Was sich ändert
Apex Legends testet neue Matchmaking-Parameter. Respawn hat fünf zentrale Frustrationspunkte identifiziert und vier konkrete Experimente gestartet. Das Ziel: schnellere, fairere Matches ohne endlose Wartezeiten oder Dauer-Sweats. Die Ergebnisse fließen direkt in die weitere Entwicklung.
Was Spieler beachten sollten
Die Tests laufen aktuell und sind nicht final. Respawn betont, dass sie auf Community-Feedback hören, die genannten Pain Points wie „endlose Wartezeiten“ und „zu schweißtreibende Matches“ stammen direkt aus Spielerumfragen und Matchdaten. Wer in Diamond+ solo queued, profitiert von faireren Gegnern, muss aber auf Teamplay mit Freunden verzichten. Die Bots in Mid-Tier-Lobbys sind ein Zeichen dafür, dass Respawn die Lücke zwischen schnellem Match und ausgeglichenem Spiel schließen will. Die Ergebnisse der Tests werden in den kommenden Wochen ausgewertet.
Respawn Entertainment und die Titanfall-Wurzeln
Gegründet 2010 von Jason West und Vince Zampella, beide zuvor bei Infinity Ward für Call of Duty: Modern Warfare 2 verantwortlich. Respawn veröffentlichte 2014 Titanfall, einen Mech-Shooter mit rasantem Movement. Titanfall 2 (2016) erhielt hohe Kritikerwertungen, kämpfte aber gegen schlechte Release-Termine zwischen Battlefield 1 und Call of Duty: Infinite Warfare. Der Titel verkaufte sich nach eigenen Angaben unter 4 Millionen Einheiten, weit unter den Erwartungen.
Apex Legends startete im Februar 2019 als kostenloser Battle-Royale-Ableger im selben Universum. Keine Ankündigung, kein Marketing: Das Spiel erschien über Nacht und erreichte innerhalb von 72 Stunden 10 Millionen Spieler. Im ersten Jahr zählte EA 70 Millionen registrierte Accounts. Bis 2022 wuchs die Zahl auf über 130 Millionen. Respawn hatte das Matchmaking von Beginn an als zentralen Hebel für die Langzeitmotivation konzipiert, und ändert es seither ständig.
Branchenkontext: Matchmaking in Battle-Royale-Spielen
Die aktuellen Tests sind kein Einzelfall. Fortnite setzt seit Chapter 2 auf Skill-basiertes Matchmaking (SBMM), aber Epic Games veröffentlicht keine detaillierten Parameter. Call of Duty: Warzone führte 2021 ein verdecktes SBMM ein, das bis heute von Spielern kritisiert wird, weil die Queue-Zeiten steigen und Matches oft als „sweaty“ empfunden werden. PUBG arbeitet mit Rang-basierten Lobbys und führte erst 2023 ein Solo-Queue-Limit für höhere Ränge ein.
Respawn geht einen Schritt weiter: Die Bots in Mid-Tier-Lobbys ähneln den KI-Gegnern in Fortnites „Bot-Lobbys“ für Anfänger, werden aber hier in der Mitte der Spielerstärke eingesetzt. Das ist ein Trade-off, den sonst kein großer Battle-Royale-Titel so offen kommuniziert. Die 1-Tier-locked Premades existieren in ähnlicher Form in Valorant (maximal 3 Ränge Unterschied in Ranked) und Overwatch 2 (Rollen-Queue mit Rangbeschränkungen). Respawn zieht hier mit der Konkurrenz gleich.
Frühere Anpassungen und Spielerzahlen
Die aktuelle Testphase ist nicht die erste. Im März 2023 führte Respawn ein neues Ranked-System ein (Season 16 „Revelry“), das auf MMR-basierte Wertung statt reiner RP umstellte. Das Ergebnis: längere Queue-Zeiten in höheren Rängen und ein starker Anstieg der Spieler-Frustration. Im August 2023 rollte Respawn Teile der Änderungen zurück, unter anderem die Bonus-Strafen für frühe Kills. Die aktuelle Ankündigung mit 4,5-Stunden-Kartenrotation und Diamond+ Solo-Queue ist ein weiterer Versuch, die Balance zu finden.
Laut EA's Geschäftsbericht für das dritte Quartal 2024 sanken die monatlich aktiven Nutzer von Apex Legends im Jahresvergleich um etwa 12 Prozent auf rund 18 Millionen. Respawn steht unter Druck, die Spielerbasis zu halten, gerade in einem Markt, in dem The Finals (2023) und XDefiant (2024) neue Konkurrenz bieten. Matchmaking ist der Hebel mit den meisten Hebeln: Ein falscher Parameter kann Spieler in andere Titel treiben. Die aktuellen Tests zeigen, dass Respawn bereit ist, Komfort (kurze Wartezeiten) gegen Fairness (ausgeglichene Matches) zu tauschen, und dabei Bots als Puffer einzusetzen.