Die Akte Destiny Infinity
Interne Dokumente belegen, dass Bungie das Konzept Destiny Infinity als langfristige Plattform für das Franchise entwickelte. Das Projekt sollte als technische Basis dienen, um die Fragmentierung durch jährliche Erweiterungen zu beenden.
Bungie startete als unabhängiges Studio in Chicago, bekannt durch die Marathon-Reihe und den Durchbruch mit Halo: Combat Evolved. Nach der Übernahme durch Microsoft festigte das Studio seinen Ruf als Pionier für Ego-Shooter auf Konsolen.
Eckpunkte des Geheimpapiers
Das Modell wich vom bisherigen Rhythmus ab, bei dem Spieler alle zwölf Monate neue Vollpreistitel oder Erweiterungen erwerben mussten. Stattdessen sah der Plan eine dauerhafte Inhaltsumgebung vor.
- Ein zentraler Hub fungierte als Hauptmenü für sämtliche Kampagnen, Raids und PvP-Modi.
- Die technische Architektur basierte auf einer überarbeiteten Version der Tiger-Engine.
- Automatisierte Tools sollten die Erstellung von Umgebungs-Assets beschleunigen, um die Abhängigkeit von manueller Arbeit zu senken.
- Spieler sollten in einer permanenten Instanz verbleiben, die technische Upgrades ohne komplette Neuinstallationen erhielt.
Die technische Schuld der Engine war ein ständiger Begleiter seit dem Start von Destiny 1 im Jahr 2014. Die Engine stammte in ihren Grundzügen noch aus der Ära, in der Bungie für Halo: Reach entwickelte.
Historie und Branchenkontext
Das Franchise startete mit Destiny (2014) unter dem Publisher Activision, der eine zehnjährige Laufzeit plante. Nach der Veröffentlichung von Destiny 2 im Jahr 2017 und dem späteren Bruch mit Activision im Jahr 2019 operierte Bungie kurzzeitig unabhängig.
- Destiny 2 wechselte 2019 auf das Free-to-Play-Modell unter dem Namen New Light.
- Die Strategie des „Content Vaulting“, bei der Bungie Inhalte aus dem Spiel entfernte, um die Dateigröße zu begrenzen, stieß auf breite Kritik.
- Destiny Infinity zielte darauf ab, dieses Problem durch eine stabilere Architektur zu lösen, statt Inhalte zu löschen.
Vergleichbare Ansätze zeigen sich bei Titeln wie Warframe von Digital Extremes oder Final Fantasy XIV von Square Enix. Diese Spiele halten ihre Nutzerschaft über ein Jahrzehnt in einer festen, stetig wachsenden Umgebung.
Warum das Projekt scheiterte
Bungie sah sich mit massiven wirtschaftlichen Problemen konfrontiert, nachdem die Übernahme durch Sony für 3,6 Milliarden Dollar im Jahr 2022 abgeschlossen war. Die hohen Fixkosten für das Personal von über 1.000 Mitarbeitern erforderten stetige Einnahmen.
- Die Entwicklungskosten für Destiny Infinity hätten die jährlichen Gewinne durch Season-Pässe verschlungen.
- Ressourcen flossen priorisiert in die Wiederbelebung der Marke Marathon und in neue, bisher nicht angekündigte Projekte.
- Sony forderte nach der Übernahme eine stärkere Kosteneffizienz und eine schnellere Rendite aus den bestehenden Assets.
Im Oktober 2023 entließ Bungie etwa 100 Mitarbeiter, was rund acht Prozent der Belegschaft entsprach. Weitere Entlassungswellen folgten im Jahr 2024, als die Einnahmen hinter den Prognosen für die Erweiterung The Final Shape zurückblieben.
Der aktuelle Status
Das Studio reduziert den Umfang der Inhalts-Updates für Destiny 2 auf kleinere, episodische Formate. Die ursprüngliche Roadmap, die große Erweiterungen wie The Witch Queen oder Lightfall vorsah, wurde durch weniger arbeitsintensive Inhalte ersetzt.
Aktuelle Berichte deuten darauf hin, dass die Entwicklungsressourcen für neue Features zugunsten der Instandhaltung geschrumpft sind. Die Vision einer technologisch modernisierten Plattform liegt in den Archiven, während das Team die Server von Destiny 2 mit minimalem Aufwand instandhält.