Die nackten Zahlen
Der französische Entwickler Don't Nod steckt in ernsthaften finanziellen Schwierigkeiten. In einem neuen Finanzbericht räumt das Studio ein, dass die Barreserven bis November 2026 aufgebraucht sein könnten.
Grund dafür sind laut Bericht fehlende Mittel für das interne Projekt P14. Wie genau dieses Projekt aussieht, ist nicht bekannt. Klar ist: Ohne frisches Geld wird es eng.
Vom Indie-Debüt zum Weltruhm
Don't Nod wurde 2008 von den ehemaligen Ubisoft-Mitarbeitern Oskar Guilbert, Jean-Maxime Moris und Alain Damasio gegründet. Das erste Spiel Remember Me (2013) erschien bei Capcom als Third-Person-Actiontitel mit Memory-Manipulation. Der Verkauf blieb mit rund einer Million Einheiten hinter den Erwartungen zurück, zu teuer für das Budget, zu speziell für den Massenmarkt.
Der Durchbruch kam 2015 mit Life is Strange, einem episodischen Adventure von Square Enix. Das Spiel gewann über 50 Auszeichnungen und verkaufte sich bis 2020 mehr als 2,5 Millionen Mal. Allerdings blieben die Rechte bei Square Enix, Don't Nod profitierte kaum von späteren Ablegern der Marke.
Ein Studio mit bewegter Geschichte
Don't Nod ist kein unbekannter Name. Das Studio wurde durch Life is Strange (2015) weltberühmt und hat seitdem eine Reihe von Titeln veröffentlicht:
- Banishers: Ghosts of New Eden, Action-RPG aus dem Jahr 2023
- Jusant, Klettersimulation von 2023
- Aphelion, der aktuellste Titel, erst 2026 erschienen
- Vampyr und Remember Me als frühere Arbeiten
Die jüngsten Spiele verkauften sich solide, aber offenbar nicht gut genug, um die Kasse nachhaltig zu füllen.
Finanzielle Turbulenzen und Personalabbau
Bereits im Januar 2024 strich Don't Nod 69 Stellen, rund 22 Prozent der Belegschaft. Der Aktienkurs des an der Pariser Börse notierten Unternehmens fiel in den folgenden Monaten um über 60 Prozent. Banishers: Ghosts of New Eden bekam bei Metacritic eine Wertung von 70 und verkaufte sich laut Branchenschätzungen unter 500.000 Einheiten. Jusant, ein preiswertes Indie-Projekt (25 Euro UVP), erzielte gute Kritiken (Metacritic 84), aber keine hohen Stückzahlen.
Aphelion startete 2026 mit verhaltenem Presseecho. Verkaufszahlen für den Titel wurden bisher nicht veröffentlicht. Die Hoffnung ruhte auf einer schnellen Amortisation, die scheint ausgeblieben zu sein.
Was fehlt, und was jetzt passieren könnte
Der Bericht nennt fehlende Finanzierung für P14 als Hauptgrund für die Liquiditätslücke. Don't Nod sucht offenbar nach Investoren oder einem Publisher-Partner.
Bis dahin zehrt das Studio von den Einnahmen der bereits veröffentlichten Spiele. Ob Aphelion oder Banishers die Erwartungen erfüllten, bleibt unklar, der Markt reagierte verhalten.
Branchenvergleich: Wer überlebte, wer scheiterte
Don't Nod ist nicht der erste Entwickler, der nach einem Megahit in die Krise gerät. Telltale Games setzte nach The Walking Dead auf zu viele Parallelproduktionen und meldete 2018 Insolvenz an. Quantic Dream mit Detroit: Become Human fand 2019 in NetEase einen Käufer. Remedy Entertainment kämpfte nach Control mit hohen Kosten und rettete sich durch einen Publishing-Deal mit Epic Games.
Gemeinsam ist diesen Studios: Ein Hit reicht selten, um langfristig stabil zu wirtschaften. Don't Nod versuchte nach Life is Strange mit mehreren Projekten gleichzeitig zu wachsen, aber ohne eine zweite starke Marke. Vampyr verkaufte sich eine Million Mal, doch die Entwicklungskosten lagen bei über 20 Millionen Euro. Die Marge blieb dünn.
Kein Grund zur Panik, aber ein Weckruf
Die Branche hat schon Studios in ähnlichen Lagen gesehen. Manche fanden einen Käufer, andere stellten den Betrieb ein. Don't Nod hat mit Life is Strange einen Meilenstein gesetzt, aber kommerziell nie an diesen Erfolg angeknüpft.
Immerhin: Das Team arbeitet weiter, und die Aphelion-Community steht hinter dem Studio. Ob das reicht, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Aktuell beschäftigt Don't Nod noch rund 240 Mitarbeiter, und hat bis November Zeit, einen Investor zu finden.