Ein Hoffnungsschimmer für Mittelerde-Fans
Nachdem es lange still um ein Herr-der-Ringe-MMO von Amazon Games geworden war, gibt ein neuer Bericht von PCGames Grund zur Vorsicht und doch auch zur Hoffnung: Der Publisher will die Lizenz zur epischen Fantasy-Welt nicht aufgeben. Ein vollständiges Aus des Projekts scheint damit vom Tisch, ganz offiziell bestätigt ist aber noch nichts.
Was bisher über das Projekt bekannt ist
- Amazon Games hatte 2019 ein MMO in Mittelerde angekündigt.
- 2021 folgte die Hiobsbotschaft: Das Projekt wurde auf Eis gelegt.
- Seither gab es immer wieder Gerüchte über eine Wiederbelebung, aber keine konkreten Ankündigungen.
Die aktuelle Meldung von PCGames stützt sich auf nicht näher genannte, aber als glaubwürdig beschriebene Quellen. Amazon selbst schweigt bislang. Das lässt Raum für Spekulationen, aber genau die sollten wir uns verkneifen.
Wer entwickelt das Spiel?
Amazon Games unterhält ein Studio in Orange County, Kalifornien. Dessen Team besteht aus Veteranen der MMO-Szene: Ehemalige Mitarbeiter von Blizzard, Sony Online Entertainment und Daybreak Game Company arbeiten dort. Vor dem Herr-der-Ringe-Projekt veröffentlichte das Studio Crucible (2020), einen teambasierten Shooter, der nach wenigen Monaten eingestellt wurde.
Das zweite Standbein ist Amazon Games Montreal, gegründet 2021. Dieses Studio arbeitet an einem neuen MMO mit der Marke Tom Clancy’s (Ubisoft). Parallel läuft New World, das 2021 erschien und laut Amazon über 20 Millionen Spieler registrierte (Stand 2023). Die interne Entwicklung eines zweiten MMO parallel zu New World zeigt, dass Amazon langfristig auf das Genre setzt.
Herr der Ringe in Videospielen: Eine wechselhafte Geschichte
Die Rechte an Tolkiens Welt waren über Jahrzehnte verteilt. Middle-earth Enterprises (ehemals Tolkien Enterprises) lizenziert sie an verschiedene Studios. Das bekannteste MMO ist The Lord of the Rings Online (LOTRO), das 2007 von Turbine (später Standing Stone Games) veröffentlicht wurde. LOTRO läuft bis heute, hat laut offiziellen Angaben über 15 Millionen registrierte Accounts und erhält regelmäßig Erweiterungen. Amazon müsste sich mit diesem etablierten Produkt messen.
Dazu kommen zwei erfolgreiche Action-Adventures: Middle-earth: Shadow of Mordor (2014, Monolith/WB) und Shadow of War (2017). Beide verkauften laut Branchenschätzungen zwischen 5 und 10 Millionen Einheiten. Ihr Nemesis-System (Gegner erinnern sich an frühere Begegnungen) wurde patentiert. Amazon könnte auf diese Mechanik nicht zugreifen, es sei denn, es lizenziert sie.
Ein weiterer Versuch: The Lord of the Rings: Gollum (2023, Daedalic) floppte mit einem Metacritic-Score von 38 und führte zur Schließung des Entwicklers. Das zeigt, wie schwer es ist, eine etablierte Marke spielerisch zu bedienen.
Warum das jetzt relevant ist
Amazon Games hat mit New World bereits ein erfolgreiches MMO am Start. Ein Herr-der-Ringe-Spiel aus demselben Hause würde nicht nur die gewaltige Fanbase der Romane und Filme ansprechen, sondern auch technisch auf bewährten Füßen stehen. Die Kombination aus Amazons Infrastruktur und Tolkiens Welt wäre ein echtes Schwergewicht.
Kein neues Spiel, aber auch kein Abschied
- Die PCGames-Meldung enthält keine konkreten Angaben zu einem Release oder einer Entwicklungsphase.
- Es könnte sich um ein komplett neues Spiel handeln oder um eine Wiederbelebung des alten Projekts.
- Auch ein anderes Genre als ein MMO ist denkbar, Amazon hält sich alle Optionen offen.
Für Fans bleibt die Lage also undurchsichtig. Wer gehofft hatte, schon bald durchs Auenland zu streifen, muss sich weiter gedulden. Offizielle Bestätigung gibt es keine.
Der MMO-Markt 2024: Wo ordnet sich Amazon ein?
Das Genre wird derzeit dominiert von World of Warcraft (Blizzard, ca. 7 Millionen aktive Abonnenten nach Schätzung von 2023), Final Fantasy XIV (Square Enix, über 30 Millionen registrierte Spieler) und Elder Scrolls Online (ZeniMax, ca. 21 Millionen registrierte). New World liegt mit geschätzten 100.000 bis 200.000 aktiven Spielern deutlich dahinter. Ein Herr-der-Ringe-MMO müsste also eine Nische besetzen oder mit massivem Marketing und tollem Gameplay punkten.
Amazon hat AWS und Twitch als Hebel. Exklusive Twitch-Drops und Cloud-Infrastruktur könnten die Produktionskosten senken. Gleichzeitig zeigt das Scheitern von Crucible, dass Amazons Spieleentwicklung nicht automatisch für Qualität steht. Die Abteilung wurde mehrfach umstrukturiert, zuletzt 2023 mit Entlassungen. Ein neues MMO wäre teuer: Übliche Budgets liegen bei 100 bis 200 Millionen US-Dollar und mehr (Beispiel: Cyberpunk 2077 hatte rund 300 Millionen). Amazon muss sich fragen, ob sich das Risiko lohnt, während New World noch immer Fehler behebt (kürzlich das „Trading Post Update“ im März 2024).
Ein Fakt, der Hoffnung macht
Amazon Games hat die Rechte an Der Herr der Ringe nicht abgegeben. Solange die Lizenz aktiv ist, schlummert das Potenzial für ein echtes Spiele-Highlight. Die nächsten Monate werden zeigen, ob aus dem Gerücht ein handfestes Spiel wird, oder ob die Schatten von Mordor doch noch über Mittelerde hereinbrechen.