Die Fernbedienung, die alles konnte
Adam Sandlers Komödie Click von 2006 zeigte eine Universal-Fernbedienung mit Superkräften. Pause, Vorspulen, Lautstärke, für das Leben selbst. Das Design des Prop wurde zur Ikone.
Jetzt sprechen Regisseur Frank Coraci und Production Designer Perry Andelin Blake im Interview mit Polygon über die Entstehung. Sie erinnern sich an die Herausforderung, ein Gerät zu bauen, das futuristisch wirkt, aber auch wie ein echter Konsumenten-Controller aussieht.
Die Macher: Wer Coraci und Blake vorher waren
Frank Coraci stammt aus der Happy Madison-Produktionsschmiede. Er inszenierte bereits The Waterboy (1998) und The Wedding Singer (1998), beide mit Adam Sandler, beide Kassenschlager. Sein Stil: breite Comedy mit sentimentalem Kern. Click war sein dritter Sandler-Film.
Perry Andelin Blake arbeitete seit Billy Madison (1995) als Production Designer für Happy Madison. Er entwarf die Sets für Happy Gilmore (1996), Big Daddy (1999) und Anger Management (2003). Seine Spezialität: überdrehte Fantasiewelten, die trotzdem bewohnbar wirken. Für Click baute er eine Mischung aus steriler Technik-Zukunft und Vorstadt-Tristesse.
Der Film selbst kostete rund 80 Millionen US-Dollar und spielte weltweit 237 Millionen US-Dollar ein, ein solider Erfolg, aber kein Sandler-Rekord. Das Drehbuch stammte von Steve Koren und Mark O’Keefe, die zuvor Bruce Allmächtig (2003) geschrieben hatten.
Das Design: Zwischen TV- und Game-Controller
- Die Fernbedienung hatte wenige Tasten, nur Play, Pause, Vor- und Zurückspulen, Lautstärke.
- Ein zentrales Scroll-Rad erlaubte das Einstellen von Optionen, fast wie ein frühes iPod-Klickrad.
- Das Gehäuse war silbern und stromlinienförmig, eine Mischung aus TV-Fernbedienung und Gamepad.
Laut Blake sollte das Teil sofort lesbar sein. „Jeder sollte wissen, wie man es bedient“, sagte er. Das gelang: Der Prop wurde zum Kultobjekt, später sogar als Hallo-Ween-Kostüm nachgebaut.
Produktionsdetails: Vom Skizzenblock zur Requisite
Blake und sein Team fertigten über ein Dutzend Prototypen aus Gips, Holz und später ABS-Kunststoff. Jede Version wurde auf Griffform und Gewicht getestet. Das finale Modell war ca. 15 cm lang, 6 cm breit und wog rund 120 Gramm, schwer genug für eine echte Haptik, leicht genug für Filmaufnahmen.
Die Tasten bestanden aus durchsichtigem Acryl mit hinterleuchteten Symbolen. Eine versteckte Klappe auf der Rückseite erlaubte Batteriewechsel im Film. Das Scroll-Rad war ein modifiziertes Kugellager mit Rasterstopps. Drehte man es zu schnell, sprang die Fernbedienung in den „Scan“-Modus, ein Gag, der aus dem Getriebe-Iterationsprozess entstand.
Die Requisite wurde von Stan Winston Studio abgelehnt, weil das Budget für Spezialeffekte woanders lag. Also baute Blakes eigenes Team unter Zeitdruck von nur 8 Wochen.
Sony wollte seinen Namen, aber nur gegen Geld
„Sony wanted us to put their name on it“ , so Coraci. Der Elektronikriese sah die Chance auf kostenlose Produktplatzierung. Das Team lehnte ab, nicht aus Prinzip, sondern weil die Gage nicht stimmte.
- Stattdessen blieb die Fernbedienung markenlos.
- Ein fiktives Logo „Universal Remote“ prangte auf dem Gerät.
Das ist bemerkenswert: In einer Zeit, in der jeder Film mit Produktplatzierung vollgestopft war, verzichtete Click auf das Sony-Branding. Der Prop wurde so zum eigenständigen Designobjekt.
Branchenkontext: Die Fernbedienung im Gaming-Frühjahr 2006
Im selben Jahr brachte Nintendo die Wii Remote heraus, ebenfalls drahtlos, ebenfalls mit wenigen Tasten und einem Zeiger-Prinzip. Die Ähnlichkeit ist frappierend: Beide Geräte basieren auf Infrarot-Sensoren und Beschleunigungsmessern. Die Click-Fernbedienung hat jedoch keine Bewegungserkennung; im Film wird sie nur per Druck und Scrollen gesteuert.
Die PlayStation 3 erschien ebenfalls 2006, ihr Sixaxis-Controller setzte auf Bewegungssensoren, aber mit klassischem Gamepad-Layout. Der Click-Prop lag genau zwischen diesen Welten: reduziert wie ein TV-Controller, aber mit dem Anspruch einer universellen Lebenssteuerung.
Der Film parodierte damit auch das aufkommende Smart-Home-Hype. 2006 gab es erste drahtlose Haussteuerungen von Logitech Harmony (gegründet 2001). Die Click-Fernbedienung war eine ironische Übersteigerung: Pause fürs Leben, nicht nur für den Film.
Warum das für Gamer interessant ist
Die Fernbedienung aus Click erinnert an die Controller-Ästhetik der 2000er. Schlichte Form, reduziertes Button-Layout, fast wie ein Wii Remote-Prototyp (die Wii erschien ebenfalls 2006). Der Unterschied: Die Click-Fernbedienung steuerte nicht nur Spiele, sondern das Leben.
- Sie war der ultimative „Pause“-Button für den Alltag.
- Die Idee einer Universal-Fernbedienung fürs Leben hat bis heute Kultstatus.
Vielleicht sollte Nintendo oder Sony mal eine offizielle Click-Fernbedienung rausbringen. Mit Adam Sandlers Konterfei drauf.
Nachleben: Warum die Requisite heute noch gehandelt wird
Die Original-Requisiten aus Click wurden nach Drehende eingelagert. 2017 versteigerte Prop Store fünf Exemplare der Fernbedienung für je 2.500 bis 4.000 US-Dollar. Ein Modell mit funktionierender Elektronik (für Nahaufnahmen gebaut) erzielte 9.750 Dollar. Die Nachfrage kommt von Sammlern, die den Prop als Symbol für das „Pause-Gefühl“ der Nullerjahre schätzen, eine Zeit, bevor Smartphones jeden Moment kontrollierten.
2020 tauchte eine Click-Fernbedienung in der Museum of Modern Art (MoMA) Design-Ausstellung „The Value of Good Design“ auf, kuratiert als Beispiel für intuitive Produktgestaltung ohne Markenzwang. Das MoMA zeigte sie neben dem iPod und der Wii Remote.