Der große Wurf bleibt aus
Dead or Alive 6: Last Round ist seit heute erhältlich, doch die Reaktionen der Fans fallen verhalten aus. Kritiken bemängeln, dass das Paket eher einem Aufguss gleicht als einer echten, runderneuerten Edition. Alte Hoffnungen auf eine definitive Version mit allen Verbesserungen zerschlagen sich.
Statt neuer Features liefert das Paket vieles, was man bereits aus dem Original kennt. Wer auf eine Rückkehr beliebter Modi wie dem Tag-Team-Modus oder dem Button-Mashing-freundlichen „Simple Mode“ gehofft hatte, wird enttäuscht. Auch die Online-Infrastruktur blieb unverändert.
Fehlende Features und verpasste Chancen
- Kein Rollback-Netcode, obwohl Capcoms Street Fighter 6 und Arc System Works‘ Guilty Gear Strive diesen Standard längst gesetzt haben.
- Frühere Modi wie „Survival“ oder „Zeitangriff“ aus Dead or Alive 5: Last Round fehlen komplett.
- Wer im Original Dead or Alive 6 Charaktere freigeschaltet hatte, muss diese nun erneut kaufen, selbst Season-Pass-Besitzer erhalten keine Gutschrift.
Die Liste der Mängel liest sich wie ein Best-of der häufigsten Fan-Kritiken aus den letzten drei Jahren. Koei Tecmo hat die Gelegenheit verpasst, die Saison 5 endlich aufzupolieren. Stattdessen wirkt das Update wie eine hastig zusammengestellte Kollektion existierender DLCs.
Ein bekanntes Spiel im neuen Gewand
Das Launch-Paket fühlt sich an wie „eine sehr ähnliche Erfahrung“ zum bereits existierenden Spiel, so lautet der Tenor in ersten Tests. Versprochen werden zwar weitere Charaktere und Kostüme in den kommenden Monaten, doch zum Start bleibt der Eindruck eines hastig zusammengestellten Re-Releases.
Die Frage, warum man für ein Update zahlen soll, das kaum Neues bietet, drängt sich auf. Die Fans haben mehr verdient, und das wissen die Entwickler offenbar selbst. Ein Blick auf die Verkaufszahlen von DOA6 (laut Koei Tecmo rund 800.000 Einheiten bis 2021) zeigt, dass die Basis dafür vorhanden wäre.
Team Ninja und die Dead or Alive-Reihe
Team Ninja, das Studio hinter Dead or Alive, wurde 1995 gegründet und machte sich mit Ninja Gaiden (2004) und der Dead or Alive-Serie einen Namen. Die Reihe startete 1996 als Arcade-Prügler und etablierte sich durch schnelle Kämpfe und auffällige Charakterdesigns. Dead or Alive 5 (2012) erhielt 2015 eine Last Round-Version, die als definitive Edition galt, mit allen DLCs und technischen Verbesserungen.
Doch DOA6 (2019) verkaufte sich schwächer als der Vorgänger (DOA5 erreichte über 1,2 Millionen Einheiten). Team Ninja führte ein kostenpflichtiges „F2P-Modell“ mit Mikrotransaktionen ein, das viele Fans abschreckte. Die Last Round-Version sollte diese Fehler korrigieren, wiederholt nun aber die alten Muster: Statt einer inhaltlichen Überarbeitung gibt es ein Bundle ohne neue Mechaniken.
Branchenkontext: Re-Releases mit Abwärtstrend
Im Kampf gegen sinkende Verkaufszahlen setzen Publisher oft auf „Game of the Year“- oder „Ultimate“-Editionen. Capcoms Street Fighter V: Champion Edition (2020) bot immerhin alle Charaktere und Bühnen zu einem Festpreis. Bandai Namco veröffentlichte Tekken 7: Definitive Edition (2023) mit allen Season-Pässen und einer verbesserten Netcode-Option.
Dead or Alive 6: Last Round hinkt hinterher: Es fehlt ein einheitlicher Netcode, die Charakterliste bleibt fragmentiert (einige Figuren wie Nyotengu fehlen zum Start), und der Preis von 59,99 Euro für ein drei Jahre altes Spiel mit Zusatzkäufen wirkt überzogen. Zum Vergleich: Street Fighter V: Champion Edition kostete bei Release 39,99 Euro.
- 23 spielbare Charaktere im Basispaket (DOA6 hatte 24 plus 5 DLC-Figuren zum Release).
- Kein Cross-Play zwischen PlayStation, Xbox und PC, ein Feature, das Guilty Gear Strive und Street Fighter 6 längst bieten.
- Kein neuer Story-Modus oder zusätzliche Zwischensequenzen, obwohl die Kampagne von DOA6 als kurz (ca. 4 Stunden) kritisiert wurde.
Was die Zukunft bringt
Team Ninja arbeitet derzeit an Rise of the Ronin (2024) und hat keine neuen Dead or Alive-Projekte angekündigt. Die Last Round-Version wirkt wie ein letzter Versuch, aus der bestehenden Lizenz Kapital zu schlagen. Die Community reagiert mit Protest: Eine Petition auf Change.org sammelte über 12.000 Unterschriften gegen die erneute Bezahlpflicht für bereits freigeschaltete Inhalte.
Ob Koei Tecmo nachbessert, ist unklar. Ein Patch mit Rollback-Netcode wäre technisch machbar, Arc System Works zeigte mit Guilty Gear Xrd Rev 2, dass ein Update Jahre später möglich ist. Bisher fehlt jedoch jedes Signal aus dem Entwicklerstudio. Die Fans bleiben zurück mit einem Déjà-vu, das teurer ist als gedacht.