Sony kürzt erneut, Bungie blutet
Mindestens 292 Mitarbeiter von Bungie haben ihren Job verloren. Das berichtet Kotaku und bezieht sich auf die jüngste Entlassungswelle, die Sonys Sparte durchzieht. Besonders bitter: Der Großteil des Destiny 2-Entwicklungsteams sei „ausgehöhlt“ worden, so die Quelle wörtlich.
Es ist nicht die erste Kürzung beim Studio hinter Destiny und Marathon. Bereits 2023 und 2024 hatte Sony Personal abgebaut. Diesmal trifft es die Kernmannschaft des Live-Service-Shooters jedoch mit voller Härte.
Die aktuellen Entlassungen folgen auf einen bemerkenswerten Personalabbau im Oktober 2023: Damals verließen rund 220 Angestellte das Studio, etwa acht Prozent der Belegschaft. Ein Jahr später, im Juli 2024, folgten weitere 220 Kündigungen, vor allem in den Bereichen QA, Publishing und Support. Seit der Übernahme durch Sony im Jahr 2022 für 3,6 Milliarden US-Dollar sind damit über 730 Stellen gestrichen worden. Das entspricht mehr als einem Drittel der damaligen Mitarbeiterzahl von etwa 1.900.
Was von Destiny 2 übrig bleibt
- Die Destiny 2-Mannschaft wurde nach Kotaku-Informationen „größtenteils zerstört“.
- Unklar ist, wie viele Entwickler für die laufenden Inhalte wie Episoden und Jahreszeiten übrig bleiben.
- Das Marathon-Reboot, Sonys großer Extraction-Shooter-Hoffnungsträger, scheint von den Kürzungen weniger betroffen.
Die offizielle Bestätigung von Bungie oder Sony steht noch aus. Die Zahlen stammen aus internen Quellen, wie Kotaku schreibt.
Bungies Geschichte zeigt, wie tief der Einschnitt sitzt. Das Studio wurde 1991 gegründet und entwickelte mit Halo: Combat Evolved (2001) einen der erfolgreichsten Ego-Shooter der Geschichte. Nach dem Split von Microsoft im Jahr 2010 entstand Destiny (2014), ein MMO-Shooter mit ambitioniertem Live-Service-Modell. Destiny 2 folgte 2017 und erreichte zum Start 1,2 Millionen gleichzeitige Spieler auf dem PC. Die Spielerbasis ist seit dem letzten Addon The Final Shape (Juni 2024) jedoch massiv geschrumpft: Laut SteamDB sank die durchschnittliche gleichzeitige Spielerzahl von 60.000 im Jahr 2023 auf unter 30.000 im Juli 2025.
Warum jetzt?
Sony kämpft mit den Kosten seiner Live-Service-Offensive. Nachdem Helldivers 2 ein Überraschungserfolg wurde, steckt Geld in andere Projekte. Bungie war mit Destiny 2 zuletzt unter den Erwartungen geblieben. Die Spielerbasis schrumpft, die Inhalte wiederholen sich. Jetzt zahlt die Belegschaft die Zeche.
Die Probleme begannen nicht erst 2024. Bereits im August 2023 hatte Sony den Ausbau des Destiny–Universums zurückgefahren und die geplante mobile Variante Destiny: Rising auf Eis gelegt. Gleichzeitig investierte der Konzern massiv in Marathon, einen Extraction-Shooter, der 2025 erscheinen soll. Das Spiel soll die Wende bringen, ob es die internen Kosten von schätzungsweise 200 Millionen US-Dollar rechtfertigt, ist unklar. Ein vergleichbares Projekt, Concord (Firewalk Studios), wurde bereits eingestellt, nachdem weniger als 1.000 Spieler zeitgleich aktiv waren.
Kein Happy End in Sicht
Bungie bleibt als Marke bestehen, aber das Studio blutet aus. Die Entlassung von fast 300 Leuten trifft nicht nur ein Game, es zerreißt ein Team, das jahrelang zusammengearbeitet hat. Sony setzt offenbar alles auf Marathon. Ob das reicht, wird sich zeigen. Für die Destiny 2-Community ist der heutige Tag ein harter Schlag.
Die aktuelle Belegschaft von Bungie wird auf etwa 1.100 Mitarbeiter geschätzt, der niedrigste Stand seit der Übernahme. Zum Vergleich: Bei Valve arbeiten rund 400 Entwickler an Counter-Strike 2, Dota 2 und Steam, während Epic Games über 4.000 Angestellte für Fortnite und die Unreal Engine beschäftigt. Bungie kämpft nicht nur mit sinkenden Umsätzen (Destiny 2 brachte 2023 geschätzt 400 Millionen US-Dollar, 2024 nur noch 250 Millionen), sondern auch mit der Abwanderung von Führungskräften. Seit Januar 2025 haben drei der vier Studio-Direktoren das Unternehmen verlassen. Die Zukunft von Destiny 2 hängt an einem ausgedünnten Team, das kaum noch große Erweiterungen liefern kann.