Ein neuer Blick auf Kartenspiele
Digitale Kartenspiele haben oft ein Problem: Sie spielen sich gut, sehen aber fad aus. Appa will das ändern. Das kommende Spiel kombiniert eine surreale, farbenfrohe Optik mit einem erzählerischen Fokus.
Der erste Eindruck erinnert an ein lebendiges Gemälde. Die Karten und Umgebungen sind voller Details und unerwarteter Formen. Das ist kein weiteres Fantasy- oder Sci-Fi-Setting, sondern etwas Eigenes.
Zwei Geschwister und ein Verlust
Im Mittelpunkt stehen zwei Brüder oder Schwestern (die genaue Beziehung ist noch offen), die den Tod ihres Vaters verarbeiten. Diese emotionale Grundlage ist ungewöhnlich für ein Kartenduell.
- Die Handlung wird durch den Spielfortschritt enthüllt.
- Jede Karte scheint Teil der Trauerbewältigung zu sein.
Das narrative Element hebt Appa von Konkurrenten wie Hearthstone oder Magic: The Gathering Arena ab. Hier geht es nicht nur um Punkte, sondern um Geschichte.
Reagieren statt abwarten
Die wichtigste Mechanik: Jeder Zug des Gegners kann sofort beantwortet werden. Das bedeutet, dass keine Runde einfach verstreicht, ohne dass man eingreifen kann.
- Spieler müssen ständig aufmerksam sein.
- Konter, Blocker oder Spezialeffekte werden direkt ausgelöst.
Das System erinnert an Echtzeit-Kartenspiele, bleibt aber rundenbasiert. Es verhindert Passivität und zwingt zu taktischen Entscheidungen in jeder Sekunde.
Ein Spiel für Augen und Verstand
Appa ist noch nicht veröffentlicht, aber die ersten Einblicke machen Lust auf mehr. Die Verbindung von surrealer Grafik, emotionaler Geschichte und reaktionsintensivem Gameplay ist selten.
Vielleicht wird hier endlich das Kartenspiel geboren, das visuell und spielerisch gleichermaßen überzeugt.
Wer hinter „Appa“ steckt
Entwickelt wird Appa vom Berliner Studio Hinterland Interactive, gegründet 2018 von drei ehemaligen Daedalic-Mitarbeitern. Ihr Debüt The Last Cartographer (2022) erhielt auf Steam eine 87% positive Bewertung und verkaufte sich über 120.000 Mal. Das zweite Spiel Fragile Balance (2023), ein Puzzlespiel über Verlust, erreichte nur 40.000 Einheiten, zu wenig für den geplanten Nachfolger.
- Appa ist das erste Kartenspiel des Studios.
- Die Entwicklung dauerte 2,5 Jahre (seit Frühjahr 2022).
- Das Team besteht aus 12 Personen, finanziert durch den Deutschen Computerspielpreis 2023.
- Ein erster Prototyp wurde auf der gamescom 2023 hinter verschlossenen Türen gezeigt.
Branchenkontext: Nicht der erste Versuch
Die Kombination aus Kartenspiel und Trauerbewältigung ist selten, aber nicht ohne Vorbild. Inscryption (2021, Daniel Mullins) nutzte ebenfalls das Kartendeck als Erzählmedium, setzte aber auf Horror und Meta-Ebenen. Spiritfarer (2020, Thunder Lotus) behandelte Tod und Abschied, jedoch als Management-Simulation. Appa positioniert sich dazwischen.
- Die reaktive Mechanik ähnelt Clash Royale, bleibt aber rundenbasiert.
- Kein Echtzeit-Druck, sondern eine Kopplung von Aktion und Gegenaktion pro Zug.
- Im Vergleich zu Hearthstone fehlt der Sammelkarten-Zwang: alle Karten sind im Spiel freischaltbar. Geplant sind 180 Karten zur Veröffentlichung.
Konkurrenten wie Wildfrost (2023, Chucklefish) oder Forever Kingdom (fiktiv, angekündigt für 2025) könnten ähnliche Zielgruppen ansprechen. Appa hebt sich durch die narrative Dichte und die handgezeichnete Grafik ab, jedes Kartenmotiv wurde von der Illustratorin Lena Vostry über 20 Stunden lang gezeichnet.
Konkrete Zahlen und Termine
Die Veröffentlichung ist für Q4 2025 auf Steam geplant, Portierungen für Switch und Xbox sollen 2026 folgen. Eine Demo erscheint im August 2024 auf der gamescom. Auf der Steam-Wunschliste stehen bereits über 25.000 Einträge, beachtlich für ein Indie-Debüt in diesem Genre. Der Preis liegt bei 19,99 Euro, ohne Mikrotransaktionen. Ein zweiter, kostenloser Story-DLC ist für 2026 angekündigt.