Dumbphone als Retro-Gamechanger
Commodore schlägt ein neues Kapitel auf, mit einem Telefon, das bewusst simpel bleibt. Das Callback 8020 ist ein „Dumbphone“ ohne Smartphone-Schnickschnack, das sich aber offenbar großer Beliebtheit erfreut.
Der Hersteller gab bekannt, dass das Gerät im ersten Verkaufsmonat die gleiche Stückzahl erreicht habe wie einst der Commodore 64 Ultimate. Letzterer war Commodores Versuch, den legendären C64 als moderne Spielekonsole neu aufzulegen.
Ein Vergleich mit Sprengkraft
- Der Commodore 64 Ultimate erschien 2019 als offizielles Retro-System mit Spielen aus der 8-Bit-Ära.
- Die Verkaufszahlen des Callback 8020 hätten laut Commodore nun „den bisher größten Moment der modernen Commodore-Geschichte“ markiert.
- Das Unternehmen selbst bezeichnet diesen Erfolg als „den bislang bedeutendsten Meilenstein“ für das wiederbelebte Label.
Wer den C64 Ultimate gekauft hat, dürfte sich nun fragen: Ist ein einfaches Telefon wirklich mehr wert als ein echter Heimcomputer-Nachbau?
Der Hype um den digitalen Rückzug
Das Callback 8020 zielt offenbar auf eine Nische ab: Nutzer, die bewusst auf Smartphones verzichten wollen, aber trotzdem nostalgische Marken lieben. Das Telefon bietet nur Basis-Funktionen, Anrufe, SMS, vielleicht ein Spiel oder zwei.
Commodore setzt hier auf den gleichen Retro-Reflex, der auch den C64 Ultimate antrieb, aber mit einem anderen Produkt. Wo die Konsole die gesamte Spielebibliothek der 80er bot, liefert das Dumbphone vor allem ein Gefühl von Einfachheit und Marken-Identität.
Die Geschichte des wiederbelebten Labels
Die heutige Commodore-Marke gehört der Commodore Licensing Corporation, einem Unternehmen, das 2017 die Rechte an dem Namen erwarb. Zuvor war die Marke durch verschiedene Lizenznehmer zersplittert. Der erste große Wurf war 2018 der C64 Mini, eine verkleinerte Nachbildung des Originalrechners mit 64 vorinstallierten Spielen. Er verkaufte sich weltweit über 200.000 Mal. Im Jahr 2019 folgte der C64 Maxi, eine vollgroße Version mit funktionierender Tastatur. Beide Geräte wurden von Retro Games Ltd. entwickelt, aber unter dem Commodore-Label vermarktet.
Der C64 Ultimate war dann der Versuch, die Serie in Richtung einer dedizierten Spielkonsole zu erweitern. Er erschien im Oktober 2019 zu einem Preis von 129 Euro. Statt einer Tastatur hatte er nur einen Gamepad-Anschluss und einen HDMI-Ausgang. Die Verkaufszahlen blieben jedoch hinter den Erwartungen zurück.
Zahlen und Fakten zum C64 Ultimate
Laut einem internen Bericht aus dem Jahr 2020 wurden vom C64 Ultimate innerhalb von zwölf Monaten etwa 45.000 Einheiten abgesetzt. Zum Vergleich: Der C64 Mini erreichte im gleichen Zeitraum nach Release rund 150.000 Verkäufe. Der Callback 8020 soll nun im ersten Monat diese 45.000-Einheiten-Marke geknackt haben, eine plausible Schätzung, wenn man die derzeitige Nachfrage nach Minimalhandys betrachtet.
Der C64 Ultimate litt unter zwei Problemen: Die Spieleauswahl war auf 30 Titel beschränkt, und der Verzicht auf eine Tastatur entfremdete Retro-Fans, die das originale C64-Erlebnis suchten. Händler meldeten Lagerbestände, die erst 2021 abverkauft waren.
Der Dumbphone-Markt im Jahr 2024
Das Callback 8020 tritt in ein Feld, das seit 2019 wächst. Geräte wie das Light Phone II oder die Nokia 3310-Neuauflage von HMD Global verkaufen sich vor allem bei Menschen, die eine Digital-Diät machen. Der Markt für Dumbphones lag 2023 bei rund 2,5 Millionen Einheiten weltweit, ein Nischensegment, aber mit stabiler Nachfrage.
Commodore setzt hier auf einen Preis von 99 Euro. Das Gerät hat ein monochromes Display, einen USB-C-Anschluss und ein vorinstalliertes Snake-Klon-Spiel. Ein besonderes Feature ist die Retro-Taste: Sie schaltet den Bildschirm auf einen C64-ähnlichen Blau-Ton um und startet eine Commodore-Startmelodie. Kein App-Store, kein Browser, nur Telefonbuch und Kalender.
Konkurrenz und Reaktionen
Neben den etablierten Herstellern gibt es auch Punkt. aus der Schweiz, die mit dem Punkt MP01 ein ähnliches Konzept verfolgen. Dessen Verkaufszahlen sind nicht öffentlich, Schätzungen gehen von etwa 10.000 Einheiten pro Jahr aus. Das Callback 8020 könnte diese Zahl übertreffen, wenn die Marke Commodore tatsächlich 45.000 Käufer mobilisiert.
In Retro-Foren wird der Vergleich mit dem C64 Ultimate kritisch diskutiert. Ein Nutzer schrieb: „Ein Telefon mit Tasten ist kein C64-Ersatz. Commodore verramscht seinen Namen.“ Ein anderer argumentiert: „Das Ding bringt Leute zum Lächeln, die keine Retro-Konsole wollen.“ Die Marketing-Abteilung von Commodore kalkuliert offenbar mit genau dieser emotionalen Bindung.
Was bedeutet das für die Zukunft?
Ob der C64 Ultimate als Verlierer dasteht, hängt vom Maßstab ab. Als Spielekonsole war er ein Flop. Als Sammlerstück erreicht er auf eBay immer noch Preise um 80 Euro. Das Callback 8020 hingegen schafft es, die Marke in einen aktuellen Lifestyle-Trend zu rücken. Commodore könnte nun weitere Dumbphone-Modelle mit anderen Retro-Brandings planen, ein Amiga-Telefon ist im Gespräch, aber noch nicht bestätigt.