Ein Trip in die Ungewissheit
Alex Garlands Devs ist keine Serie, die man nebenbei laufen lässt. Sie fordert, verstört und belohnt mit einer Dichte, die sich nicht wiederholt.
Seit 2020 auf Hulu (hierzulande bei Disney+) veröffentlicht, ist der Achtteiler ein Musterbeispiel für harte Science-Fiction, die sich mit jeder neuen Sichtung tiefer ins Gehirn frisst.
Garland schrieb und inszenierte jede Episode selbst, eine Seltenheit im Serienformat. Zuvor drehte er Ex Machina (2014, Budget 15 Mio. Dollar, Oscar für visuelle Effekte) und Annihilation (2018, 40 Mio. Dollar). Sein Kino-Debüt als Regisseur war Ex Machina, davor machte er sich als Drehbuchautor für 28 Days Later und Sunshine einen Namen. Devs ist sein erster Ausflug in die Serie, produziert von DNA Films, der gleichen Firma hinter Ex Machina und 28 Days Later. Die Serie entstand für FX on Hulu, eine Kollaboration, die auch Fargo und The Bear hervorbrachte.
Warum sie immer besser wird
- Die Prämisse: Eine junge Software-Ingenieurin (Sonoya Mizuno) untersucht den Tod ihres Freundes in einem mysteriösen Tech-Konzern.
- Der Kern: Ein Quantencomputer, der die Vergangenheit und Zukunft berechnen kann, mit existenziellen Folgen für Determinismus und freien Willen.
- Die Machart: Garlands typische kühle Ästhetik, hypnotische Kamerafahrten und ein Soundtrack, der die Bedrohung unter die Haut legt.
Kein Zufall, dass die Geschichte 2026 noch beklemmender wirkt. Die Diskussion um KI-Ethik, algorithmische Vorhersagen und gläserne Bürger hat Devs in eine seltsame Vorreiterrolle katapultiert.
Die Serie wurde in den Pinewood Studios gedreht (London) und nutzte ein eigens gebautes Set für den unterirdischen Quantenraum. Das Budget lag bei geschätzten 30 Mio. Dollar für acht Episoden. Zum Vergleich: Westworld (HBO) kostete pro Staffel etwa 100 Mio. Dollar. Devs verzichtet auf Action und setzt stattdessen auf lange, statische Einstellungen. Der Soundtrack stammt von Geoff Barrow und Ben Salisbury, die bereits für Ex Machina und Annihilation komponierten. Die Musik mischt orchestrale Stücke mit verzerrten Samples, ein Sound, der Kritiker an Under the Skin erinnerte.
Themen, die brennen
- Determinismus vs. Freiheit: Ist alles vorherbestimmt? Die Serie stellt diese Frage ohne einfache Antwort.
- Überwachung und Macht: Wer einen Gottcomputer besitzt, besitzt auch die Kontrolle. Ein Thema, das mit jedem Datenleck relevanter wird.
- Technologie als Ersatzreligion: Die Entwickler bei Amaya (der fiktiven Firma) beten Algorithmen an. Klingt vertraut.
Alles wird in einer dichten, fast klaustrophobischen Atmosphäre erzählt. Kein Wunder, dass Polygon die Serie als „perfect binge“ bezeichnet.
Garland ließ sich für die Quantencomputer-Logik von realen Debatten inspirieren. 2019 demonstrierte Google mit Sycamore Quantenüberlegenheit, ein Meilenstein, den die Serie aufgreift. Die fiktive Firma Amaya erinnert an Google X oder DeepMind, wo Forscher wie Demis Hassabis an KI arbeiten. Anders als in Black Mirror (Charlie Brooker, 2011) oder The Capture (BBC, 2019) geht es in Devs nicht um konkrete Tech-Szenarien, sondern um metaphysische Konsequenzen. Die Serie erhielt auf Rotten Tomatoes 82 Prozent positive Kritiken, das Publikumsrating liegt bei 70 Prozent. Einige Zuschauer bemängelten das langsame Tempo, andere feierten die intellektuelle Schärfe.
Der ideale Einstieg
Acht Episoden, keine Längen, ein Ende, das tagelang nachwirkt. Devs ist kein Feelgood-Programm, es ist ein intellektuelles Puzzle, das einen nicht mehr loslässt.
Wer noch nicht reingeschaut hat: 2026 ist der perfekte Zeitpunkt. Die Realität ist der Fiktion längst hinterhergelaufen.
Seit der Erstausstrahlung 2020 hat Garland kein direktes Sequel angekündigt, die Serie ist als Miniserie konzipiert. Anders als Westworld (vier Staffeln) oder Altered Carbon (zwei Staffeln) bleibt Devs ein in sich geschlossenes Werk. Fans spekulieren dennoch über eine zweite Staffel, doch Garland selbst sagte in Interviews, die Geschichte sei erzählt. Wer tiefer einsteigen will, kann Garlands Roman The Beach (1996) lesen, der wie Devs mit Isolation und Entscheidungen spielt.