Prequel statt Sequel, und ein mutiger Neuanfang
Resonance: A Plague Tale Legacy spielt 15 Jahre vor Innocence und Requiem. Diesmal steuern wir nicht Amicia, sondern eine jüngere Sophia.
Die Handlung führt sie in minoische Ruinen auf Kreta, wo sie ein rätselhaftes Orb-Artfakt und Visionen des griechischen Helden Theseus verfolgt.
- Das Gameplay wechselt von reiner Stealth zu offensiverer Action mit direkten Kämpfen.
- Sophia ist keine unverwundbare Kämpferin, ein einziger Fehler kann tödlich sein.
- Paraden und blitzschnelle Assassinationen belohnen Timing und Umgebungsnutzung.
Der Wechsel kommt von Asobo Studio, einem französischen Entwickler mit 21 Jahren Betriebsgeschichte. Vor der Rattenplage-Serie arbeitete das Team an Kleintiteln wie Fuel (2009) und Monopoly Plus. Der Durchbruch gelang 2019 mit A Plague Tale: Innocence, das bei einem Budget von unter 10 Millionen Euro über 3 Millionen Exemplare verkaufte. Der Nachfolger Requiem (2022) setzte 1,2 Millionen Einheiten in den ersten drei Monaten ab und erhielt einen Metacritic-Score von 83. Beide Spiele blieben lineare Stealth-Abenteuer mit historischem Setting. Resonance bricht mit dieser DNA.
Klassisches Assassin’s Creed, aber besser
Die Parallelen zur Assassin’s Creed-Reihe sind unübersehbar und werden hier sogar offen zelebriert.
In unserer Demo-Durchläufen der Kapitel V und VI fanden wir:
- Luftmorde aus dem Schatten
- Eine Geheimorganisation, die nach einer uralten Macht greift (Hallo, Templer!)
- Einen magischen Orb, der an den Apfel von Eden erinnert
- Bleeding-Effekt-artige Träume, in denen Sophia als Theseus kämpft und Erinnerungen erbt
- Begegnungen mit mythischen Figuren wie Daidalos, direkt aus der Isu-Schublade
Das Studio scheint bewusst die Stärken der frühen Assassin’s Creed-Titel aufzugreifen, ohne deren spätere Schwächen zu übernehmen.
Die Serie selbst hat sich seit Assassin’s Creed Origins (2017) zu einem Open-World-RPG entwickelt, mit durchschnittlichen Metacritic-Werten um 80, aber auch wachsender Kritik an Größe und Wiederholung. Valhalla (2020) verkaufte 20 Millionen Einheiten, doch viele Spieler vermissen die fokussierten Städte und linearen Missionen der ersten Teile. Resonance setzt genau dort an: kleinere Areale, weniger Nebenquests, mehr Handwerkskunst. Asobo orientiert sich an Assassin’s Creed II (2009), das 11 Millionen Mal über den Ladentisch ging und für seine ausbalancierte Mischung aus Stealth und Kämpfen gelobt wurde.
Combat mit Biss, und einem Hauch von Horror
Die größte Sorge vor dem Release war der verstärkte Kampffokus. Doch die Demo belehrt uns eines Besseren.
Sophias Verletzlichkeit zwingt zu taktischem Vorgehen:
- Gegner mit Weinflaschen betäuben
- Umgebungsspikes für Kill-Setups nutzen
- Nach gelungener Parade folgt eine brutale Assassinationsanimation mit Kriegsschrei
Gleichzeitig bleibt die düstere A Plague Tale-Seele erhalten: Kapitel VI ist eine pure Stealth-Passage mit einem übernatürlichen Monster, das nur im Schatten existiert. Das erinnert an die frühen Stunden von Innocence.
Dieser Dualismus, taktischer Kampf und Survival-Horror, ist in der Branche selten. Resident Evil Village (2021) kombinierte Action mit übernatürlichen Verfolgern und verkaufte 10 Millionen Einheiten. Hellblade: Senua’s Sacrifice (2017) setzte auf psychologische Bedrohung und direkte Kämpfe, landete bei 3 Millionen Verkäufen. Resonance positioniert sich zwischen diesen Polen, ohne sich auf ein Genre festzulegen. Die Unreal Engine 5-Darstellung der minoischen Ruinen und der dichten Schattenräume dürfte technisch helfen, Asobo hat mit der Engine bereits bei Requiem gearbeitet.
Fazit: Vom Zweifler zum Fan
Nach dem Hands-on ist Resonance: A Plague Tale Legacy von einem Fragezeichen zu einem Muss geworden.
Die Mischung aus klassischem Assassin’s Creed-Feeling und der eigenständigen, tödlichen Kampfmechanik funktioniert überraschend gut.
Am 27. August 2025 erscheint der Titel für Xbox Series X|S, PS5 und PC. Wir sind bereit für die Rückkehr nach Kreta, und für die Geheimnisse, die dort auf uns warten.