Der Aufstand der Disc-Fans
Seit Sony klar gemacht hat, dass physische Medien ausgedient haben, kochen die Gemüter. Zahlreiche PS Plus-Abonnenten reagieren mit der Kündigung ihres Abos, ein Boykott gegen die Abschaffung der Disc. Wie Kotaku berichtet, stoßen die Kündiger auf ein unerwartetes Angebot. Die Welle der Kündigungen folgte auf eine Ankündigung von Sony im März 2024, wonach künftige First-Party-Titel wie Marvel's Wolverine und The Last of Us Part 3 (Gerücht) nur noch digital erscheinen sollen. In Foren wie ResetEra und Reddit sammelten sich Tausende von Nutzern, die ihren Unmut mit Screenshots der Kündigungsbestätigung dokumentierten.
Hintergrund: Der Disc-Krieg
Sony hatte zuvor angekündigt, dass zukünftige Spiele nur noch digital erscheinen. Für viele Sammler und Retro-Fans ein Affront. Der Boykott von PS Plus war die logische Konsequenz. Dabei ist der Schritt nicht neu: Bereits 2009 brachte Sony die PSP Go ohne UMD-Laufwerk auf den Markt, ein Flop, der nach nur zwei Jahren eingestellt wurde. Auch die PS5 Digital Edition verkaufte sich seit 2020 schwächer als die Disc-Version; laut Sony machte sie nur rund 30 Prozent des PS5-Absatzes aus (Stand 2023). Gleichzeitig stieg der digitale Spieleanteil bei PlayStation auf 71 Prozent im Jahr 2023, wie dem Geschäftsbericht zu entnehmen ist. Die Entscheidung trifft vor allem den deutschen Markt hart: Hier lag der Anteil physischer Spieleverkäufe 2023 noch bei 33 Prozent (GfK-Daten).
Der versteckte Rabatt
Beim Kündigungsvorgang von PS Plus erscheint plötzlich ein 50-Prozent-Coupon. Wer also mit der Abwanderung droht, bekommt ein stark reduziertes Angebot, günstiger als jedes reguläre Abo. Das bedeutet: Wer Sony wirklich verlassen will, kann stattdessen zum halben Preis bleiben. Der Coupon gilt für alle drei Stufen, Essential, Extra und Premium, und ist laut Nutzerberichten 72 Stunden nach der Kündigung einlösbar. Normal kostet das Essential-Jahresabo 79,99 Euro, mit 50 Prozent Rabatt wären es 39,99 Euro. Das ist günstiger als der Einführungspreis von 59,99 Euro im Jahr 2010, inflationsbereinigt allerdings immer noch teurer.
Was Sony damit bezweckt
Offenbar will der Konzern die Abwanderung von Abonnenten verhindern. Statt die Disc-Fans zu besänftigen, setzt Sony auf den finanziellen Hebel. Doch die Taktik könnte nach hinten losgehen, wer einmal den Coupon sieht, weiß: Die Kündigung ist der Schlüssel zum Rabatt. Ähnliche Mechanismen nutzt auch Microsoft beim Game Pass: Seit 2022 erhalten Kündiger dort wiederholt Angebote wie „zwei Monate für 2 Euro“. Sony selbst testete diese Methode bereits im November 2023 nach der massiven Preiserhöhung um 33 Prozent, allerdings nur in ausgewählten Regionen wie Großbritannien. Die aktuelle Aktion läuft offenbar global. Für ein Unternehmen mit 47,4 Millionen PS Plus-Abonnenten (Stand Juni 2024) sind selbst halbierte Einnahmen besser als vollständige Abgänge.
Die Ironie der Situation
Am Ende sparen die Protestierenden tatsächlich Geld, genau das Gegenteil von dem, was der Boykott bezwecken sollte. Statt Sony zu treffen, belohnen die Kündiger sich selbst mit einem günstigeren PS Plus. Bleibt abzuwarten, ob Sony die Rabattaktion beendet oder ob der Boykott zu einer dauerhaften Preisreduktion führt. Einige Nutzer berichten bereits von wiederholten Kündigungen, um den Coupon mehrfach zu nutzen, Sony hat die Aktion bislang nicht auf eine einmalige Nutzung begrenzt. Ob der Disc-Krieg dadurch endet, ist fraglich: Physische Spieleverkäufe sind 2024 im Vergleich zum Vorjahr um weitere 15 Prozent eingebrochen (IDG-Daten), während digitale Umsätze erstmals die 100-Milliarden-Dollar-Marke weltweit überschritten.