Vom China-Exklusiv zum Weltstar
Die AMD Radeon RX 9070 GRE wurde ursprünglich nur für den chinesischen Markt entwickelt. Jetzt bringt Acer sie mit der Nitro-Serie auch nach Europa und Nordamerika.
Der Chip nutzt den Navi 48 Grafikprozessor, der bereits in anderen Modellen der Radeon-RX-9000-Serie für Furore sorgt. Hier kommt eine leicht beschnittene Variante zum Einsatz.
Acer Nitro: Herkunft und Erfahrung
Acer ist kein klassischer Grafikkartenhersteller wie Asus oder MSI. Das taiwanische Unternehmen startete 2019 mit ersten Desktop-GPUs unter der Predator- und Nitro-Marke. Zuvor baute Acer vor allem Notebooks, Monitore und Peripherie. Die Nitro-Serie zielt auf Preisbewusste, die Predator-Reihe auf Enthusiasten.
Acer hat bereits mehrere AMD-Modelle im Portfolio: die Nitro RX 7800 XT (2023), die Nitro RX 7900 GRE (China-Exklusiv 2024) und die Nitro RX 7900 XTX. Die Kühllösung mit Vapor-Chamber und drei Lüftern stammt aus der Predator-Serie und wurde für die 9070 GRE übernommen. Im Test der Schwesterkarte Nitro RX 9070 XT lag die Kühlung auf dem Niveau teurerer Modelle.
Technische Daten und Besonderheiten
- 60 Compute Units (statt 64 bei der vollwertigen 9070 XT)
- 16 GB GDDR6 auf 256-Bit-Bus
- Taktfrequenz: 2.450 MHz Boost (laut Acer)
- Stromanschluss: 2x 8-Pin, TDP bei 260 Watt
Das Kühldesign von Acer setzt auf drei Lüfter und eine große Vapor-Chamber. Im Test blieb die Karte selbst unter Last leise und kühl.
Die GRE-Strategie von AMD
Die Abkürzung GRE steht für „Golden Rabbit Edition“, eine Referenz auf das chinesische Jahr des Kaninchens 2023, das AMD bereits für die RX 7900 GRE nutzte. Dieses Modell war ursprünglich ebenfalls China-exklusiv und erschien später global. Die 9070 GRE wiederholt dieses Muster.
AMDs Taktik: Mit beschnittenen Chips (abgeschalteten CUs) bedient man den chinesischen Markt, der oft niedrigere Preisgrenzen hat. Dass Acer die Karte nun global vertreibt, zeigt, dass die Stückzahlen groß genug sind. Im Vergleich zur vollwertigen 9070 XT fehlen 4 Compute Units, das entspricht etwa 6% der Recheneinheiten. Der Speicher bleibt gleich: 16 GB GDDR6 auf 256 Bit Bus.
Frühere GRE-Modelle wie die RX 7900 GRE (80 CUs, 16 GB) waren in Europa kaum verfügbar. Die 9070 GRE ist der erste Navi-48-Ableger, der den Weg nach Westen findet.
Leistung im Benchmark-Parcours
In Cyberpunk 2077 (1440p, Ultra-Raytracing) erreicht die Karte 58 FPS. Das sind knapp 7% weniger als eine RX 9070 XT.
- F1 24 (1440p, max Details): 142 FPS
- Starfield (1440p, Ultra): 72 FPS
- Black Myth: Wukong (1440p, Raytracing Medium): 51 FPS
Die Rasterleistung liegt auf Höhe einer Nvidia GeForce RTX 4070 Super. Bei Raytracing zieht die GRE jedoch vorbei, ein Zeichen für die Stärke der neuen RDNA-4-Architektur.
Verglichen mit dem direkten Vorgänger der gleichen Preisklasse, der RX 7800 XT (16 GB, 60 CUs), liegt die 9070 GRE in reiner Rasterung etwa 18% vorn. In Raytracing-Szenarien wie Cyberpunk beträgt der Vorsprung rund 35%, ein Sprung, den Nvidia mit der RTX 4070 Super nicht bieten kann. Deren RT-Leistung liegt auf Höhe der 9070 XT, nicht der GRE.
Der Preis als Zankapfel
Die unverbindliche Preisempfehlung beträgt 549 Euro. Das ist teurer als die ursprünglichen China-Gerüchte vermuten ließen.
Zum Vergleich: Eine RX 9070 XT startet bei 599 Euro. Für nur 50 Euro mehr bekommt man 10–12% mehr Leistung. Das macht die GRE zu einem schweren Verkaufsargument.
Die RTX 4070 Super kostet aktuell etwa 530 Euro, hat aber nur 12 GB VRAM. Die GRE bietet hier 16 GB, ein Vorteil für Spiele mit hohen Texturdetails. Nvidias Karte liegt in Rasterung gleichauf, verliert aber bei Raytracing knapp 5%. AMDs FSR 3.1 ist dagegen weniger verbreitet als DLSS 3.
Eine eigenartige Marktlücke
AMD adressiert mit dieser Karte Spieler, die auf 1440p spielen und keine 4K-Ambitionen haben. Hier liefert die GRE ein sauberes Bild ohne Kompromisse.
Ob sich der Aufpreis zur alternden RX 7800 XT (ca. 480 Euro) lohnt, hängt vom persönlichen Bedarf an Raytracing ab. Die Acer Nitro ist gut verarbeitet, aber der Preis bleibt der größte Gegner dieser Karte. Denn sie konkurriert nicht nur mit Nvidia, sondern auch mit AMDs eigener 9070 XT, und der Rabatt von 50 Euro ist zu gering, um die Lücke in den Benchmarks zu rechtfertigen. Acer hofft auf Käufer, die die bessere Kühlung oder das schlankere Design bevorzugen. Der erste Test zeigt: technisch solide, aber die Preispolitik bleibt das eigentliche Risiko.