.
Ein historisches Setting statt Fantasy
Die Kingdom Come-Reihe unterscheidet sich bewusst von dem, was das Rollenspiel-Genre sonst prägt. Statt Elfen, Magie und Endzeit-Szenarien spielt sie im Böhmen des frühen 15. Jahrhunderts, mit realen Orten, historischen Konflikten und einem Protagonisten ohne übernatürliche Kräfte. Diese Ausrichtung hat dem Studio eine treue Anhängerschaft eingebracht, die weniger auf Spektakel als auf Details achtet: Kleidung, Waffen, Tagesabläufe, Dialoge. Die Serie gilt als Beispiel dafür, dass ein Nischen-RPG mit klarer Vision ein großes Publikum erreichen kann. Umso sensibler ist ein Vorfall, der die internen Abläufe eines solchen Studios betrifft.
Die Mittelerde-Frage bleibt offen
Zu den kursierenden Berichten gehört die Behauptung, Warhorse arbeite an zwei neuen Spielen, eines davon in Mittelerde. Diese Information ist durch verlässliche Quellen bislang nicht bestätigt und sollte entsprechend vorsichtig behandelt werden. Richtig ist: Das Studio hat sich öffentlich nicht in dieser Form zu künftigen Projekten geäußert, jedenfalls nicht in den vorliegenden Belegen. Wer aus einem Cyberangriff auf konkrete Projektpläne schließt, spekuliert. Ob an einem Mittelerde-Titel tatsächlich etwas dran ist, lässt sich derzeit nicht sagen.
Cyberangriffe als wiederkehrendes Branchenproblem
Sicherheitsvorfälle bei Entwicklerstudios sind in den vergangenen Jahren auffällig häufig geworden, und sie treffen selten nur die Firma selbst:
- Gestohlene Builds und interne Dokumente tauchen regelmäßig vor offiziellen Ankündigungen auf.
- Personal- und Vertragsdaten sind für Angreifer oft wertvoller als Spielinhalte.
- Betroffene Studios müssen Release-Pläne, Kommunikation und teils auch Verträge mit Partnern neu bewerten.
- Publisher wie Deep Silver sind als Vertriebspartner von solchen Vorgängen indirekt mitbetroffen.
Für Spielerinnen und Spieler bedeutet das vor allem eines: Ruhe bewahren. Ein Angriff auf interne Systeme heißt nicht automatisch, dass ein fertiges Spiel verschoben wird oder Daten in Umlauf geraten sind.
Was der Vorfall für den Alltag bedeutet
Ein Studio, das einen ernsten Sicherheitsvorfall untersucht, hat intern andere Prioritäten als ein Studio im normalen Betrieb. Patches, Hotfixes und Support-Antworten können sich verzögern, auch wenn das nicht zwingend passieren muss. Bei Kingdom Come: Deliverance II kommt hinzu, dass die Plattformpalette mit PC, PS5, Xbox Series X/S und Nintendo Switch 2 breit ist und jede davon eigene Update-Prozesse kennt. Beobachtbar bleibt der offizielle Kanal von Warhorse: Dort dürfte die weitere Kommunikation zum Vorfall zuerst auftauchen, nicht in Gerüchten über angeblich gestohlene Projektdateien.
Was bislang gesichert ist
Gesichert sind der Vorfall selbst, die Einschätzung als „serious“ und die laufende Untersuchung durch Warhorse Studios. Alles darüber hinaus, vom Schadensumfang bis zu möglichen Auswirkungen auf künftige Projekte, ist offen. Der Zeitpunkt ist für das tschechische Team denkbar ungünstig, denn mit dem Release von Kingdom Come: Deliverance II am 4. Februar 2025 liegt der Fokus eigentlich auf der Pflege eines großen Open-World-RPGs und nicht auf Forensik. Die nächste belastbare Information wird aus dem Studio selbst kommen müssen.