Kurskorrektur bei Bethesda
Der Chef von Bethesda hat den Mitarbeitern eine neue Strategie verkündet. Angesichts der tiefgreifenden Entlassungen bei Xbox müsse sich das Studio auf das Wesentliche konzentrieren.
Bethesda Game Studios wurde 2001 in Rockville, Maryland, gegründet, damals unter dem Dach von ZeniMax Media. Das Team begann mit „The Elder Scrolls III: Morrowind“ (2002), das die offene Rollenspiel-Welt neu definierte. Spätere Titel wie Oblivion (2006) und Skyrim (2011) verkauften sich jeweils über 30 Millionen Mal. Mit Fallout 3 (2008) und Fallout 4 (2015) übernahm Bethesda die postapokalyptische Serie von Interplay und machte sie zu einem der umsatzstärksten Franchises der Branche, Fallout 4 spielte am ersten Tag 750 Millionen Dollar ein.
„We Need to Change Course“
Laut einem Bericht von IGN hieß es in der internen Ansprache: „We need to change course.“ Die Ressourcen sollen künftig gebündelt werden, um die stärksten Franchises zu priorisieren.
Der Satz fiel in einer Zeit, in der Microsofts Gaming-Sparte seit Januar 2024 rund 2.500 Stellen gestrichen hat, das sind etwa 8 Prozent der Belegschaft von Activision Blizzard, Xbox und ZeniMax. Bethesda selbst war betroffen: Im Februar 2024 schloss Microsoft die Studios Tango Gameworks („Hi-Fi Rush“) und Alpha Dog Games. Für die verbliebenen Teams bedeutet die Neuausrichtung, dass unrentable oder risikoreiche Projekte eher gestrichen werden.
Die Kernmarken
- The Elder Scrolls, seit über zwei Jahrzehnten eine der bekanntesten Rollenspiel-Reihen. Der sechste Hauptteil wurde 2018 angekündigt, steckt aber noch in der Vorproduktion.
- Fallout, mit der Amazon-Serie neu belebt und weiterhin ein Zugpferd. Die Serie erreichte im April 2024 über 100 Millionen Zuschauerstunden in der ersten Woche.
- Starfield, das Sci-Fi-Abenteuer, das 2023 erschien und als neue Marke etabliert wurde. Bis Februar 2024 verkaufte sich Starfield rund 14 Millionen Mal, unter den Erwartungen von Microsoft, die von über 20 Millionen ausgingen.
- Doom und Wolfenstein, Shooter-Klassiker, die das Genre geprägt haben. Doom Eternal (2020) verkaufte sich über 10 Millionen Mal. Die Reihe wird von id Software entwickelt, das ebenfalls zu Bethesda gehört.
Branchenkontext: Konsolidierung und Renditedruck
Die Entlassungen bei Xbox sind kein Einzelfall. 2024 haben Branchengrößen wie Sony, Electronic Arts und Take-Two insgesamt über 10.000 Stellen abgebaut. Microsofts Gaming-Umsatz stieg zwar 2023 durch die Activision-Übernahme auf 21,5 Milliarden Dollar, doch die Kosten für die Integration und die Entwicklung von Project Scarlett (der neuen Xbox-Generation) drücken auf die Marge.
Bethesda steht unter Druck, mit weniger Entwicklern höhere Verkaufszahlen zu liefern. Starfield sollte ein neues Standbein werden, blieb aber hinter Skyrim zurück, das allein im Jahr 2023 noch über 1 Million Einheiten verkaufte. Analysten sehen die Entscheidung, sich auf Kernmarken zu konzentrieren, als Reaktion auf sinkende Erfolgsraten bei neuen IPs.
Auswirkungen auf andere Projekte
Ob kleinere Titel oder experimentelle Ideen gestrichen werden, ist nicht bekannt. Bethesda hat keine konkreten Spiele genannt, die von der Neuausrichtung betroffen sind.
Das Studio arbeitet derzeit an mehreren Projekten: Neben The Elder Scrolls VI und einem neuen Fallout-Titel (Gerüchte über ein Online-Spin-off) sind Updates für Starfield in Arbeit, die erste Erweiterung „Shattered Space“ erscheint im Herbst 2024. Unbestätigten Berichten zufolge soll ein Remake von The Elder Scrolls IV: Oblivion in der Entwicklung sein, das aber nach den Entlassungen auf Eis liegen könnte.
Offene Fragen zur Zukunft
Ob sich die Neuausrichtung auf laufende Arbeiten an neuen Teilen von The Elder Scrolls oder Fallout auswirkt, teilte Bethesda nicht mit. Die Entlassungen bei Xbox haben bereits mehrere Studios getroffen.
Einige Spekulationen richten sich auf Microsofts Cloud-Strategie: Werden Bethesdas Spiele künftig exklusiv im Game Pass erscheinen? Starfield kam am ersten Tag ins Abo und brachte 1,5 Millionen neue Abonnenten, ein Erfolg, aber nicht genug, um die Entwicklerkosten von schätzungsweise 200 Millionen Dollar zu decken. Die Frage bleibt, ob sich Microsoft längerfristig von Konsolen-Exklusivität verabschiedet, um die Reichweite der Kernmarken zu maximieren.