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Among the Trolls: Finnische Mythen, zäher Survival-Alltag
Reviews

Among the Trolls: Finnische Mythen, zäher Survival-Alltag

Anna sucht ihren verschwundenen Großvater im finnischen Wald und gerät zwischen Kalevala-Mythen, Väki-Magie und einer Survival-Schleife, die dem Adventure selbst im Weg steht.

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Tommes Parzl
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SPIEL Among the Trolls
ENTWICKLER AvantGarden Games
PUBLISHER 505 Pulse
RELEASE 14. Oktober 2026
PLATTFORMEN: PC

Ein Wald ohne Antworten

Among the Trolls schickt Anna in eine einsame Hütte tief im finnischen Wald, um dort ihren Großvater zu besuchen. Die Hütte ist verlassen, der Großvater verschwunden, und das Spiel befördert seine Heldin ohne Umweg in die Wildnis.

Diese Prämisse trägt sofort. Ein Narrative-Adventure aus der Ego-Perspektive, das Familiengeheimnisse in finnische Mythologie verpackt, hat einen Ton, den man im Genre selten hört.

Nur bleibt es nicht bei diesem Ton. Kurz darauf greift das Spiel in den Rücken seiner eigenen Erzählung.

Väki, Lykky und der Vorratsschrank

Anna muss Väki (Magie) und Lykky (Glück) im Gleichgewicht halten. Dazu kommen raues Wetter, wilde Tiere, knappe Ressourcen sowie Bauen und Basteln in einer unbarmherzigen Wildnis.

  • Väki und Lykky verknüpfen Überleben mit Mythologie statt mit reinen Statusbalken
  • Kalevala-Kreaturen liefern Begegnungen jenseits des üblichen Fantasy-Baukastens
  • Bauen und Basteln ist an die Umgebung gekoppelt, nicht an ein separates Menü

Drei Systeme parallel zu bedienen, während im Hintergrund ein Vermisstenfall drängt, ist ein hoher Preis. Gerade weil die Beschreibung beide Kräfte ausdrücklich als miteinander verwoben bezeichnet, fällt auf, wie viel Zeit für Buchhaltung draufgeht.

Die Suche als Belohnung

Wer die erste Notlage übersteht, bekommt etwas, das viele Genrekollegen schuldig bleiben: Mythologie als Mechanik, nicht als Kulisse. Die animistischen Kräfte der Natur hängen an denselben Werten wie die tägliche Versorgung.

Auch die Spuren des Großvaters führen durch dieses System. Erkundung und Familiengeschichte sind damit nicht zwei Stränge, sondern ein Weg.

Das rettet die mittleren Stunden. Der finnische Wald bleibt aber über die gesamte Laufzeit dieselbe Kulisse, und Abwechslung entsteht fast nur über die mythologischen Begegnungen, nicht über neue Orte.

Zwei Zielgruppen, ein Spiel

Hier liegt der Kern des Problems. Wer ein Narrative-Adventure erwartet, bekommt Survival-Pflichten, die jede ruhige Szene unterbrechen.

Wer Survival will, bekommt eine Familiengeschichte, die den Rhythmus vorgibt und der freien Erkundung Grenzen setzt.

Beide Pole sind für sich nachvollziehbar, zusammen ergeben sie einen Spielfluss, der ständig die Richtung wechselt. Das erklärt die 37 Prozent positiven Steam-Bewertungen bei 70 Reviews besser als jede technische Frage.

Was bleibt

Der finnische Schauplatz ist im deutschsprachigen Markt kaum besetzt, und die Kalevala als Quelle ist mutiger als der übliche nordische Wikinger-Aufguss. Wer sich von Väki, Lykky und Vorratsverwaltung nicht abschrecken lässt, findet eine Produktion, die ihre eigene Mythologie ernst nimmt.

Der Preis dafür ist ein Spiel, das in kein Genre sauber passt. Diese Entscheidung kostet Tempo, und sie kostet Among the Trolls die Geduld all derer, die wegen der Geschichte gekommen sind.

4.9
/10
MAESSIG

+ PRO

  • +Väki und Lykky verzahnen Überleben mit Mythologie statt mit bloßen Statusbalken
  • +Kalevala-inspirierte Kreaturen statt Standard-Fantasy-Bestarium
  • +Bauen und Basteln ist an raues Wetter und knappe Ressourcen gekoppelt
  • +Die Spuren des Großvaters verbinden Erkundung direkt mit der Familiengeschichte
  • +Der finnische Schauplatz ist im Genre kaum besetzt und trägt eine eigene Note

- CONTRA

  • -Survival-Pflichten unterbrechen im Minutentakt das Tempo eines Narrative-Adventure
  • -Väki, Lykky und Grundversorgung ergeben drei Baustellen für ein storygetriebenes Spiel
  • -Die finnische Wildnis bleibt als einzige Kulisse über die Laufzeit zu gleichförmig
  • -Wer ein Adventure will, bekommt Verwaltung, wer Survival will, bekommt eine feste Familiengeschichte

FAZIT

Ein mutig gewählter Schauplatz und zwei kluge Mythen-Werte, unter denen das erzählerische Tempo sichtbar leidet.

TAGS

#narrative-adventure#survival#finnische-mythologie#ego-perspektive#indie

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