69 Milliarden Dollar Kater: Microsofts Xbox-Entlassungen seit dem Activision-Kauf
Seit der Übernahme von Activision Blizzard für 68,7 Milliarden Dollar hat Microsoft tausende Stellen gestrichen, Studios geschlossen und Spiele gecancelt, eine Chronik des Niedergangs.
Seit Microsofts 68,7-Milliarden-Dollar-Übernahme von Activision Blizzard wurden über 13.000 Stellen gestrichen, Kultstudios wie Arkane Austin und The Initiative geschlossen. Im Juli 2026 verliert Xbox weitere 20 Prozent der Belegschaft, Double Fine und Compulsion Games werden wieder unabhängig. Der teuerste Deal der Gaming-Geschichte hinterlässt eine Spur der Verwüstung.
Der teuerste Kater der Gaming-Geschichte
Microsofts 68,7-Milliarden-Dollar-Deal für Activision Blizzard im Oktober 2023 sollte Xbox Game Pass retten und das Studio-Portfolio krönen. Stattdessen folgten Wellen von Entlassungen und Studio-Schließungen. Xbox-CEO Asha Sharma spricht offen von einem „Reset“, das Geschäft sei „nicht gesund“, Game Pass habe nicht funktioniert wie erhofft.
Januar 2024: Die erste Welle
- 1.900 Stellen gestrichen, fast 9 % der Xbox-Belegschaft.
- Phil Spencer redet von „schmerzhafter Entscheidung“ und „nachhaltiger Kostenstruktur“.
- Blizzards survival MMO Project Odyssey wird gecancelt, die erste eigene IP seit Overwatch 2016.
Mai 2024: Studios fallen
- Arkane Austin (Redfall), Alpha Dog und Tango Gameworks (Hi-Fi Rush) werden geschlossen.
- Roundhouse Studios mit ZeniMax Online verschmolzen.
- Immerhin: Krafton kauft Tango Gameworks, Hi-Fi Rush lebt weiter.
September 2024: Nachschlag
Weitere 650 Stellen in Corporate, Support und Verwaltung gestrichen. Keine Studio-Schließungen, aber der Trend setzt sich fort.
Juli 2025: Das große Blutbad
- Microsoft entlässt global über 9.000 Menschen, Xbox wird extrem getroffen.
- Raven Software (Call of Duty), Turn 10 (Forza), Verlust von fast 50 % der Belegschaft.
- Everwild von Rare gecancelt, ebenso das ZeniMax-MMO Blackbird.
- The Initiative wird geschlossen, Perfect Dark eingestellt.
- High Moon Studios und Sledgehammer Games mit Kürzungen.
- Warcraft Rumble wird eingestellt, Halo Studios reduziert Personal.
- Romero Games verliert Finanzierung für neues Projekt.
Juli 2026: Heute, der bisher tiefste Einschnitt
- Rund 20 % der Xbox-Mitarbeiter müssen gehen, 1.600 sofort, weitere 1.600 bis Jahresende.
- Double Fine und Compulsion Games werden wieder unabhängig, behalten alle IPs.
- Ninja Theory und Undead Labs bekommen neue Besitzer.
- Arkane verlässt Xbox ebenfalls, der französische Works Council muss zustimmen, bevor ein Käufer gefunden wird.
Was bleibt von Xbox?
Die Übernahme von Activision Blizzard sollte Xbox unschlagbar machen. Stattdessen haben wir seit 2023 über 13.000 entlassene Mitarbeiter, geschlossene Kultstudios und gecancelte Projekte gesehen. Sharmas „Reset“-Kurs hinterlässt eine Spur der Verwüstung, ob daraus ein schlagkräftigeres Xbox hervorgeht, ist offen.
Der teuerste Kater der Gaming-Geschichte
Microsofts 68,7-Milliarden-Dollar-Deal für Activision Blizzard im Oktober 2023 sollte Xbox Game Pass retten und das Studio-Portfolio krönen. Stattdessen folgten Wellen von Entlassungen und Studio-Schließungen. Xbox-CEO Asha Sharma spricht offen von einem „Reset“, das Geschäft sei „nicht gesund“, Game Pass habe nicht funktioniert wie erhofft.
Der Deal war der teuerste in der Spielebranche, über dreißig mal so teuer wie die Übernahme von Bethesda Softworks (7,5 Milliarden Dollar 2020). Activisions letzte Jahresbilanz vor der Übernahme zeigte 8,8 Milliarden Dollar Umsatz, fast die Hälfte davon von Call of Duty. Microsoft erhoffte sich durch die Integration exklusiver Inhalte Game-Pass-Abonnenten in Millionenhöhe zu gewinnen, bislang blieb der Dienst bei etwa 30 Millionen zahlenden Nutzern stagniert.
Januar 2024: Die erste Welle
- 1.900 Stellen gestrichen, fast 9 % der Xbox-Belegschaft.
- Phil Spencer redet von „schmerzhafter Entscheidung“ und „nachhaltiger Kostenstruktur“.
- Blizzards survival MMO Project Odyssey wird gecancelt, die erste eigene IP seit Overwatch 2016.
Project Odyssey war seit 2018 in Entwicklung, ein Open-World-Survival-Spiel mit dem internen Codenamen „Orion“. Blizzard hatte zuvor alle anderen Projekte außerhalb von World of Warcraft, Diablo und Overwatch zurückgefahren. Der Schritt war kein Einzelfall: Auch BioWare strich 2023 Mass Effect 5-Vorarbeiten, und Ubisoft legte mehrere unangekündigte Titel auf Eis.
Mai 2024: Studios fallen
- Arkane Austin (Redfall), Alpha Dog und Tango Gameworks (Hi-Fi Rush) werden geschlossen.
- Roundhouse Studios mit ZeniMax Online verschmolzen.
- Immerhin: Krafton kauft Tango Gameworks, Hi-Fi Rush lebt weiter.
Arkane Austin hatte zuvor Redfall veröffentlicht, ein kommerzieller und kritischer Flop mit 62 Metacritic-Punkten und geschätzten Verlusten von über 100 Millionen Dollar. Das Studio war zuvor für Prey (2017) und Dishonored 2 bekannt, beide hochgelobt aber nicht massentauglich. Tango Gameworks, gegründet von Resident-Erfinder Shinji Mikami, brachte 2023 den Überraschungshit Hi-Fi-Rush (91 Metacritic), Microsoft schloss es trotzdem. Der Verkauf an Krafton (PUBG-Entwickler) im August 2024 rettete die Marke, das Studio beschäftigt heute rund 80 Mitarbeiter.
September 2024: Nachschlag
Weitere 650 Stellen in Corporate, Support und Verwaltung gestrichen. Keine Studio-Schließungen, aber der Trend setzt sich fort.
Diese Runde traf vor allem Xbox Publishing, Marketing und Localization, Abteilungen, die nach der Activision-Integration als doppelt galten. Microsoft hatte zum Ende des Geschäftsjahres 2024 weltweit über 22.000 Xbox-Mitarbeiter, seit dem Kauf schrumpfte die Zahl um rund 11 %.
Juli 2025: Das große Blutbad
- Microsoft entlässt global über 9.000 Menschen, Xbox wird extrem getroffen.
- Raven Software (Call of Duty), Turn 10 (Forza), Verlust von fast 50 % der Belegschaft.
- Everwild von Rare gecancelt, ebenso das ZeniMax-MMO Blackbird.
- The Initiative wird geschlossen, Perfect Dark eingestellt.
- High Moon Studios und Sledgehammer Games mit Kürzungen.
- Warcraft Rumble wird eingestellt, Halo Studios reduziert Personal.
- Romero Games verliert Finanzierung für neues Projekt.
Raven Software war seit 2021 das Hauptstudio für Call of Duty Warzone und hatte zuvor Singularity (2010) entwickelt. Von den 400 Mitarbeitern blieben 200. Turn 10 verlor nach dem enttäuschenden Forza Motorsport (2023, 84 Metacritic, aber niedrige Spielerzahlen) zwei Drittel seines Teams. Everwild wurde erstmals 2019 angekündigt, war in der Entwicklung seit sieben Jahren, Rare hatte es nach Sea of Thieves als zweites großes Live-Service-Spiel geplant. Das ZeniMax-MMO Blackbird (Codename) war ein neues Elder-Scrolls-Online-artiges Projekt, das nie das Konzeptstadium verließ. Warcraft Rumble, Blizzards mobilfreundliches Auto-Chess, hatte nach Launch im November 2023 nur 5 Millionen Downloads (Forschung von Sensor Tower), weit unter den Erwartungen für ein Warcraft-Produkt.
Juli 2026: Heute, der bisher tiefste Einschnitt
- Rund 20 % der Xbox-Mitarbeiter müssen gehen, 1.600 sofort, weitere 1.600 bis Jahresende.
- Double Fine und Compulsion Games werden wieder unabhängig, behalten alle IPs.
- Ninja Theory und Undead Labs bekommen neue Besitzer.
- Arkane verlässt Xbox ebenfalls, der französische Works Council muss zustimmen, bevor ein Käufer gefunden wird.
Double Fine, bekannt für Psychonauts 2 (2021, 89 Metacritic) und Brütal Legend, hatte vor der Übernahme durch Microsoft im Jahr 2019 nur 65 Mitarbeiter. Seit Juli 2026 arbeitet das Studio wieder eigenständig, Psychonauts 3 ist nicht angekündigt. Compulsion Games machte We Happy Few und das kürzlich erschienene South of Midnight (2025, 78 Metacritic), ein düsteres Action-Adventure mit limitierter kommerzieller Reichweite. Ninja Theory (Hellblade: Senua’s Sacrifice) und Undead Labs (State of Decay 3) wurden an Private-Equity-Firmen verkauft, konkrete Käufer sind nicht genannt. Der Verkauf von Arkane (Mutterstudio in Lyon, nicht Austin) steht noch aus; das französische Arbeitsrecht verlangt eine Anhörung des Works Council. Arkane Lyon arbeitete zuletzt an Deathloop und einem neuen Dishonored, beides Projekte, die mit dem Verkauf vermutlich eingestellt werden.
Was bleibt von Xbox?
Die Übernahme von Activision Blizzard sollte Xbox unschlagbar machen. Stattdessen haben wir seit 2023 über 13.000 entlassene Mitarbeiter, geschlossene Kultstudios und gecancelte Projekte gesehen. Sharmas „Reset“-Kurs hinterlässt eine Spur der Verwüstung, ob daraus ein schlagkräftigeres Xbox hervorgeht, ist offen.
Aktuell besitzt Microsoft noch Activision Blizzard King (rund 12.000 Mitarbeiter), Bethesda Softworks (geschätzt 4.000) und etwa 10 interne Xbox-Studios. Der Game Pass wächst nur noch um 2 % Quartal zu Quartal, während die Konkurrenz Sony und Nintendo mit Exklusivtiteln wie Spider-Man 2 oder Tears of the Kingdom Rekordumsätze erzielen. Die Frage bleibt, ob Microsoft die Kosten des Activision-Deals jemals wieder hereinholen kann, bei 68,7 Milliarden Dollar und geschätzten jährlichen Integrationseinsparungen von 2 Milliarden Dollar bräuchte es über 34 Jahre auf dem aktuellen Pfad.
Quelle: www.gamespot.com
VERWANDTE ARTIKEL
Capcoms RE Engine wird fit für die KI-Ära: REX im Fokus
Capcom kündigt an, die RE Engine zur REX weiterzuentwickeln, mit KI in Programmierung und Qualitätssicherung statt generativer Spielinhalte.
Acht Spielschurken mit schwer widerlegbaren Motiven
Renoir und Andrew Ryan stehen im Mittelpunkt einer Liste von acht Videospiel-Antagonisten, deren Ziele nachvollziehbarer sind als ihr Ruf.
Tekken 8: Blindfolded-Spieler erreicht God of Destruction
Der Profi SuperBrine soll in Tekken 8 mit Alisa blindfolded von Beginner bis God of Destruction aufgestiegen sein.
Mighty Mike Plays: Dad Dave verspricht Rückerstattung
Nach dem Merch-Eklat um Mighty Mike Plays sichert Dad Dave Käufern der KI-Shirts Geld zurück und äußert sich in einem langen Video.