Produktion ohne Skript: Russos riskanter Ansatz
Joe Russo, bekannt als eine Hälfte des Regie-Duos hinter den größten Marvel-Produktionen, hat sich jetzt öffentlich zu einem ungewöhnlichen Produktionsstart geäußert. In einem aktuellen Interview erklärte er, dass man für Avengers: Doomsday bewusst ohne abgeschlossenes Drehbuch in die Dreharbeiten gegangen sei. Er sagte, dieser Schritt habe Raum für „Magie“ geschaffen, die sonst durch die starre Bindung an ein fertiges Skript verloren ginge.
Der Film, der einen neuen Wendepunkt im Marvel Cinematic Universe darstellen soll, ist offenbar als Live-Action-Projekt mit einem hohen Anteil an Improvisation geplant. Russo betonte, dass die Entscheidung nicht aus Nachlässigkeit gefallen sei, sondern aus dem Vertrauen in das Ensemble und die eigenen Fähigkeiten. Das Publikum dürfe gespannt sein, wie diese unkonventionelle Herangehensweise das Endergebnis beeinflusst.
Warum ein bewusst offenes Drehbuch Funken schlagen kann
- Russos Bruder Anthony und er haben bei Marvel bereits Projekte mit strenger Geheimhaltung und nachträglichen Änderungen betreut.
- Bei Avengers: Endgame gab es mehrere Versionen von Szenen, die erst am Set entwickelt wurden.
- Die enge Zusammenarbeit mit dem Cast, insbesondere über lange Franchise-Zeiträume, erlaubt spontane Dialoganpassungen.
- Ein offenes Drehbuch ermöglicht es, auf die Chemie zwischen den Schauspielern zu reagieren, statt sie zu umgehen.
- Für eine Produktion dieser Größenordnung ist das ein ungewöhnliches Vorgehen, das aber in kleineren Indie-Filmen oft zu herausragenden Ergebnissen führt.
Die Historie der Russos: Vom Independent-Kino zum Blockbuster
Joe und Anthony Russo begannen ihre Karriere mit Independent-Filmen wie Pieces und Serien wie Arrested Development, wo ein improvisierter Stil an der Tagesordnung war. Ihr Durchbruch gelang ihnen mit Captain America: The Winter Soldier, wo sie einen düsteren Politthriller-Ton in das Marvel-Universum brachten. Es folgten Captain America: Civil War, die beiden monumentalen Avengers-Teile sowie Filme außerhalb des Franchise wie Cherry und The Gray Man.
Ihr Arbeitsmuster war schon immer, dem Drehbuch treu zu bleiben, aber Szenen am Set durch Probeaufnahmen und Feedback zu verfeinern. Der Schritt, das Drehbuch bei Doomsday nicht als abgeschlossen zu behandeln, ist also eine konsequente Weiterentwicklung ihrer Methode. Es zeigt ihre Erfahrung, dass sie selbst unter Hochdruck-Studiobedingungen Vertrauen in den Prozess haben, anstatt Kontrolle zu erzwingen.
Das Marvel-Konstrukt: Wie die Studios oft arbeiten
Übliche Abläufe bei großen Studios sehen vor, dass ein Drehbuch vor Produktionsstart abgenommen wird, um Budget und Zeitpläne zu sichern. Marvel selbst hat in der Vergangenheit häufig umgeschrieben, oft sogar nach Beginn der Dreharbeiten. Bekannt wurde, dass bei Doctor Strange in the Multiverse of Madness (2022) Änderungen am Set vorgenommen wurden, als Sam Raimi übernahm. Auch bei Ant-Man and the Wasp: Quantumania gab es späte Anpassungen.
Dass allerdings offiziell ohne abgeschlossenes Skript gestartet wird, dürfte bei Versicherungen und Finanzierern für Aufsehen sorgen. Der Ansatz birgt ein Kalkül: Wenn er fehlschlägt, drohen teure Nachdrehs. Gelingt er, entstehen lebendige Momente, die das Publikum als „echt“ wahrnimmt. Russo setzt also bewusst auf das Können seiner Crew.
Was die Aussage für den Kinostart von Doomsday bedeutet
- Avengers: Doomsday ist für einen Start im Mai 2027 angekündigt (laut offiziellen Marvel-Ankündigungen).
- Die Produktion läuft seit dem Frühjahr 2026, also ausreichend Zeit für Postproduktion.
- Robert Downey Jr. wird in einer neuen Rolle, vermutlich als Doctor Doom, zurückkehren, was bereits bestätigt ist.
- Auch die X-Men sollen erstmals offiziell in der Handlung auftauchen.
- Fans spekulieren, dass das offene Drehbuch Raum für Überraschungs-Gaststars lässt, die bis dato gar nicht in den Leak-Listen auftauchen.
Die Entscheidung von Russo könnte den finalen Kinofilm maßgeblich von frühen Konzepten unterscheiden. Es ist gut möglich, dass einige Actionszenen erst am Set durch das Zusammenspiel der Darsteller entstanden sind.
Der Branchenkontext: Ein gefährlicher Präzedenzfall?
Normalerweise gilt ein fertiges Skript als Pflicht für teure Produktionen, doch renommierte Regisseure erhalten zunehmend Sonderrechte. Christopher Nolan etwa entwickelt Drehbücher oft über Jahre, während Edgar Wright für seine präzisen Storyboards bekannt ist. Auf der anderen Seite improvisieren Regisseure wie Spike Lee oder die Coen-Brüder nur minimal.
Russos Aussage könnte als Argument dafür dienen, dass Studios mehr Vertrauen in ihre Filmemacher setzen sollten. Gleichzeitig zeigt sie, dass Marvel bereit ist, auf die Stärken seiner etablierten Regisseure zu bauen. Joe Russo gefällt sich in der Rolle des Machers, der nicht bürokratisch, sondern kreativ agiert. Das dürfte auch bei künftigen Projekten ein Verkaufsargument sein.
Ein Blick auf die Vorgänger: Was Doomsday erwartet
Avengers: Infinity War und Endgame haben bewiesen, dass die Russos mit einem riesigen Ensemble und komplexen Zeitreise-Handlungen umgehen können. Sie kennen den Druck, Erwartungen zu erfüllen, und haben dennoch ihren eigenen Stil etabliert. Bei Doomsday kommt eine zusätzliche Komponente hinzu: Das Multiversum öffnet unbegrenzte narrative Möglichkeiten, die ein festes Skript eher ausbremsen als unterstützen.
Zahlen zeigen, dass Endgame weltweit über 2,7 Milliarden US-Dollar eingespielt hat, was den finanziellen Spielraum für Experimente verdeutlicht. Doch ein Film mit dem Titel „Doomsday“ muss eine epische Bedrohung liefern. Es bleibt abzuwarten, ob die improvisierten Szenen den antizipierten Ernst der Lage einfangen. Die Produzenten setzen darauf, dass genau dieser unmittelbare Schaffensprozess den Film von seinen Vorgängern abheben wird.