Überraschung in der Entwickler-Etage
Die Schöpfer von Dragon’s Dogma 2 bei Capcom zeigen sich überrascht davon, wie viel Zeit Spieler in das modische Auftreten ihrer Charaktere investieren. Director Hideaki Itsuno und sein Team stellten fest, dass das Styling oft Vorrang vor der reinen Optimierung von Rüstungswerten hat.
Das japanische Studio hat eine lange Historie mit komplexen Rollenspielen. Capcom ist primär für Marken wie Resident Evil, Monster Hunter und Devil May Cry bekannt. Die Erfahrung aus diesen Franchises floss direkt in das Kampfsystem des Spiels ein.
Kleider machen Leute
Die Community nutzt den Ausspruch „Our master cuts a gallant figure“, wenn ein Vasall oder der Hauptcharakter optisch überzeugt. Dieses Zitat stammt direkt aus dem ersten Teil der Serie aus dem Jahr 2012.
Die Motivation für dieses Verhalten lässt sich in drei Punkte unterteilen:
- Die visuelle Präsentation des eigenen Helden in der Spielwelt.
- Das Kombinieren verschiedener Rüstungsteile unabhängig von defensiven Werten.
- Die Freude am Erreichen einer ästhetischen Stimmigkeit.
Das ursprüngliche Dragon’s Dogma erschien auf der PlayStation 3 und Xbox 360. Es verkaufte sich bis zur Veröffentlichung der „Dark Arisen“-Version weltweit über eine Million Mal. Fans der ersten Stunde haben bereits vor zwölf Jahren komplexe Modenschauen im Spiel veranstaltet.
Fokus auf Ästhetik
Die Entwickler von Dragon’s Dogma 2 hatten bei der Konzeption des Titels den Fokus primär auf die physikbasierten Kämpfe und die offene Welt gelegt. Dass die optische Gestaltung eine derartige Priorität für die Nutzer einnimmt, war in der internen Planung so nicht vorhergesehen.
Einige Beobachtungen zum Verhalten der Spieler:
- Kostüme dienen oft der Selbstdarstellung statt dem Schutz vor Gegnern.
- Screenshot-Modi werden genutzt, um modische Erfolge in sozialen Medien zu verbreiten.
- Spieler verbringen Stunden im umfangreichen Charakter-Editor, bevor sie das eigentliche Spiel starten.
Im Vergleich zu anderen Rollenspielen wie Elden Ring oder Baldur’s Gate 3 ist das System in Dragon’s Dogma 2 weniger starr. Kleidungsteile lassen sich frei kombinieren, ohne dass ein festes Set-Bonus-System den Spieler in eine bestimmte Richtung zwingt.
Kontext der Branche
Der Trend, Spiele als virtuelle Laufstege zu nutzen, ist in der Branche bekannt. In Monster Hunter: World, ebenfalls von Capcom entwickelt, gibt es das Konzept des „Layered Armor“. Dort können Spieler das Aussehen ihrer Rüstung von den tatsächlichen Werten entkoppeln.
Die Spielerzahlen von Dragon’s Dogma 2 spiegeln das Interesse an dieser Form der Personalisierung wider. Auf Plattformen wie Steam erreichte der Titel zum Start über 200.000 gleichzeitige Nutzer. Viele der geteilten Inhalte in Foren konzentrieren sich auf die exakte Nachbildung von Charakteren aus anderen Medien.
Das System der Vasallen, die zwischen den Welten anderer Spieler reisen, verstärkt diesen Effekt. Ein optisch ansprechender Charakter wird häufiger von anderen Spielern angeheuert. Die Entwickler reagieren auf diese Dynamik nun mit einer verstärkten Analyse des Nutzerverhaltens.
Die Hingabe, mit der Fans ihre Charaktere einkleiden, verändert den Blick der Entwickler auf das Spieldesign. Hideaki Itsuno merkte in Interviews an, dass die Community durch ihre Vorlieben die Wahrnehmung des Titels mitbestimmt. Der Erfolg der visuellen Anpassungsmöglichkeiten beeinflusst bereits interne Diskussionen über zukünftige Updates für das Spiel.