Eine Kiste, die niemand haben wollte, bis jetzt
Es war absehbar. Früher oder später musste ein von Valve geformter Würfel in einem von Valve entworfenen Companion Cube landen. Dbrand, die leicht chaotischen Peripherie-Bastler, haben genau das getan.
Das Ergebnis: ein massives, teures Gehäuse für die Steam Machine, geformt wie der Weighted Companion Cube aus Portal. Der Witz ist 19 Jahre alt, aber die Umsetzung ist erschreckend solide.
Was ist das Ding überhaupt?
- Ein externes Case, das eine Steam Machine (oder einen Steam Controller?) aufnimmt
- Design identisch zum ikonischen Würfel aus Portal (2007)
- Hergestellt von Dbrand, bekannt für wilde Custom-Produkte
- Keine Angabe zum Preis, aber die Schlagzeile nennt es „teuer“
Die Größe ist ein Problem. Der Companion Cube war im Spiel kompakt, aber hier dürfte er massiv ausfallen. Gut, wenn man viel Regalplatz hat. Schlecht, wenn man ihn transportieren will.
Dbrand: Vom Skins-Hersteller zum Case-Bauer
Dbrand wurde 2011 in Toronto gegründet. Das Unternehmen startete mit Handyhüllen und Laptop-Skins, präzise geschnittene Vinylfolien, die jedes Gerät in eine individuelle Hülle verwandelten. 2022 gelang der Durchbruch in der Gaming-Hardware: Das Project Killswitch für das Steam Deck, ein modulares Schutzgehäuse mit integriertem Standfuß, wurde binnen Tagen ausverkauft. Es kostete 89 US-Dollar, ein Preis, der die hohe Verarbeitung widerspiegelte.
Seither produziert Dbrand eigenwillige Accessoires, oft ohne offizielle Lizenz. Die Firma setzt auf provokantes Marketing. Ein Beispiel: das „Ghost“-Case für iPhones, das angeblich so robust war, dass es in einem Werbevideo einen Sturz aus dem Flugzeug überlebte. Solche Aktionen brachten ihnen den Ruf ein, „die verrücktesten Bastler“ der Branche zu sein. Der Companion Cube passt perfekt in diese Linie.
Warum ein 19 Jahre alter Witz?
Der Weighted Companion Cube war nie als physisches Produkt gedacht. Er war ein running Gag in Portal: Spieler mussten ihn lieben und dann in einem Feuerofen entsorgen. Valve hat den Würfel nie offiziell als Hardware-Gehäuse lizenziert.
Dbrand springt in die Lücke. Sie nennen ihn „weighted storage buddy“, eine Anspielung auf die legendäre Zeile aus Portal. Die Ironie: Ein Witz, den die Entwickler vor fast zwei Jahrzehnten fallen ließen, wird jetzt als teures Sammlerstück realisiert.
Portal: Der Cube als kulturelles Artefakt
Portal erschien 2007 als Teil der Orange Box. Der Companion Cube wurde sofort zum Meme. Valve verkaufte offizielle Plüschtiere und Tassen, aber nie eine Hardware-Version. 2011 folgte Portal 2, das den Cube in Handlung und Leveldesign aufgriff, wieder ohne physische Umsetzung.
Seitdem haben Fans unzählige 3D-Drucke und Bastelprojekte veröffentlicht. Keiner davon kommerziell. Dbrands Version ist der erste Versuch, den Cube als funktionales Gehäuse zu fertigen. Die Form ist exakt dem Spiel nachempfunden: die abgerundeten Ecken, die Herz- und Liebessymbole auf den Seiten, die matte Oberfläche. Nur die Lüftungsschlitze und Anschlussöffnungen verraten den Hardware-Zweck.
Die Verarbeitung ist unverschämt gut
Man will das Ding hassen. Es ist übergroß, teuer und komplett unnötig. Aber Dbrand hat offenbar nicht gespart. Die Rede ist von „well-made“, hochwertigen Materialien, präzisen Kanten, einer Verarbeitung, die man von einem Scherzartikel nicht erwartet.
Das ist das Ärgerliche: Hätte jemand eine billige Plastikschale gebaut, wäre es einfach ein Meme. Aber hier steckt handwerkliche Liebe drin. Man könnte es tatsächlich als Deko hinstellen, wenn die Steam Machine drin steckt.
Steam Machines: Ein gescheitertes Ökosystem kehrt zurück
Valves Steam Machines Projekt startete 2015. Partner wie Alienware, Zotac und Gigabyte bauten Konsolen mit Steam OS. Das Ziel: eine offene Konkurrenz zu PlayStation und Xbox. Das Vorhaben scheiterte. Schätzungen zufolge wurden weltweit weniger als 500.000 Einheiten verkauft. Valve stellte die Hardware-Entwicklung 2018 ein.
Dbrand reanimiert das Format mit einem Gehäuse, das nur in wenige Hände passen dürfte. Die Steam Machine ist tot, aber ihre Besitzer, falls es sie noch gibt, bekommen jetzt ein spektakuläres Case. Dbrand setzt auf eine Nische, die so klein ist, dass kein anderer Hersteller sie bedient.
Kein offizielles Valve-Produkt
Dbrand agiert eigenständig. Valve hat weder Segen noch Lizenz für dieses Case gegeben. Wer also den Companion Cube auf dem Schreibtisch stehen haben will, kauft ein Fan-Produkt von einem Dritthersteller.
Ob die Steam Machine darin gut gekühlt wird, bleibt offen. Aber für Portal-Fans, die auch Hardcore-Sammler sind, dürfte das Case schwer zu ignorieren sein.
Preis und Verfügbarkeit: Luxus für Eingeweihte
Zum Preis schweigt Dbrand. Das Project Killswitch kostete 89 US-Dollar, das Steam-Deck-Case war vergleichsweise einfacher gebaut. Der Companion Cube benötigt mehr Material und aufwendigere Fertigung, vermutlich deutlich über 200 US-Dollar. Eine offizielle Vorbestellseite existiert noch nicht.
Wer eine Steam Machine besitzt, muss das Gerät aus dem Originalgehäuse lösen und umziehen. Das dürfte nur für Enthusiasten in Frage kommen. Dbrand selbst spricht von einer „limitierten Auflage“. Das bedeutet: Wer zu spät kommt, bekommt keinen Würfel.