Gerücht: Disney Plus zielt auf YouTube
Laut einem Bericht von PCGames will Disney seinen Streaming-Dienst Disney Plus als echte Alternative zu YouTube positionieren. Ein neues Angebot soll kommen, und Werbung spielt dabei die Hauptrolle. Eine offizielle Bestätigung gibt es nicht. Das Ganze ist erst einmal ein Gerücht.
Bisher war Disney Plus ein reiner Abo-Dienst für Serien, Filme und exklusive Marvel- oder Star-Wars-Inhalte. Ein werbefinanzierter Bereich wäre ein radikaler Bruch mit der bisherigen Strategie.
Doch Disney hat bereits einen werbefinanzierten Tarif: Seit Dezember 2022 bietet Disney+ in den USA Disney+ Basic für 7,99 Dollar pro Monat an, mit Werbeunterbrechungen. Der werbefreie Tarif kostet 13,99 Dollar. Nach einem Jahr hatte der Basic-Tarif laut Disney rund fünf Millionen Abonnenten gewonnen. Das Modell existiert, nur nicht als eigener Bereich für User-Content. PCGames spekuliert nun über einen Clip-Kanal innerhalb des Dienstes, ähnlich dem YouTube-Shorts-Angebot, aber mit Disney-IP.
Werbung als neuer Hebel
- Geplant sein soll ein werbefinanzierter Bereich innerhalb von Disney Plus
- Damit könnten Nutzer Inhalte kostenlos oder günstiger streamen
- Im Gegenzug müssten sie sich Werbepausen ansehen
Das Modell erinnert stark an YouTube: Videos kostenlos, dafür Werbung vor und während der Clips. Disney würde dann nicht mehr nur gegen Netflix oder Amazon Prime kämpfen, sondern direkt gegen die größte Videoplattform der Welt.
YouTube hat rund 2,5 Milliarden monatlich aktive Nutzer, Disney Plus etwa 157 Millionen (Stand April 2024). Ein werbefinanzierter Clip-Bereich könnte Disneys Werbeumsätze steigern, 2023 erzielte Disney mit Werbung über alle Streaming-Dienste (Disney+, Hulu, ESPN+) rund 9,3 Milliarden Dollar. Der Hebel wäre groß, aber die Konkurrenz ebenfalls: YouTube generierte 2023 mit Werbung über 31 Milliarden Dollar.
Disneys bisherige Schritte ins User-Content-Geschäft
Disney hat sich bislang von User-generated Content ferngehalten. Anders als Netflix, das 2023 erste interaktive Filme und eine Spiele-Flatrate (50 mobile Spiele) startete, setzte Disney auf kuratierte Premium-Inhalte. Ein eigener Clip-Bereich würde enorme Moderation erfordern, Disney ist bekannt für strikte Markenkontrolle und Urheberrechtsdurchsetzung.
Die einzige Ausnahme: Star Wars: Galaxy of Heroes (2015) als Mobile-Game und die Disney+ Watch Party-Funktion. Doch echte Creator-Tools wie Livestreaming oder Videohochladen fehlen. Sollte Disney diesen Weg gehen, müsste es eine Content-Moderation aufbauen, die mit YouTube mithalten kann, ein Milliardenprojekt.
Was das für Gamer bedeutet
- Disney Plus könnte Let’s Plays, Tutorials und Game-Clips anbieten
- Viele Gaming-Kanäle sind auf YouTube beheimatet, ein Disney-Angebot könnte Creator anlocken, wenn die Konditionen stimmen
- Auch Lizenzinhalte zu Disney-Spielen oder Marvel-Titeln wären denkbar
Ein solcher Schritt wäre vor allem für Familien und junge Zielgruppen interessant, die ohnehin Disney-Marken lieben. Allerdings: Ohne Details zu Vergütung oder Tools für Creator bleibt das Spekulation.
Disney hat eine wechselhafte Geschichte mit Gaming-Eigenproduktionen. Disney Infinity (2013–2016) war ein Toys-to-Life-Spiel mit eigenen Figuren, verkaufte sich insgesamt rund 3,5 Millionen Einheiten, wurde aber wegen hoher Kosten eingestellt. Seither konzentriert sich Disney auf Lizenzvergabe: Star Wars Jedi: Fallen Order (2019) von Respawn/EA verkaufte über 10 Millionen Exemplare, Marvel’s Spider-Man (2018) von Insomniac/Sony über 20 Millionen. Eigene Streaming-Inhalte zu diesen Games gibt es nicht, Disney Plus hat keine Game-Trailer oder Walkthroughs. Ein werbefinanzierter Clip-Bereich könnte diese Lücke füllen, müsste aber mit Plattformen wie Twitch (140 Millionen monatliche Nutzer) und YouTube Gaming konkurrieren.
Keine offizielle Bestätigung, aber viel Potenzial
Disney hat sich bislang nicht zu dem Gerücht geäußert. Wer den Dienst kennt, weiß: Disney Plus ist extrem streng kuratiert, User-generated Content gibt es bisher nicht. Das zu ändern, wäre ein gewaltiger Umbau.
PCGames zitiert keine konkreten internen Quellen. Dennoch zeigt das Gerücht, wie sehr der Streaming-Markt unter Druck steht. Disney braucht mehr Reichweite, YouTube mehr Premium-Inhalte. Ob die Idee Realität wird? Abwarten. Aber warm anziehen sollte sich YouTube trotzdem.
Die Kosten für einen solchen Schritt wären enorm: YouTube gibt allein für Content-ID und Moderation jährlich über eine Milliarde Dollar aus. Disney könnte auf bestehende Technologien wie Hulu (das bereits Werbe- und Livestreaming bietet) zurückgreifen, Hulu hatte 2023 rund 48 Millionen Abonnenten, darunter viele mit Werbetarifen. Eine Integration von Hulu-Infrastruktur in Disney Plus wäre naheliegend, würde aber die Markenidentität verwässern. Bisher gibt es nur gebündelte Abos.