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Marvel's Wolverine: Brutal, blutig, aber nicht immer scharf
Reviews

Marvel's Wolverine: Brutal, blutig, aber nicht immer scharf

Insomniacs Klauen-Epos liefert wuchtige Kämpfe und eine müde Heldenfigur, verliert aber im Mittelteil an Tempo.

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Dennis Adam
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SPIEL Marvel's Wolverine
ENTWICKLER Insomniac Games
PUBLISHER Sony Interactive Entertainment
RELEASE 15. September 2026
PLATTFORMEN: PS5

Ein müder Held mit scharfen Klauen

Marvel’s Wolverine beginnt mit einem Logan, der längst keine Lust mehr auf das Kämpfen hat. Die Heilungskraft macht ihn schwer zu töten, aber nicht unverwundbar.

Genau dieser Widerspruch trägt das ganze Spiel. Wer heilt, muss trotzdem bluten, und das sieht man in jeder Animation.

Kampfsystem zwischen Wut und Kontrolle

Der Nahkampf lebt von einer einfachen Frage: Wie viel Schaden halte ich aus, bevor ich regeneriere? Heilung ist keine freie Ressource, sondern eine Entscheidung mitten im Getümmel.

  • Klauenangriffe treffen mit sichtbarer Wucht und hinterlassen Spuren
  • Konter und Ausweichrollen belohnen Timing statt Button-Mashing
  • Berserker-Modus verwandelt Logan kurzzeitig in eine Naturgewalt
  • Umgebungsangriffe nutzen Geländer, Fässer und Wände

Wer zu früh heilt, verliert den Rhythmus und kassiert die nächste Combo. Das erzeugt eine Spannung, die vielen Genre-Vertretern fehlt.

Madripoor als Spielplatz

Die Schauplätze mischen Neonlicht, Marktstände und schäbige Hinterhöfe. Zwischen den Missionen lohnt es sich, durch die Gassen zu streifen.

Die Areale sind kleiner als in Spider-Man, dafür dichter. Man merkt, dass Insomniac hier bewusst auf Konzentration statt Größe setzt.

Wo der Spielfluss hakt

Nach den ersten Stunden wiederholt sich das Missionsmuster. Feindliche Wachposten ausheben, Anführer ausschalten, weiterziehen.

Das ist genretypisch, aber Wolverine hat mehr erzählerisches Potenzial als diese Schablone. Die Zwischensequenzen fangen das auf, bremsen aber auch.

Gerade im zweiten Drittel reihen sich Cutscenes aneinander. Wer schnell wieder Klauen sehen will, wartet mitunter länger als nötig.

Stealth als Nebenrolle

Die Schleichtpassagen wirken wie ein Pflichtprogramm. Logan kann sich anschleichen, aber das Spiel gibt ihm kaum Werkzeuge, die über simples Ducken hinausgehen.

Im Vergleich zum brutalen Nahkampf fällt das deutlich ab. Man merkt, wo der Schwerpunkt liegen sollte, und folgt ihm meist freiwillig.

Nebenaufgaben mit wenig Substanz

Die optionalen Aufgaben liefern Hintergrundgeschichten, aber selten echte Überraschungen. Belohnungen bleiben überschaubar, die Motivation sinkt mit jeder erledigten Liste.

Hier hätte das Spiel von einem strafferen Umfang profitiert. Weniger Sammelkram, mehr verdichtete Handlung.

Gewalt mit Ansage

Die Inszenierung der Gewalt ist kompromisslos. Wolverine zeigt, was Klauen anrichten, und schreckt vor Blut nicht zurück.

Wer das nicht sehen will, ist hier falsch. Wer es erwartet, bekommt eine der brutalsten Umsetzungen des Charakters in einem Spiel.

Was am Ende bleibt

Marvel’s Wolverine ist kein offenes Welten-Epos wie die Spider-Man-Reihe. Es ist ein fokussierter Actiontitel, der seinen Helden ernst nimmt und seine Kämpfe ins Zentrum stellt.

Wer über die wiederkehrende Missionsstruktur und die langen Dialogpassagen hinwegsieht, bekommt einen der wuchtigsten Titel des Jahres.

Die Heilungsmechanik allein rechtfertigt einen Blick, denn sie verwandelt jeden Kampf in eine kleine Abwägung. Das gelingt selten so sauber.

8.4
/10
GROSSARTIG

+ PRO

  • +Heilungsmechanik als taktische Ressource zwingt zu riskanten Entscheidungen mitten im Kampf
  • +Klauen-Attacken mit spürbarem Gewicht und blutiger Treffer-Feedback-Schleife
  • +Schauplätze wie Madripoor mischen Neon-Marktstraßen mit schäbigen Hinterhöfen
  • +Logan als gebrochene Figur, dessen Regeneration nicht vor Schmerz schützt
  • +Berserker-Modus eskaliert Kämpfe sichtbar und belohnt mutige Spielweise

- CONTRA

  • -Missionsstruktur greift zu oft auf das Ausheben feindlicher Wachposten zurück
  • -Längere Zwischensequenzen bremsen den Spielfluss gerade im zweiten Drittel
  • -Stealth-Passagen bleiben im Vergleich zum Nahkampf zu oberflächlich
  • -Nebenaufgaben liefern kaum erzählerische Tiefe und wirken wie Pflichtprogramm

FAZIT

Ein handwerklich starkes, sehr blutiges Klauen-Epos, das nur beim Missionsaufbau und Tempo Federn lässt.

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