Kims Farm, Wenn die Ernte nichts einbringt
Ein Adventure-Spiel, das vorgibt, eine Farm-Simulation zu sein, aber weder Rätsel- noch Landwirtschaftsspaß liefert.
Erster Eindruck: Ein Stallgeruch der Enttäuschung
Kim’s Farm startet mit einem schlichten Pixel-Logo. Kein Intro, keine Geschichte. Man steht als Kim auf einem kargen Feld. Ein Dialogfenster sagt: „Hilf deinem Opa bei der Ernte!“ Das war es. Keine Erklärung, kein Tutorial.
Die Steuerung beschränkt sich auf Pfeiltasten und Enter. Kim läuft langsam über die Karte. Die Hintergründe wirken wie aus einem Public-Domain-Tileset zusammengeklickt, Gräser wiederholen sich alle drei Pixel, Gebäude haben keine Schatten.
Gameplay: Mehr Schein als Sein
Das Spiel bewirbt sich als Adventure. In Wirklichkeit besteht der Inhalt aus drei Aufgaben: Finde die Mistgabel, finde den Sack Saatgut, finde die Gießkanne. Jeder Gegenstand liegt an einer vorhersehbaren Stelle. Es gibt keinerlei Interaktion mit der Umwelt außer dem Aufsammeln.
Nach dem Einsammeln erscheint ein kurzer Text: „Du hast alle Sachen! Jetzt kann die Ernte beginnen.“ Dann läuft ein Abspann. Kein Minispiel, keine Belohnung. Die Ernte selbst findet nie statt, das gesamte Farming-Element existiert nur im Titel.
Technische Mängel: Unfertig und unspielbar
Die Performance ist stabil, aber das liegt an der simplen Grafik. Dafür stört die Kollisionsabfrage: Kim bleibt an Pflanzen, Zäunen und sogar an Feldfrüchten hängen, die nur als Pixelhaufen dargestellt sind.
Der Soundtrack wiederholt eine 20-Sekunden-Schleife. Nach zwei Minuten möchte man die Musik abstellen. Soundeffekte gibt es nicht, weder Laufgeräusche noch Aufsammel-Animationen. Das Spiel fühlt sich an wie ein Prototyp, den jemand in einer Stunde gebaut hat.
Wer ist die Zielgruppe?
Kinder? Vielleicht, wenn man sie fünf Minuten beschäftigen will. Aber selbst für Sechsjährige ist der Umfang lächerlich. Retro-Fans? Nein, denn der Retro-Stil ist keine Hommage, sondern Ausdruck fehlender Arbeit.
Der einzige Grund, Kim’s Farm zu starten, ist die Neugier, wie schlecht ein veröffentlichtes Spiel sein kann. Die RAWG-Bewertung von 0/5 ist keine Übertreibung.
Fazit: Der Acker bleibt brach
Kim’s Farm ist kein Adventure, kein Farmspiel, kein Spiel. Es ist eine Ansammlung von Dateien, die als Produkt verkauft werden. Die zwanzig Minuten vergehen, aber der Eindruck bleibt: Zeitverschwendung. Wer echte Farming-Adventures sucht, greift zu Stardew Valley oder Harvest Moon. Von diesem Feld sollte man die Finger lassen.
+ PRO
- +Hauptmenü ist intuitiv und lädt in Sekunden
- +Speicherfunktion erlaubt jederzeitiges Sichern des Fortschritts
- +Protagonistin Kim hat ein freundliches, pixeliges Design
- +Der Soundtrack enthält zwei Melodien, die zumindest nicht stören
- +Ladezeiten zwischen den Räumen sind mit unter zwei Sekunden kurz
- CONTRA
- -Rätsel bestehen aus drei stupiden „Finde den Gegenstand“-Aufgaben ohne Logik
- -Steuerung per Tastatur fühlt sich schwammig an, Kim bleibt oft an unsichtbaren Kanten hängen
- -Gesamte Spieldauer beträgt knapp 25 Minuten bei einmaligem Durchspielen
- -Grafik wirkt wie ein unfertiger GameMaker-Test mit leeren Flächen und fehlenden Texturen
FAZIT
Ein liebloser Quickie, der weder Adventure-Fans noch Farm-Liebhaber zufriedenstellt, allenfalls als schlechtes Beispiel für Spieleentwicklung geeignet.
VERWANDTE ARTIKEL
Odd Town im Test: Schrulliger Aufbau-Mix mit Längen
Der Indie-Simulator Odd Town wirft Spieler in ein skurriles Städtchen voller Management-Aufgaben.
He Who Watches im Test: Voyeurismus als knifflige Rätselformel
Ein minimalistisches Indie-Abenteuer auf dem PC, das die Grenzen des Puzzle-Genres mit cleverer Überwachungmechanik neu auslotet.
Räder, Rätzel und Rennstrecken: Was taugt der Genre-Mix?
Unser Test zu WheelMates auf dem PC beleuchtet, ob die ungewöhnliche Kombination aus Puzzle, Racing und Adventure funktioniert.
Cosmic Fear im Test: Weltraum-Grusel mit Retroschick
Ein Indie-Adventure, das den psychologischen Schrecken des Kosmos in klassischer Pixel-Optik einfängt.