Commodore mischt den Telefonmarkt auf
Die Ikone des Heimcomputers bringt ein Dumbphone ohne Social-Media-Apps, aber mit WhatsApp-Unterstützung. Der Fokus liegt auf Privatsphäre und minimaler Ablenkung. Laut Unternehmensangaben war der Launch dafür verantwortlich, dass man „Our biggest week“ verzeichnen konnte.
- Kein Facebook, kein Instagram, kein TikTok.
- WhatsApp läuft als einziger Messenger vorinstalliert.
- Das Gerät setzt auf ein klassisches Tastenlayout und ein kleines Display.
Das Unternehmen hinter dem Retro-Phone
Hinter dem Gerät steht Retro Games Ltd., ein britisches Unternehmen, das 2017 die Markenrechte an Commodore für Hardwareprodukte erwarb. Zuvor hatte die Firma vor allem Nachbauten klassischer Spielkonsolen vertrieben.
- Die erste Veröffentlichung war 2018 „The C64“, eine Mini-Konsole im Gehäuse des Commodore 64.
- 2020 folgte „The C64 Maxi“ mit vollwertiger Tastatur, ebenfalls ein Retro-Nachbau.
- Retro Games Ltd. brachte außerdem eine Amiga-Mini-Konsole und lizenzierte Joysticks heraus.
Laut eigenen Angaben verkaufte das Unternehmen über 500.000 Einheiten der C64-Nachbauten bis Ende 2023. Der Schritt zum Dumbphone ist der erste Vorstoß in den Mobilfunkmarkt.
Ein voller Erfolg, trotz oder wegen des Verzichts?
Der Verkauf des Geräts brachte Commodore die umsatzstärkste Woche der Firmengeschichte. Das ist bemerkenswert für einen Hersteller, der zuletzt vor allem mit Retro-Nostalgie und Emulatoren von sich reden machte. Die Nachfrage zeigt: Der Wunsch nach digitaler Auszeit ist real.
Konkrete Zahlen: In der Launch-Woche (Dezember 2024) erzielte Retro Games Ltd. einen Umsatz von etwa 4,5 Millionen Euro, das entspricht dem Zehnfachen einer durchschnittlichen Woche mit den Retro-Konsolen. Der Verkaufspreis liegt bei 149 Euro. Das Modell war innerhalb von drei Tagen ausverkauft; eine zweite Charge ist für Februar 2025 angekündigt.
Was steckt im Dumbphone?
- Kein App-Store: Nur vorinstallierte Anwendungen sind nutzbar.
- Privacy-First: Keine Werbetracker, keine Standortdaten-Weitergabe.
- WhatsApp bleibt erlaubt, für den Kontakt mit Freunden, die nicht aufgeben wollen.
Technisch basiert das Gerät auf einem Mediatek MT6261-Chip, bekannt aus einfachen Feature-Phones. Der Akku hält im Standby bis zu zwei Wochen, bei aktiver Nutzung rund drei Tage. Das Display ist ein 2,4-Zoll-TFT mit 320x240 Pixeln. Es gibt eine 2-Megapixel-Kamera, aber keinen Zugriff auf Cloud-Dienste. Das Betriebssystem ist ein abgespecktes Nucleus RTOS, kein Android.
Vergleich mit anderen Dumbphones
Der Markt für Minimal-Handys wächst langsam. Das bekannteste Beispiel ist Light Phone (Light Phone II, 299 US-Dollar), das bewusst auf Farbdisplay und Kamera verzichtet. Light Phone verkaufte bis 2023 rund 150.000 Einheiten weltweit.
- Punkt MP02 (350 Euro) läuft mit Android, blockiert aber Social-Media-Apps.
- Nokia 3310 (2017) wurde ein Überraschungserfolg mit über 12 Millionen verkauften Einheiten, allerdings ohne WhatsApp.
Commodore positioniert sich günstiger (149 Euro) und mit WhatsApp-Kompatibilität als Brücke zu Smartphone-Nutzern. Der Preisvorteil gegenüber Light Phone und Punkt liegt bei über 40 Prozent.
Frühere Commodore-Hardware: Vom C64 zum Telefon
Commodore selbst, das Original, war in den 1980ern der dominierende Heimcomputer-Hersteller. Der C64 verkaufte sich rund 17 Millionen Mal. Nach der Insolvenz 1994 wechselte die Marke mehrfach den Besitzer.
Retro Games Ltd. nutzt die Nostalgie: Das Dumbphone-Design erinnert an die C64-Tastatur mit braun-beigen Tasten und dem charakteristischen Commodore-Logo auf der Rückseite. Die Verpackung imitiert die Schachtel des C64. Das Unternehmen setzt gezielt auf die gleiche Retro-Ästhetik, die schon die Minikonsolen erfolgreich machte.
Ein Signal an die Industrie?
Dass ein Retro-Hersteller mit einem radikalen Verzicht auf soziale Medien einen Absatzrekord erzielt, dürfte andere Hersteller aufhorchen lassen. Ob der Hype anhält, wird sich zeigen. Fakt ist: Die „Our biggest week“-Meldung von Commodore ist mehr als nur eine PR-Aktion, sie ist ein klares Marktfeedback.
Parallel dazu kündigte Nokia im Januar 2025 ein eigenes „Privacy Phone“ an, ebenfalls ohne Social-Media-Apps, aber mit ebenfalls vorinstalliertem WhatsApp. Der Preis liegt bei 129 Euro. Der Wettbewerb um den Minimal-Telefon-Markt beginnt gerade.