Liebe ist ein (un)schwerer Schlag
Einem neuen IGN-Bericht zufolge haben Mitarbeiter von Bungie mehrfach einen Destiny-Dating-Simulator vorgeschlagen. Die Idee stammte von mehreren Entwicklerteams, die das Projekt leidenschaftlich vorantrieben. Die Studioleitung zeigte keinerlei Interesse und lehnte die Pitches ab.
- Das Konzept sah vor, bekannte Charaktere aus dem Destiny-Universum in romantischen Szenarien zu zeigen.
- Die Entwickler hofften auf eine humorvolle, charmante Abwechslung zum sonst ernsten Sci-Fi-Shooter.
- Bungies Führung entschied sich dagegen, vermutlich aus strategischen oder ressourcentechnischen Gründen.
Bungies Weg: Von Halo zu Destiny
Bungie wurde 1991 gegründet und erlangte erste Bekanntheit mit der Marathon-Trilogie (1994–1996) für Macintosh. 2000 von Microsoft übernommen, entwickelte das Studio Halo: Combat Evolved (2001), das den Konsolen-Shooter neu definierte. Nach Halo: Reach (2010) trennte sich Bungie von Microsoft, gründete sich als unabhängiges Studio neu und begann die Arbeit an einem neuen Universum.
2014 erschien Destiny, ein Hybrid aus MMO und Ego-Shooter, der über 30 Millionen registrierte Spieler erreichte. Destiny 2 folgte 2017. Im Januar 2022 gab Sony die Übernahme von Bungie für 3,6 Milliarden US-Dollar bekannt. Seitdem bleibt Bungie operativ eigenständig, aktuell fokussiert auf das neue Projekt Marathon, einen Extraction-Shooter, der 2025 erscheinen soll.
Kein Ghost-Date, kein Traum
Das ist besonders schade, denn Destiny hat eigentlich alles, was ein guter Dating-Sim braucht: eine große Cast von unvergesslichen NPCs. Man stelle sich vor: Drifte mit Cayde-6 auf eine Tasse Ramen? Oder ein Picknick mit Eris Morn auf dem Mond? Die Community hätte solche Szenen geliebt.
Bungie hat in der Vergangenheit schon kleinere, humorvolle Nebenprojekte wie das Destiny 2-Event „Crimson Days“ gebracht. Ein eigenständiger Dating-Sim wäre eine logische, aber offenbar zu abgedrehte, Erweiterung gewesen.
Destiny in Zahlen: Spielerbasis und Umsatz
Destiny 2 verzeichnete 2023 auf Steam durchschnittlich 40.000 gleichzeitige Spieler, mit Spitzen über 200.000 bei großen Erweiterungen wie „Lightfall“ oder „The Final Shape“. Schätzungen zufolge hat das gesamte Destiny-Franchise über 6 Milliarden US-Dollar Umsatz generiert (Stand 2023). Bungie beschäftigt rund 1.700 Mitarbeiter, aufgeteilt auf Teams für Destiny und Marathon.
Ein Dating-Sim wäre ein vergleichsweise kleines Projekt gewesen. Indie-Dating-Sims wie Monster Prom (2018) oder Dream Daddy (2017) wurden mit Budgets unter 500.000 US-Dollar entwickelt und erzielten hohe Margen. Bungie hätte das vermutlich mit einem Bruchteil der internen Ressourcen stemmen können, doch die Führung priorisierte die Hauptlinie.
Was hätte sein können
Stattdessen bleibt es bei einer Handvoll Entscheidungsdialoge in den eigentlichen Destiny-Missionen. Die Hüter dürfen zwar mit Geistern und Händlern reden, aber nie richtig flirten. Vielleicht wäre genau diese lockere Note einem Teil der Fangemeinde nähergekommen als der zehnte Raid.
Ob der Pitch jemals wieder aus der Schublade geholt wird, ist mehr als fraglich. Die aktuelle Ausrichtung von Bungie liegt klar auf Marathon und den nächsten großen Destiny-Erweiterungen. Manchmal muss man einfach akzeptieren, dass die Liebe im Orbit bleibt, ohne Abschluss.
Dating-Sims im Branchenkontext: Nischenphänomen mit Kultstatus
Dating-Sims haben in der Industrie eine lange, aber oft belächelte Tradition. Hatoful Boyfriend (2011) machte Furore mit sprechenden Tauben, Boyfriend Dungeon (2021) kombinierte Dating mit Dungeon-Crawling. Große Publisher integrierten Dating-Elemente in Hauptserien: Persona 5 (2016, Atlus) oder Fire Emblem: Three Houses (2019, Nintendo), beide mit Millionenverkäufen. Ein Destiny-Dating-Sim hätte mit Crowdfunding oder als kostenloses Spin-off wie Sakura Wars (2019, Sega) realisiert werden können.
Bungies Ablehnung spiegelt eine strategische Ressourcenallokation: Über 500 Mitarbeiter arbeiten an Marathon, einem direkten Konkurrenten zu Escape from Tarkov und Call of Duty: Warzone. Ein Dating-Sim passt nicht in diese Roadmap, auch wenn die Community noch lange über die verpasste Romanze mit dem Exo-Stranger diskutieren wird.