Gaider spricht Klartext über EA
David Gaider, ehemaliger Lead Writer von Dragon Age, hat gegenüber PC Gamer ausgepackt. Seine Aussage: EA hat die Fantasy-Reihe nie wirklich geliebt. „Wir waren immer einen Atemzug davon entfernt, dass das Projekt eingestellt wird“, so Gaider. Dragon Age überlebte nur, weil die Spiele stets besser verkauften als von EA erwartet.
BioWares Geschichte: Von Baldur's Gate zu EA
BioWare wurde 1995 von den Ärzten Ray Muzyka, Greg Zeschuk und Augustine Yip in Edmonton gegründet. Ihr erster Hit: Baldur's Gate (1998), ein isometrisches RPG auf Basis von Dungeons & Dragons. Es folgten Neverwinter Nights (2002) und der Branchenliebling Star Wars: Knights of the Old Republic (2003). EA kaufte das Studio 2007. Die Gründer verließen das Unternehmen 2012, danach folgten zahlreiche Abgänge von Veteranen wie Gaider (2016). Heute arbeitet nur noch ein „Kernteam“ von etwa 20 Leuten an Mass Effect.
Mass Effect als Lieblingskind
Für EA war Mass Effect das Vorzeige-RPG: slick, modern und leicht vermarktbar. Dragon Age hingegen galt als altmodisches, storylastiges Rollenspiel.
- Erfolge von Dragon Age wurden von EA als „Zufall“ abgetan.
- Dabei verkauften sich frühe Dragon-Age-Teile besser als Mass Effect.
Gaider erinnert sich: „Es überraschte sie immer wieder, dass es sich gut verkaufte.“
Dragon Age: Erfolge und Verkaufszahlen
Die Reihe startete 2009 mit Dragon Age: Origins, über 3,2 Millionen verkaufte Einheiten bis 2010. Dragon Age II (2011) erreichte rund 2 Millionen. Dragon Age: Inquisition (2014) brach mit über 12 Millionen Verkäufen alle Rekorde und gewann den Game of the Year Award 2014. Dennoch blieb EA skeptisch. Zum Vergleich: Mass Effects erster Teil verkaufte rund 2 Millionen, Teil 2 etwa 2,5 Millionen. Mass Effect: Andromeda (2017) enttäuschte mit rund 5 Millionen. Die Legendary Edition (2021) landete bei 2 Millionen. EA steckte mehr Geld in Mass Effect: Comics, Merchandise, einen geplanten Film. Dragon Age bekam nichts dergleichen.
The Veilguard, der Sargnagel?
Dragon Age: The Veilguard enttäuschte die Verkaufsprognosen von EA. Kurz darauf folgte eine große Entlassungswelle bei BioWare. Nur ein „Kernteam“ blieb übrig, es arbeitet am nächsten Mass Effect. Für Dragon Age sieht es düster aus.
Gaiders Rückkehr-Wunsch
Trotz allem würde Gaider zurückkommen. Allerdings nur unter einer Bedingung: Er müsste die volle Kontrolle über das IP erhalten und es dürfte nicht unter EA produziert werden. „Ich würde zurück zu den Wurzeln gehen“, sagt Gaider. „Dunkel und gefährlich, Dinge tun, die Leute verärgern.“
Zukunft von BioWare ungewiss
EA ging vergangenes Jahr in Privatbesitz über, ein 55-Milliarden-Dollar-Buyout, finanziert unter anderem von Saudi-Arabiens Public Investment Fund. Der Schuldenberg beträgt 20 Milliarden Dollar. Analysten erwarten, dass EA Studios verkaufen wird. BioWare könnte einer der Kandidaten sein.
Branchenkontext: Fantasy-RPGs im Jahr 2024
Das Genre erlebt einen Boom: Baldur's Gate 3 (Larian Studios, 2023) verkaufte sich über 15 Millionen Mal und zeigte, dass traditionelle, storylastige CRPGs ein großes Publikum haben. The Witcher 3 (2015) steht bei über 50 Millionen, The Elder Scrolls V: Skyrim bei über 60 Millionen. Dragon Age: Inquisition liegt mit 12 Millionen unter diesen Spitzenwerten, ist aber kein Nischenprodukt. Analysten vermuten, dass EA lieber ein actionorientiertes Mass Effect als ein taktisches Fantasy-RPG fördert, trotz der Erfolgsgeschichte von Baldur's Gate 3.