Ein Ende, das wehtut
Laut PCGamer sind die finalen Cutscenes von Destiny kein triumphaler Abschluss, sondern ein schmerzhafter Punkt. Eine neue Saga, die gerade erst begonnen hatte, wird hier abgebrochen. Die Spieler bleiben mit gemischten Gefühlen zurück.
Bungie kündigte The Final Shape im August 2023 als das Ende des zehnjährigen „Light and Darkness“-Bogens an. Die Erweiterung erschien am 4. Juni 2024 für PC, PlayStation und Xbox. Laut SteamDB erreichte Destiny 2 kurz nach Release über 200.000 gleichzeitige Spieler, ein Rekord. Dennoch beschreiben viele Fans das Ende als enttäuschend, weil die finale Cutscene offene Fragen nicht beantwortet. Das Studio selbst hatte zuvor betont, dass dieser Handlungsbogen alles zusammenführen würde, was seit 2014 aufgebaut wurde.
Trauer, Wut und Neugier
Die Schlagzeile des PCGamer-Artikels bringt es auf den Punkt: „I‘m sad, I‘m angry, I‘m interested“. Trauer über das Ende einer Geschichte, Wut über den abrupten Abbruch, Neugier auf das, was hätte kommen können. Destiny hat über Jahre eine treue Community aufgebaut, nun wirkt der Abschluss wie ein jähes Finale.
Die Community-Reaktionen auf Reddit und Twitter zeigen eine Mischung aus Enttäuschung und Trotz. Einige Spieler vergleichen das Ende mit dem von Mass Effect 3, einer berüchtigten Kontroverse um ein unzureichendes Ende, das BioWare später mit einem kostenlosen DLC nachbesserte. Bungie selbst hat angekündigt, dass die folgenden Episoden (Episode: Echoes, Revenant, Heresy) diese Lücken füllen sollen. Doch das Vertrauen vieler Spieler ist erschüttert, auch weil Bungie in den letzten Jahren mehrere Community-Manager entließ und Berichte über toxische Arbeitsbedingungen die Runde machten.
Was bedeutet „Finish the fight“?
Die Zusammenfassung des Berichts lautet schlicht: „Finish the fight.“ Es ist ein Aufruf, der mehrdeutig klingt. Sollen die Spieler den Kampf beenden? Oder meint Bungie, dass die Geschichte mit diesem Finale zu Ende ist?
Der Satz stammt aus dem ursprünglichen Halo 2-Trailer von 2004 und wurde zum Slogan der gesamten Halo-Reihe. Bungie verwendet ihn nun als bewussten Rückbezug auf die eigene Firmengeschichte. „Finish the fight“ war damals ein Versprechen an die Spieler, die Geschichte von Master Chief zu einem Abschluss zu bringen. In Destiny könnte es bedeuten, dass Bungie die Destiny-Saga tatsächlich beendet, um sich neuen Projekten zuzuwenden. Im Oktober 2024 bestätigte das Studio die Arbeit an einem neuen Fantasy-Action-Spiel mit dem Codenamen „Gummy Bears“ sowie einen Marathon-Reboot (einem PvPvE-Shooter) für 2025. Die knappen Ressourcen des Studios, nach einer Entlassungswelle im Juli 2024 mit rund 220 betroffenen Mitarbeitern, erklären möglicherweise, warum die Cutscenes so abrupt wirken.
Ein bitterer Beigeschmack
Die neue Saga, die in den letzten Jahren angedeutet wurde, wird nicht fortgesetzt. Statt eines großen Höhepunkts gibt es ein abruptes Ende. Für Fans, die auf eine Auflösung gehofft hatten, bleibt das Gefühl, dass viel Potenzial verschenkt wurde.
Mit „neuer Saga“ ist vermutlich der Post-Final-Shape-Handlungsbogen gemeint, der in den Saisons 20 bis 23 aufgebaut wurde, etwa die Mysterien um die Veil und den Zeugen. Dieser wurde durch die Episoden nur lose fortgesetzt. Branchenbeobachter kritisieren, dass Bungie zu lange an einer zehnjährigen Erzählung festhielt, ohne einen klaren Plan für die Zeit danach zu haben. Vergleichbare Live-Service-Titel wie Final Fantasy XIV haben nach dem Ende eines Handlungsbogens erfolgreich eine neue Ära gestartet („Endwalker“ gefolgt von „Dawntrail“). Destiny hingegen kämpft mit sinkenden Spielerzahlen: Laut ActivePlayer.io fiel die durchschnittliche Spielerzahl auf Steam von 70.000 im Monat (2022) auf unter 40.000 vor dem Release von The Final Shape. Die Erweiterung konnte die Zahlen kurzzeitig anheben, aber der langfristige Trend bleibt fragil.
Kein üblicher Abschluss
Normalerweise liefert Bungie epische Abspänne und emotionale Momente, wie den Tod von Cayde-6 in Destiny 2: Forsaken (2018) oder das heroische Opfer in Halo: Reach (2010). Diesmal überwiegt die Schwere. Der Artikel von PCGamer zeigt: Es ist kein Ende zum Feiern, sondern eines zum Nachdenken. Die Community wird noch lange über diese Cutscenes diskutieren.
Auf Metacritic hat The Final Shape eine Bewertung von 85 (PC), gut, aber niedriger als The Witch Queen (89). Die Nutzerbewertungen auf Steam sind „Sehr positiv“ (86% positiv), aber die Kommentare kritisieren oft das narrative Ende. PCGamer selbst bezeichnete die Cutscenes als „bittersüß und ernüchternd“. IGN und Eurogamer betonten die gelungene Atmosphäre, aber auch die narrative Unausgewogenheit. Dieser Abschluss zeigt die Schwierigkeiten eines langjährigen Live-Service-Titels, der seine Geschichte zu einem befriedigenden Ende bringen muss, ohne die Zukunft abzuschneiden. Ob die folgenden Episoden diese Lücke schließen, wird sich zeigen.