Mahnmal für gefeierte Entwickler
Die Bethesda Games Studios Union hat auf sozialen Kanälen Bilder eines kleinen, von Mitarbeitern errichteten Gedenkortes veröffentlicht.
Laut dem Beitrag zeigte das Display Fotos von Kollegen, die im Zuge früherer Entlassungswellen gehen mussten, inklusive kurzer handschriftlicher Nachrichten.
Die Personalabteilung (HR) forderte die Belegschaft auf, das Denkmal umgehend zu entfernen. Ein Grund wurde nicht genannt.
Kein Platz für Erinnerung?
- Das Denkmal stand nach Angaben der Union in einem allgemein zugänglichen Bereich des Studios.
- Es handelte sich um kein offizielles Projekt, sondern eine spontane Aktion einzelner Teams.
- HR soll die Entfernung „umgehend und ohne Diskussion“ verlangt haben.
Die Quelle Kotaku beruft sich auf die von der Union geteilten Eindrücke. Eigene Stellungnahmen von Bethesda oder der Muttergesellschaft Microsoft liegen bislang nicht vor.
Arbeitsklima unter Druck
Die Aktion wirft ein Schlaglicht auf die angespannte Stimmung bei Bethesda Game Studios. Nach der Übernahme durch Microsoft und mehreren Umstrukturierungen wurden in den vergangenen Jahren hunderte Stellen gestrichen, unter anderem bei den Teams hinter Starfield und The Elder Scrolls VI.
Die Gewerkschaftsgruppe, Teil der Communications Workers of America, sieht in der Entfernung des Mahnmals einen weiteren Beleg für mangelnde Wertschätzung.
Ob die Fotos nun endgültig aus den Büros verschwunden sind, ist unklar. Die Union kündigte an, das Thema bei nächsten Verhandlungen mit der Geschäftsleitung anzusprechen.
Studio-Historie und vergangene Erfolge
Bethesda Game Studios (BGS) entstand 2001 als eigenständige Entwicklerabteilung aus dem Publisher Bethesda Softworks. Das Team in Rockville, Maryland, schuf die Rollenspiel-Reihen The Elder Scrolls und Fallout.
The Elder Scrolls III: Morrowind (2002) etablierte das Genre der offenen Welt. Skyrim (2011) verkaufte sich über 60 Millionen Mal. Fallout 4 (2015) brachte 12 Millionen Einheiten im ersten Tag.
Seit 2021 gehört BGS zu Microsoft Gaming. Das aktuelle Großprojekt ist The Elder Scrolls VI, dessen Release noch ohne Datum ist. Starfield (2023) erreichte laut Microsoft 13 Millionen Spieler bis Ende 2023, blieb aber hinter den Erwartungen in puncto Bindungsrate.
Branchenkontext: Entlassungswellen bei Microsoft Gaming
Die Kürzungen bei Bethesda sind Teil eines größeren Abbaus: Im Januar 2024 strich Microsoft Gaming 1.900 Stellen in der gesamten Sparte (Activision, Blizzard, Bethesda). Im Mai folgten die Schließungen von Tango Gameworks, Arkane Austin, Alpha Dog Games und Roundhouse Studios.
Bei Bethesda Game Studios selbst wurden 2023 bereits 76 Mitarbeiter entlassen (laut Kotaku). Die Gewerkschaft CWA hatte im November 2023 eine freiwillige Anerkennung durch Microsoft erreicht, die erste gewerkschaftliche Abdeckung in einem First-Party-Microsoft-Studio.
Das Mahnmal steht damit in einer Serie von Maßnahmen, die das Arbeitsklima belasten. Vergleichbare Fälle gab es bei Ubisoft Montreal (2019, stilles Gedenken an entlassene Kollegen wurde geduldet) oder Bungie (2023, öffentlich kritisierte Führungsetage nach Entlassungen).
Gewerkschaftsarbeit und Verhandlungen
Die Bethesda Game Studios Union (Teil der CWA) organisiert rund 300 Entwickler in Rockville und Dallas. Sie fordert unter anderem feste Einstufungen gegen „Crunch“ (unbezahlte Überstunden) und Mitsprache bei Personalentscheidungen.
Das Entfernen des Mahnmals könnte die nächste Verhandlungsrunde (geplant für Sommer 2025) zusätzlich belasten. Microsoft hat bisher keinen Kommentar abgegeben. Die Union veröffentlichte die Fotos am 8. April 2025 auf X.