Schwere Zeiten für die Entwickler von Destiny
Bungie entlässt erneut einen signifikanten Teil seiner Belegschaft. Nach der Entlassungswelle vom Oktober 2023, bei der etwa 100 Mitarbeiter das Studio verlassen mussten, schrumpft das Team weiter.
Das Studio mit Sitz in Bellevue, Washington, hat eine Geschichte, die drei Jahrzehnte umfasst. Bekannt wurde das Team durch Halo: Combat Evolved (2001) und die anschließende Zusammenarbeit mit Microsoft, bevor das Studio 2007 seine Unabhängigkeit erklärte.
- Seit 2014 fokussiert sich das Unternehmen fast exklusiv auf das Destiny-Franchise.
- Die Abhängigkeit von einem einzigen Produkt führte in der Vergangenheit zu internen Spannungen.
- Der Ausstieg aus dem Vertrag mit Publisher Activision im Jahr 2019 sollte die kreative Freiheit sichern.
Was passiert mit Destiny 3?
Die Planung für ein vollwertiges Destiny 3 findet in den Räumen von Bungie derzeit nicht statt. Das Team konzentriert sich auf die laufende Wartung von Destiny 2 und den Versuch, durch "Content Drops" Spielerzahlen stabil zu halten.
Das Franchise startete 2014 mit Destiny, gefolgt von Destiny 2 im Jahr 2017. Ursprünglich war die Serie als zehnjähriges Projekt konzipiert, das sich durch Erweiterungen wie The Taken King (2015) oder Forsaken (2018) weiterentwickelte.
- Die Entwicklung neuer, großer Ableger ist aufgrund der hohen Kosten für die Tiger-Engine riskant.
- Die Monetarisierung von Destiny 2 basiert auf Seasons und dem jährlichen Erwerb von Erweiterungen.
- Diese Struktur zwingt das Team in einen kontinuierlichen Produktionszyklus, der kaum Raum für neue Projekte lässt.
Der Druck durch Sony
Die Übernahme durch Sony Interactive Entertainment für 3,6 Milliarden Dollar im Jahr 2022 sollte Bungie finanzielle Sicherheit bieten. Die Verkaufszahlen der Erweiterung The Final Shape blieben jedoch hinter den internen Prognosen zurück.
Sony investiert in Bungie, um Expertise im Bereich Live-Service-Spiele in das eigene Portfolio zu integrieren. Diese Strategie steht unter Beobachtung, da andere Sony-Studios wie Naughty Dog ihre Projekte für Mehrspieler-Inhalte teilweise einstellten.
- Die operative Autonomie bei Bungie schwindet, während Sony tiefer in die Budgetkontrolle eingreift.
- Die Umsatzziele für das Geschäftsjahr wurden verfehlt.
- Führungskräfte von Sony besetzen zunehmend Positionen in der strategischen Planung von Bungie.
Die Zukunft von Marathon
Das Projekt Marathon stellt den nächsten Versuch dar, neben Destiny einen erfolgreichen Titel auf den Markt zu bringen. Es handelt sich um einen Extraction-Shooter, der auf der gleichnamigen Spielreihe basiert, die Bungie bereits 1994 veröffentlichte.
Der Markt für Extraction-Shooter ist mit Titeln wie Escape from Tarkov und Hunt: Showdown bereits besetzt. Bungie muss mit Marathon beweisen, dass die eigene Live-Service-Formel außerhalb des Destiny-Universums funktioniert.
- Der ursprüngliche Director von Marathon, Christopher Barrett, verließ kürzlich das Studio.
- Die Entwicklung wurde neu ausgerichtet, um den Einstieg für neue Spieler zu erleichtern.
- Ein konkretes Veröffentlichungsdatum für den Titel steht noch aus.
Die wirtschaftliche Lage des Studios erinnert an die Situation vieler Firmen, die in der Pandemie stark wuchsen und nun mit sinkenden Nutzerzahlen und steigenden Betriebskosten kämpfen. Bungie beschäftigt aktuell noch rund 850 Mitarbeiter, nachdem Sony im Zuge der Übernahme die Integration von etwa 150 Angestellten in die eigene Firmenstruktur bekannt gab.