Forever Ago: Ein leiser Roadtrip über Verlust und Trauer
Forever Ago schickt Alfred mit einer Sofortbildkamera auf eine ruhige Reise nach Norden.
Ein Roadtrip ohne Rückfahrkarte
Alfred verliert einen Menschen, packt eine Tasche und fährt nach Norden. Das ist der ganze Auftakt von Forever Ago, und mehr braucht es auch nicht.
Das Spiel erklärt wenig und zeigt viel. Wer eine Einleitung mit Regieanweisung erwartet, wird stattdessen einfach auf die Straße gesetzt.
Die Sofortbildkamera als Werkzeug
- Schnappschüsse frieren Momente ein und dienen zugleich als Schlüssel für kleine Rätsel in der Umgebung
- Objekte lassen sich untersuchen, um Informationen über die Umgebung und die dort lebenden Menschen zu sammeln
- Die Kamera gibt dem Erkunden einen Zweck jenseits der Kulisse
Das ist der eleganteste Einfall des Spiels. Fotografieren wird nicht zur Nebenbeschäftigung, sondern zum Fortschrittsmotor.
Figuren mit Stimme
Renommierte Sprecher holen die Begegnungen ins Zentrum. Audrey steht dabei im Mittelpunkt, aber auch Nebenfiguren dürfen Überzeugungen und Probleme haben, die nichts mit Alfred zu tun haben.
Genau das hebt einzelne Gespräche über die übliche Reisebekanntschaft hinaus. Man hört zu, statt nur wegzuklicken.
Wald, Wüste, Weiterfahren
Lauschige Waldwege und sengendes Wüstenödland liegen auf derselben Route. Die Ortswechsel halten das Bild in Bewegung, ohne dass die Reise zerfasert.
Wer gerne langsam unterwegs ist, findet hier reichlich zu sehen. Wer Tempo will, eher weniger.
Der Klang der Fahrt
Clark Aboud, bekannt für Slay the Spire und Kind Words, verantwortet den Original-Soundtrack. Die Musik trägt die ruhigen Passagen, ohne sich in den Vordergrund zu drängen.
Zusammen mit den Sprechern entsteht eine Tonlage, die zum Thema passt. Nichts dröhnt, nichts betäubt.
Alte Kamera, alte Rätsel
Die Sofortbild-Mechanik wiederholt sich über die Laufzeit in ähnlicher Form. Nach einigen Stunden kennt man das Muster und löst die nächste Aufgabe fast im Schlaf.
Hier hätte ein neuer Kniff dem Mittelteil gutgetan. Die Idee ist stark, ihre Variation bleibt dünn.
Tempo als Designfrage
Das Spiel ist bewusst langsam, und das ist eine Haltung, keine Panne. Wer Spannung oder mechanische Tiefe sucht, wird an vielen Stellen warten.
Die Zielgruppe sind Menschen, die sich Zeit nehmen wollen. Alle anderen werden unruhig.
Erkunden mit Fragezeichen
Interaktionen sind manchmal uneindeutig. Nicht jedes Objekt verrät sofort, ob es relevant ist, was zu suchendem Drücken über den Bildschirm führt.
Dramatisch ist das nicht. Es stört aber den Fluss, den das Spiel sonst so sorgfältig aufbaut.
Der Preis der Ruhe
Für einen Abend bis zu einem Wochenende Unterhaltung ist Forever Ago ein rundes Paket. Gemessen an Vollpreis-Erwartungen bleibt der Umfang schmal.
Das ist eine Einordnung, kein Defekt. Wer Wiederholbarkeit sucht, ist hier falsch.
Was bleibt
Am Ende zählt die Reise selbst, nicht das Ziel. Alfreds Fotografien bleiben als Erinnerung, die man selbst geschossen hat, auf der Festplatte liegen.
+ PRO
- +Sofortbildkamera verknüpft das Sammeln von Momenten mit Rätseln in der Umgebung
- +Sprachaufnahmen renommierter Sprecher geben auch Nebenfiguren eigenes Gewicht
- +Original-Soundtrack von Clark Aboud trägt die ruhigen Passagen
- +Die Route von Waldwegen bis Wüstenödland sorgt für optische Abwechslung
- +Alfreds lebenslange Liebe zu Audrey bleibt als Anker der ganzen Reise spürbar
- CONTRA
- -Die Kamera-Rätsel wiederholen nach wenigen Stunden dasselbe Lösungsmuster
- -Das bewusst langsame Tempo bremst neugierige Spieler über weite Strecken aus
- -Uneindeutige Interaktionspunkte lassen einen suchend über Schauplätze laufen
- -Der Umfang bleibt für eine Einzelspieler-Reise eher schmal
FAZIT
Forever Ago nimmt sich viel Zeit für Trauer und Freundschaft und verlangt diese Zeit auch von seinen Spielern.
VERWANDTE ARTIKEL
Kochen, Magie und Croissants im modernen Paris
Ein narratives 2D-Abenteuer-RPG über eine Hexe, die in Paris Herzen heilt.
Spam Runner 2: Skilltree-Speedruns zwischen Cartoon-Welten
Spam Runner 2 verbindet Abenteuer-Plattforming mit Zeitrennen, fünf Movement-Fähigkeiten und einer Bestenlisten-Jagd durch schrullige Cartoon-Welten.
Order of the Sinking Star: Jonathan Blows Rätsel-Epos
Ein narratives Abenteuer mit über 1.000 handgefertigten Rätseln und vier einzigartigen Welten.
Ratatan im Test: Rhythmus und Side-Scrolling-Action
Das rhythmische Roguelike-Actionspiel Ratatan bringt frischen Wind in das Genre und setzt auf musikalische Befehle im Koop.