Überfluss im Store
Der Steam-Store verzeichnet aktuell über 50.000 aktive Titel, wobei der Anteil an sogenannten „Simulator-Spielen“ seit 2020 jährlich um etwa 15 Prozent gestiegen ist. Diese Entwicklung korreliert direkt mit der einfachen Verfügbarkeit von Unity-Asset-Store-Paketen, die es kleinen Entwicklerteams erlauben, funktionale Grundgerüste für wenige hundert Euro zu erwerben.
Große Publisher wie Astragon Entertainment haben diesen Markt früh besetzt, stoßen nun aber auf eine Flut an kostengünstigen Nachahmer-Produkten. Während etablierte Marken wie der Landwirtschafts-Simulator durch jährliche Updates und Mod-Support eine treue Basis halten, verschwinden hunderte Kleinsttitel nach wenigen Monaten in der Bedeutungslosigkeit.
Was wir heute sehen
Die Mechaniken dieser Titel basieren oft auf repetitiven Aufgaben wie dem Steuern von Fahrzeugen oder dem Verwalten von Bestandslisten. Entwickler wie PlayWay S.A. aus Polen haben dieses Geschäftsmodell perfektioniert, indem sie dutzende kleine Simulatoren wie den Car Mechanic Simulator oder House Flipper über ein riesiges Netzwerk an Tochterstudios produzieren.
- Landwirtschafts-Simulationen: Hier dominiert der Landwirtschafts-Simulator 22 von GIANTS Software, der mit über 30 Millionen verkauften Einheiten das Genre anführt.
- Mechaniker-Titel: Der Car Mechanic Simulator 2021 verzeichnete zum Start über 30.000 gleichzeitige Spieler, während zahllose Klone wie Tank Mechanic Simulator kaum die 500er-Marke knacken.
- Nischen-Simulationen: Titel wie Forklift Simulator oder Street Cleaner Simulator bedienen spezifische Berufsfelder, deren spielerischer Kern oft nur aus dem Verschieben von Objekten in einer starren Physik-Engine besteht.
Die Suche nach Qualität
Die technische Basis vieler Simulatoren stammt häufig aus der Unity- oder Unreal-Engine, wobei identische Assets für Texturen, Menü-Designs und Fahrzeugmodelle verwendet werden. Dies führt zu einer optischen Homogenität, bei der sich ein Bus-Simulator kaum von einem Müllabfuhr-Simulator unterscheidet.
- Die Ladezeiten und Menüstrukturen folgen bei 80 Prozent der Low-Budget-Simulatoren dem gleichen Schema, was auf die Nutzung standardisierter UI-Templates hindeutet.
- Viele Studios setzen auf aggressives Marketing durch YouTube-Let’s-Player, um durch den „Cringe-Faktor“ oder absichtliche Bugs kurzfristige Aufmerksamkeit zu generieren.
- Etablierte Marken investieren Millionen in Lizenzverträge mit Herstellern wie John Deere oder MAN, was die Hürde für Wettbewerber massiv erhöht.
Ein kritischer Blick
Steam senkte die Gebühr für den Steam Direct-Eintrag auf 100 Euro, was den Zustrom an minderwertigen Projekten beschleunigte. Die Plattform bietet derzeit keine effektive Methode, um die Qualität dieser Simulationen vor dem Kauf zu filtern, da das Bewertungssystem durch gezielte „Review-Bombings“ oder „Fake-Reviews“ manipuliert wird.
- Destructoid berichtet, dass die Anzahl der täglich auf Steam veröffentlichten Spiele im Jahr 2023 bei durchschnittlich 40 Titeln lag, wovon ein beachtlicher Teil in die Kategorie „Simulator“ fällt.
- Kleine Studios nutzen oft „Asset Flipping“, bei dem gekaufte 3D-Modelle in eine funktionierende Programm-Hülle eingesetzt werden, ohne eigene spielerische Ideen einzubringen.
- Die Lebensdauer dieser Titel ist kurz, da die meisten Entwickler nach dem Release kaum Updates oder Bugfixes für das Basisspiel liefern.
Die Verkaufszahlen zeigen eine klare Tendenz: Während die Top-5-Simulatoren 90 Prozent des Umsatzes in diesem Segment generieren, bleiben die restlichen tausend Titel bei einem Umsatz von unter 10.000 Euro pro Lebenszyklus. Viele dieser Projekte dienen lediglich als „Proof of Concept“ für neue Entwicklerteams, die mit einem fertigen Titel ihre Reputation bei Publishern verbessern wollen. Die Sättigung des Marktes hat dazu geführt, dass Käufer zunehmend misstrauisch gegenüber Neuerscheinungen im Simulations-Bereich reagieren. Aktuelle Daten von SteamDB belegen, dass die durchschnittliche Spielzeit bei den meisten dieser Simulatoren nach der ersten Woche unter zwei Stunden sinkt.