Eine unerwartete Berufung
Die Xbox-CEO Asha Sharma hat eine neue Rolle in einem Gremium der Federal Reserve angetreten. Diese Nachricht erreicht die Öffentlichkeit nur wenige Tage nach dem massiven Stellenabbau bei Xbox.
Das Gremium heißt offiziell Federal Reserve Board’s Technology and Innovation Advisory Council (TIAC). Es wurde 2024 neu aufgestellt, um wirtschaftliche Effekte von KI, Automatisierung und digitalen Zahlungssystemen zu bewerten. Sharma ist die erste Gaming-Führungskraft in diesem Kreis, zuvor saßen dort Vertreter von Google, Amazon und JPMorgan Chase.
Microsoft hat seit Januar 2024 insgesamt 2.550 Stellen in der Gaming-Sparte gestrichen (1.900 bei Activision Blizzard im Januar, 650 bei Xbox im September). Die Entlassungswelle folgte auf die 68,7 Mrd. US-Dollar teure Activision-Blizzard-Übernahme, Microsofts größte Akquisition.
Fokus auf neue Technologien
Das Gremium der Federal Reserve widmet sich der wirtschaftlichen Analyse moderner technologischer Entwicklungen. Die Arbeitsschwerpunkte umfassen:
- Die Bewertung des ökonomischen Einflusses von KI (Künstliche Intelligenz).
- Die Analyse allgemeiner technischer Werkzeuge auf dem Arbeitsmarkt.
Sharmas Expertise liegt in der Integration von KI-Tools in Spieleentwicklung und Xbox Cloud Gaming. Seit 2023 nutzt Microsoft Copilot-Assistenten in Game Pass und Entwickler-Tools wie Muse, ein generatives KI-Modell für Spielprototypen. Laut eigener Aussage will Microsoft durch KI Produktionskosten um 20-30% senken, ein Ziel, das Kritiker mit den Entlassungen in direkten Zusammenhang bringen.
Der zeitliche Kontext
Die personellen Veränderungen bei Xbox betreffen eine Vielzahl von Angestellten. Die neue Beratungstätigkeit von Asha Sharma findet parallel zu dieser strukturellen Umgestaltung des Gaming-Unternehmens statt.
- Die Task Force der Federal Reserve konzentriert sich auf die Produktivität durch technologische Fortschritte.
- Asha Sharma bringt ihre Expertise aus der Leitung der Xbox-Sparte in dieses Gremium ein.
Konkret verlor das im Mai 2023 geschlossene ZeniMax-Studio Tango Gameworks (Entwickler von Hi-Fi Rush) alle 100 Mitarbeiter. Auch Arkane Austin, das Studio hinter Redfall, wurde dichtgemacht. Microsoft begründete die Streichungen mit „Neupriorisierung von Ressourcen“, ein Standard-Sprech für die Verlagerung auf Blockbuster-Titel wie Call of Duty und Elder Scrolls.
Wirtschaftliche Auswirkungen
Die Einbindung von Führungskräften aus der Tech-Branche bei der Federal Reserve ist ein bekannter Mechanismus zur Einschätzung technologischer Märkte. Es gibt keine offiziellen Aussagen dazu, wie die kurzfristigen Entlassungen bei Xbox mit der neuen beratenden Rolle von Asha Sharma in Washington zusammenhängen.
- Die Federal Reserve bewertet die Auswirkungen neuer Technologien auf die Beschäftigungsraten.
- Der Stellenabbau bei Xbox markiert eine Phase der Umstrukturierung innerhalb der Abteilung.
Ein Vergleich: Zwischen 2022 und 2024 bauten Meta (21.000 Stellen), Amazon (27.000 Stellen) und Google (12.000 Stellen) parallel zu Investitionen in KI massiv Personal ab. Mehrere ihrer Top-Manager beraten ebenfalls bei der Fed. Asha Sharma sitzt nun in einem Gremium, das genau jene Technologien bewertet, die Microsofts eigenen Stellenplan radikal verändern, ein Kreislauf, den Ökonomen als Regulatory Capture kritisieren.
Die Vorgeschichte von Xbox und Sharma
Asha Sharma kam 2017 zu Microsoft, vorher war sie COO von Mozilla und leitete bei Facebook das Produktmanagement für Messenger. Im Januar 2023 wurde sie zur President of Xbox befördert (der Titel „CEO“ ist intern unüblich, aber in Medienberichten häufig). Sie verantwortet das Xbox Cloud Gaming und den Game Pass, der im Juni 2024 34 Millionen Abonnenten erreichte, ein Plus von 15 % im Jahresvergleich.
Microsofts Gaming-Sparte erzielte im Geschäftsjahr 2024 einen Umsatz von 21,5 Milliarden US-Dollar (ohne Activision-Hardware). Der Anteil von Drittanbietern (wie EA Play, Ubisoft+) im Game Pass stieg auf 40 % der angebotenen Titel. Parallel sank der Marktanteil der Xbox Series X/S in den USA auf 17 % (Nintendo Switch 42 %, PlayStation 5 38 %). Der Druck, profitablere Strukturen zu schaffen, ist enorm, und die Fed-Beratung bietet Zugang zu makroökonomischen Daten, die Microsoft bei künftigen Personalentscheidungen helfen dürften.