Fehler, Fehler, nichts als Fehler
Die zweite Season von Marathon sollte ein Neuanfang werden. Stattdessen erlebten Spieler zum Start eine Wiederholung alter Bungie-Traditionen: Serverabstürze, Verbindungsabbrüche und die berüchtigten Error-Codes wie Weasel, Anteater oder Monkey. Die Free-Play-Woche, die neue Spieler anlocken sollte, wurde so zur Geduldsprobe.
- Kaum ein Match lief stabil durch
- Wartezeiten vor dem Login zogen sich hin
- Spielstände gingen verloren oder ließen sich nicht laden
Bungies Erbe: Von Halo zu Marathon
Der Entwickler Bungie wurde 1991 gegründet und machte sich mit Marathon (1994) einen Namen, einem Ego-Shooter für den Mac, der schon damals Mehrspieler-Modi bot. Nach der Übernahme durch Microsoft folgte Halo: Combat Evolved (2001), das die Xbox zum Erfolg führte. Die drei Halo-Hauptteile (bis 2007) gelten als Meilensteine des Genres, doch Server-Probleme waren auch dort kein Neuland: Halo 2 (2004) kämpfte am Launch mit Xbox-Live-Ausfällen.
2007 trennte sich Bungie von Microsoft und brachte Destiny (2014) auf den Markt. Der Live-Service-Shooter wurde ein kommerzieller Erfolg, aber die Server-Probleme blieben. Error-Codes wie Baboon, Anteater, Weasel begleiten die Community seit über einem Jahrzehnt. Destiny 2 wiederholte das Muster 2017 mit stundenlangen Login-Schlangen und verlorenen Spielständen. Der Name des aktuellen Titels, Marathon, ist ein Rückgriff auf das erste Studio-Spiel, doch die Technik hinkt der Nostalgie hinterher.
Season 2 unter Dauerbeschuss
Dabei hatte Season 2 eigentlich einiges zu bieten: neue Karten, frische Waffen und einen geänderten PvE-Modus. Doch von all dem bekamen viele Spieler kaum etwas mit, weil sie ständig aus den Lobbys flogen. Bungies traditionelle Launch-Schwierigkeiten trafen diesmal besonders hart, weil die Season parallel zur beworbenen Gratis-Zeit startete.
- „Free Play Week“ endete im Frust statt im Spaß
- Veteranen erinnerten sich an die Startprobleme von Destiny 2
- Der Eindruck für Neulinge war verheerend
Branchenkontext und Vergleiche
Launch-Probleme sind in der Live-Service-Branche keine Ausnahme. Helldivers 2 (Arrowhead) erlebte im Februar 2024 Server-Ausfälle durch überraschend hohe Spielerzahlen, erholte sich aber durch schnelle Patches. Overwatch 2 (Blizzard) startete 2022 mit DDoS-Angriffen und Warteschlangen. Bungies Fall sticht hervor, weil die Fehlercodes, Weasel, Anteater, Monkey, seit Destiny 2 unverändert auftreten. Das legt nahe, dass die Server-Architektur grundlegend überarbeitet werden müsste.
Laut Daten von SteamDB verlor Marathon in den ersten drei Monaten nach Release über 70 Prozent seiner Spielerbasis (Quelle: PCGamer). Season 1 startete im Sommer 2024 ebenfalls mit Verbindungsabbrüchen, aber Season 2 trifft durch die gestaffelte Gratis-Woche besonders viele neue Spieler. Die Konkurrenz wie Call of Duty: Warzone oder The Finals bietet stabilere Launches, ein Wettbewerbsnachteil für Bungie.
Ein bekanntes Muster ohne Besserung
PCGamer berichtet, dass sich die Spielerbasis erneut mit den gleichen Problemen herumschlagen muss, die Bungie seit Jahren begleiten. Ob Ameisenbär, Affe oder Wiesel, die Tiernamen der Error-Codes sind fast schon Kult, aber leider kein Grund zum Lachen. Die zweite Season von Marathon hätte das Comeback einläuten können, doch die Technik spielte nicht mit.
Bungie hat bislang keinen Patch oder Zeithorizont für eine Lösung genannt. Die Free-Play-Woche läuft noch, für viele wird sie eher eine Erinnerung daran, warum man bei Bungie-Titeln besser eine Woche nach Release einsteigt.