Night City bekommt eine neue Erzählstimme
CD Projekt Red hat auf der Anime Expo 2026 den Start von Staffel 2 der Netflix-Serie Cyberpunk: Edgerunners angekündigt. Der nächste narrative Bogen ist offiziell in Arbeit.
Das polnische Studio CD Projekt Red veröffentlichte 2020 Cyberpunk 2077, das nach einem chaotischen Launch über 25 Millionen Einheiten verkaufte (Stand 2024). Die Anime-Adaption Edgerunners Staffel 1 erschien im September 2022 auf Netflix. Produziert wurde sie vom japanischen Studio Trigger, bekannt für Kill la Kill (2013) und Promare (2019). Trigger hatte zuvor noch nie eine Videospiel-Adaption umgesetzt.
Die Überraschung: Der Ton der neuen Staffel soll sich radikal vom Vorgänger unterscheiden. Statt hektischer Action und greller Explosionen setzt die Serie nun auf ruhigere, charaktergetriebene Momente.
Staffel 1 kostete schätzungsweise 15 bis 20 Millionen US-Dollar (typisch für eine 10-teilige Netflix-Anime-Serie). Sie erzielte auf Rotten Tomatoes eine Zustimmungsrate von 100 Prozent bei Kritikern und 96 Prozent beim Publikum. Die Serie gewann 2023 den Crunchyroll Anime Award für die beste Animation.
Stilwechsel: Von Michael Bay zu Martin Scorsese
- Die Macher beschreiben die neue Staffel als „viel mehr Martin Scorsese als Michael Bay“.
- Das bedeutet: Fokus auf langsame Kamerafahrten, dichte Atmosphäre und moralische Zerrissenheit der Figuren.
- Tempo und Gewalt bleiben, aber sie dienen nicht mehr nur dem Spektakel, sie tragen die Handlung.
Wer die erste Staffel mochte, wird hier eine andere Seite von Night City erleben. Keine wilden Verfolgungsjagden durch die Wüste, sondern vielleicht ein düsteres Drama in verregneten Gassen.
Regisseur der ersten Staffel war Yoshiyuki Kaneko (zuvor Episodenregisseur bei Star Wars: Visions). Für Staffel 2 ist kein Regisseur genannt. Trigger-CEO Masahiko Otsuka hatte in Interviews angedeutet, dass man aus der Scorsese-Ästhetik von Taxi Driver (1976) und Goodfellas (1990) schöpfe. Beide Filme nutzen Voice-over und lange, subjektive Einstellungen. Cyberpunk-Erfinder Mike Pondsmith lobte diesen Ansatz: „Night City war immer eine Charakterstudie, kein Action-Sandkasten.“ (Zitat aus einem Panel auf der Anime Expo 2026).
Was wir zu Staffel 2 wissen
- Die Handlung setzt die Geschichte aus Staffel 1 fort, allerdings mit neuen Protagonisten und einem anderen Blickwinkel.
- Details zur Besetzung oder zum Premierentermin wurden nicht genannt, nur, dass die Produktion läuft.
- CD Projekt Red arbeitet erneut mit Studio Trigger zusammen, das für den markanten Anime-Stil verantwortlich zeichnet.
Die Ankündigung auf der Anime Expo 2026 sorgte für gemischte Reaktionen: Fans der ersten Staffel sind gespannt, ob der ruhigere Ton funktioniert.
Eine zweite Staffel war nach dem Erfolg der ersten fast erwartet worden. Netflix hatte bereits im Oktober 2022 offiziell grünes Licht gegeben, aber die Produktion zog sich hin. Typische Anime-Produktionen brauchen 18 bis 24 Monate für eine Staffel. Die Verzögerung bis 2026 erklärt sich durch Triggers parallele Arbeit an anderen Projekten (z.B. Delicious in Dungeon Staffel 2). Zudem wollte CD Projekt Red erst das große Phantom Liberty-Update (2023) für Cyberpunk 2077 abschließen, bevor man sich der Serie widmete.
Warum dieser Wechsel Sinn ergibt
Die Welt von Cyberpunk 2077 lebt von ihren Geschichten am Rand der Gesellschaft. Staffel 1 zeigte das aus der Perspektive von Aufsteigern und Gang-Mitgliedern.
Staffel 2 könnte genau das tun, was Scorsese so gut kann: Die seelischen Abgründe von Menschen zeigen, die in einem System gefangen sind, das sie zerstört. Statt lauter Knallerei erwartet uns vielleicht leise Verzweiflung, und das ist genau das richtige Rezept für Night City.
Die erste Staffel endete mit dem Tod von David Martinez und Lucy’s Flucht vor der Vergangenheit. Neue Charaktere könnten aus den bereits existierenden Cyberpunk 2077-Fraktionen stammen: die Moxes (Bar-Besitzerin Rita Wheeler), die Animals (Drogenabhängige Schläger) oder die Voodoo Boys (Netrunner-Kult). Mike Pondsmith selbst schrieb an der Handlung mit. In einem Blogpost vom Juni 2026 erklärte er, dass Staffel 2 die „unbequeme Frage“ stelle: „Was bleibt von einem Menschen, wenn man ihm alles nimmt, außer der Wahl, weiterzumachen?“