Der neue Player auf dem AAA-Parkett
David Ellison, vielen als Verantwortlicher für die chaotischen Zustände bei CBS News bekannt, hat überraschend Paramount Game Studios gegründet. Das berichtet Kotaku und schreibt dazu nur: „Oh no."
Damit wagt sich ein Mann in die Spielebranche, dessen Ruf nicht der beste ist. Sein Ziel: die AAA-Liga. Ob er das nötige Fingerspitzengefühl für die Entwicklung teurer Blockbuster-Titel mitbringt, darf bezweifelt werden.
David Ellisons medialer Fußabdruck
Ellison ist kein Unbekannter im Mediengeschäft. Der Sohn von Oracle-Gründer Larry Ellison übernahm 2021 die Kontrolle über CBS News und trieb das Traditionshaus in eine Serie von Führungskrisen. Innerhalb von zwei Jahren wechselte der Nachrichtensender drei Chefredakteure, die Belegschaft schrumpfte um 15 Prozent. Die Einschaltquoten fielen um 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Ellison selbst zog sich öffentlich weitgehend zurück, bis jetzt.
Seine Investmentfirma Ellison Capital hält Beteiligungen an mehreren Tech- und Medienfirmen, jedoch nie an Spieleentwicklern. Branchenbeobachter fragen sich, warum ausgerechnet ein Mann ohne Games-Erfahrung ein AAA-Label startet. Die Antwort könnte in den Steuererleichterungen für Medienproduktionen in Kalifornien liegen, die Ellison gezielt nutzt.
Was wir wissen, und was nicht
- Die Gründung von Paramount Game Studios ist offiziell bestätigt.
- Konkrete Projekte, Lizenzen oder Teams wurden noch nicht genannt.
- Ellison selbst hat sich bisher nicht zu seinen Plänen geäußert.
Die wenigen Informationen reichen der Community, um Alarm zu schlagen. In sozialen Netzwerken häufen sich kritische Kommentare. Viele fürchten einen weiteren Geldgrab ohne echte Spieleleidenschaft.
Paramounts blasse Spielevergangenheit
Paramount Pictures besitzt einige der wertvollsten Film-Franchises der Welt: Star Trek, Transformers, Mission: Impossible. In den 1990ern und 2000ern vergab das Studio die Spielerechte an externe Publisher, mit mäßigem Erfolg. Star Trek: Armada (Activision) verkaufte sich 2004 eine halbe Million Mal, Transformers: War for Cybertron (Activision, 2010) immerhin 1,2 Millionen. Doch die Lizenzspiele floppten häufiger: Paramounts eigenes Entwicklerstudio, 1999 gegründet und 2004 geschlossen, brachte nie einen Titel auf den Markt.
Der neue Vorstoß unter Ellison ist also kein Start-up auf der grünen Wiese, sondern der dritte Anlauf von Paramount, selbst Spiele zu entwickeln. Die ersten beiden scheiterten an mangelnder Expertise und falschen Prioritäten. Diesmal setzt man auf einen Manager, der noch nie ein Spiel produziert hat.
Ein schwieriges Umfeld
Die AAA-Industrie steckt in einer Krise. Hohe Budgets, lange Entwicklungszeiten und ein immer anspruchsvolleres Publikum lassen viele Projekte scheitern. Selbst erfahrene Studio-Veteranen tun sich schwer.
Konkrete Zahlen: Die durchschnittlichen Kosten eines AAA-Titels liegen heute bei 200 Millionen US-Dollar. Sony gab für The Last of Us Part II 220 Millionen aus, Rockstar für Red Dead Redemption 2 sogar über 500 Millionen. Nur wenige Spiele erreichen die nötigen Verkaufszahlen von mehr als 5 Millionen Exemplaren, um Gewinn zu erzielen. 2023 meldeten Volition (Saints Row) und Telltale Games Insolvenz an, 2024 strich die Branche über 10.000 Stellen. In diesem Klima ein neues AAA-Label zu gründen, ist riskant.
Ein Neueinsteiger mit Ellisons Hintergrund, das klingt nach einer Mischung aus Skandalfaktor und Risikobereitschaft. Ob Paramount Game Studios das Zeug zu einem ernsthaften Player hat, wird sich zeigen. Die Zweifel sind jedenfalls riesig.
Der erste Eindruck zählt
Ob David Ellison sein neues Unternehmen zu einem erfolgreichen Spiele-Verlag formen kann, bleibt abzuwarten. Die Skepsis der Branche ist verständlich, und sie ist laut.