Die Rückkehr des Skurrilen
Die neuen Cities of Sigmar-Modelle markieren eine bewusste Abkehr von der bisherigen, eher abstrakt-hochmagischen Ästhetik von Age of Sigmar. Das Designteam von Games Workshop, das unter der Leitung von Veteranen wie Jes Goodwin und den Designern der Warhammer Underworlds-Reihe steht, zitiert direkt die Ära von Warhammer Fantasy Battle (WHFB).
Nachdem das Empire mit der Einstellung von WHFB im Jahr 2015 fast ein Jahrzehnt lang in der Versenkung verschwand, bieten diese Modelle eine Rückkehr zu den Wurzeln des „grimdark“ Fantasy. Das Studio setzt hier auf den Stil, der in den 90er Jahren durch Künstler wie John Blanche geprägt wurde.
Historie und Studio-Kontext
Die Citadel-Designabteilung in Nottingham hat seit den Anfängen in den 80ern einen Stilwandel vollzogen. Während frühe Modelle oft grob und von den Limitierungen des Zinngusses geprägt waren, nutzen die aktuellen Designer hochpräzise CAD-Software.
Die Cities of Sigmar-Reihe ist der offizielle Nachfolger der Freeguild-Fraktion, welche bei der Einführung von Age of Sigmar (2015) als Übergangslösung fungierte. Die nun veröffentlichte „Launch Box“ von 2023 löst die letzten verbliebenen Gussrahmen aus den späten 90ern und frühen 2000ern ab.
- Der Übergang von den 2004 veröffentlichten Empire State Troops zu den neuen Modellen zeigt eine Steigerung der Detaildichte um etwa 300 Prozent.
- Die Skulpturen orientieren sich an der Mordheim-Ära, einem Specialist-Game von 1999, das bis heute einen Kultstatus genießt.
Das Design der Miniaturen
Die Modelle verzichten auf die übertriebene, fast comicartige Dynamik früherer Age of Sigmar-Releases wie den Stormcast Eternals. Stattdessen dominieren bodenständige Proportionen und eine pragmatische Ausrüstung.
- Die Gesichtszüge wirken durch tiefere Modellierung realistischer und weniger wie glatte Masken.
- Rüstungsdetails wie Nieten, Schnallen und Lederriemen dienen dazu, die Funktion innerhalb der Lore glaubhaft zu machen.
- Zubehör wie Feldflaschen, Dolche und Munitionstaschen unterstreichen den Charakter der Soldaten als Individuen.
- Die Stoffe, insbesondere die Umhänge, weisen eine Textur auf, die an grobe Wolle oder gegerbtes Leder erinnert.
Ein Hauch von Oldhammer
Das Design greift die Illustrationen aus dem Warhammer Fantasy Regelbuch der 6. Edition (2000) auf. Die Posen der Infanterie sind statischer und defensiver, was an die taktische Aufstellung von Regimentern erinnert.
Die Produktpalette wurde bewusst an Spielmechaniken angepasst, die eine hohe Anzahl an Modellen auf dem Tisch erfordern.
- Die Steelhelms ersetzen die alten Freeguild Guard und bieten eine moderne Interpretation der klassischen Landsknecht-Optik.
- Artillerie-Einheiten wie der Castelite Formation-Bausatz nutzen Elemente der Ingenieurskunst, die an die Dwarfs-Artillerie aus dem Jahr 2006 angelehnt sind.
- Anführerfiguren wie der Freeguild Marshal tragen ikonische Hüte, die direkt aus den Artworks von Karl Franz oder den Helden-Modellen von 1998 stammen.
Branchenkontext und Vergleich
Im Vergleich zu anderen Herstellern wie Mantic Games (Kings of War) oder Wargames Atlantic hat Games Workshop bei diesem Release die Produktionsqualität der Kunststoffgussrahmen massiv angehoben. Wo Konkurrenten oft auf ein Preis-Leistungs-Verhältnis setzen, fokussiert sich der Marktführer auf die Komplexität der Einzelteile.
- Die durchschnittliche Anzahl der Teile pro Infanterie-Modell liegt bei 12, was Bastlern ein hohes Maß an Individualisierung erlaubt.
- Die Kompatibilität zu anderen Age of Sigmar-Bausätzen ist durch einen einheitlichen Maßstab von 32mm gewährleistet.
- Im Gegensatz zum ursprünglichen Empire-Sortiment, das über 15 Jahre lang weitgehend unverändert blieb, ist dieses Release auf eine schnellere Iteration ausgelegt.
Warum sich der Blick lohnt
Diese Miniaturen dienen als Brücke zwischen der alten Garde der WHFB-Spieler und der neuen Generation. Sie bieten eine ästhetische Konsistenz, die in der überladenen Welt von Age of Sigmar lange fehlte.
Die Plastikbögen enthalten keine obligatorischen „Hero-Posen“, was den Umbau von Regimentern durch den Tausch von Köpfen und Waffen erleichtert. In der aktuellen Edition von Age of Sigmar sind diese Einheiten mechanisch darauf ausgelegt, im Verbund zu agieren, was das klassische Spielgefühl von Linieninfanterie zurückbringt. Beim Zusammenbau zeigt sich die Präzision der Gussformen, da selbst filigrane Lederriemen passgenau in die entsprechenden Vertiefungen der Rüstungen greifen.